Tempelhofer Feld

André Schmitz verteidigt teuren Bau der Landesbibliothek

Trotz Schulden will der Berliner Senat 270 Millionen Euro für die Landesbibliothek ausgeben. Kulturstaatssekretär André Schmitz kann sich keine „sinnvollere Verwendung“ von Steuergeldern vorstellen.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER / JöRG KRAUTHöFER

Verstaubte Regale, abgegriffene Bücher, mühsame Ausleihen – öffentliche Bibliotheken haben oft keinen guten Ruf. Doch dem Internet zum Trotz: Immer mehr Großstädte setzen auf eine ganz neue Art von Bibliothek. Mit spektakulären Neubauten wollen Metropolen weltweit ihren Bürgern Chancen auf lebenslanges Lernen eröffnen, etwa in Tokio, Amsterdam, Mexiko-Stadt, Vancouver, Seattle oder Stuttgart.

Berlin will solchen Beispielen jetzt folgen. Obwohl das Land massiv verschuldet ist, plant der rot-schwarze Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für 270 Millionen Euro eine neue Metropolenbibliothek auf dem Tempelhofer Feld. Der Architektenwettbewerb ist bereits ausgeschrieben, bis Mitte Dezember soll das Preisgericht entscheiden. Noch in der bis 2016 laufenden Legislaturperiode ist der erste Spatenstich geplant.

Durch Neubau entstehen 3200 Plätze für Nutzer

Kritisiert werden vor allem die Kosten für den Neubau. Doch Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) verteidigt das Vorhaben: „Die Zentral- und Landesbibliothek ist schon jetzt die am besten besuchte Kultureinrichtung Berlins. Sie hat bis zu 5000 Besucher am Tag und platzt aus allen Nähten“, sagte Schmitz. „Es ist unsere Pflicht, einen Ort der Bildung für alle zu schaffen.“

Laut Schmitz entstehen durch den Neubau 3200 Plätze für Nutzer – bisher sind es 500. Das Haus solle 360 Tage im Jahr jeweils 16 Stunden geöffnet sein, sagte der SPD-Politiker. Auch in Zeiten des Internets ist der Neubau einer Bibliothek nach Meinung von Schmitz noch zeitgemäß. Denn die neue Bibliothek werde auch ein wichtiger Ort für digitale Medien und digitales Arbeiten sein, Bibliotheksneubauten in aller Welt hätten enorme Besucherzuwächse zu verzeichnen. Deshalb sieht Schmitz den Neubau der ZLB nicht als kulturpolitischen Luxus, sondern als Investition in Bildung und Kultur. „Eine sinnvollere Verwendung von Steuergeldern kann ich mir kaum vorstellen“, so Schmitz.