Neuer Job

Dieser Hüne ist zu groß für die Berliner Feuerwehr

Profi-Wasserballer Fabian Schroedter wollte bei der Berliner Feuerwehr eine neue Karriere beginnen. Den Test absolvierte er mit Bravour und wurde doch abgelehnt: Mit 2,07 Meter sei er einfach zu groß.

Foto: Reto Klar

Wenn man sich schon retten lassen müsste, dann gern von jemandem wie Fabian Schroedter. Der 30-jährige Berliner ist stattliche 2,07 Meter groß und durchtrainiert. Fabian Schroedter ist Profi-Wasserballer und beim Verein „Wasserfreunde Spandau 04“. Als Nationalspieler hat er rund 265 Länderspiele absolviert, war elf Mal Deutscher Meister und nahm 2004 an den Olympischen Spielen teil.

Mit 30 Jahren denkt er nun langsam über eine Karriere nach der Sportlerkarriere nach. Sein Wunsch: Er will Feuerwehrmann werden. Also bewirbt er sich, wird zu den Einstellungstests eingeladen, absolviert alle mit Bravour – und wird abgelehnt. Die Begründung: Fabian Schroedter ist einfach zu groß für die Feuerwehr.

„Nach einer eingehenden Bestandsaufnahme, Prüfung der zu erfüllenden Anforderungen für den Dienst auf einer Feuerwache und Rücksprache mit der Behördenleitung musste leider festgestellt werden, dass mit einer Körpergröße von 2,07 Meter eine wichtige körperliche Voraussetzung nicht erfüllt wird“, heißt es in dem Ablehnungsschreiben, das, datiert am 4. Juli, bei Fabian Schroedter zu Hause ankam.

Dabei war er sich sicher, dass der Bescheid positiv sein würde. „Die Tests liefen alle super“, sagt Fabian Schroedter. „Außerdem habe ich in den Tagen, die ich für die Wissens- und Eignungstest dort war, ja mehreren Menschen von der Feuerwehr gegenübergestanden. Nie hat jemand geäußert, dass es wegen meiner Größe ein Problem geben könnte.“

Wer sich auf der Internetseite der Berliner Feuerwehr schlau macht, findet dort als Einstellungsvoraussetzung lediglich die Angabe einer Mindestgröße (1,65 Meter). „Ich wusste zwar, dass man ab einer Körpergröße von 1,95 Meter einen Behördenbescheid abwarten muss“, sagt Fabian Schroedter. „Aber nach den Reaktionen vor Ort schien das alles gut für mich zu laufen.“

„Er war wirklich gut“

„Richtig gut war er“, sagt auch Bianka Olm von der Pressestelle der Feuerwehr sofort. „Wir wollten ihm nicht gleich eine Absage erteilen, weil er auch bei den Geschicklichkeitstests, bei denen vor allem viele der größeren Bewerber schlecht abschneiden, gepunktet hat.“ Man hört heraus, dass der Feuerwehr die Absage schwer gefallen ist. Aber für Fabian Schroedter wären, um seine Sicherheit zu gewährleisten, Sonderanfertigungen nötig gewesen: ein Spezialbett oder die feuerfeste Schutzkleidung.

„Wir haben im Rettungsdienst Kleidung – aber leider nicht für seine Körpergröße“, sagt Bianka Olm. Die Feuerwehr habe Kontakt zu der Firma aufgenommen, die die Spezialkleidung herstellt, habe nach den Kosten gefragt. Und sei letztlich daran gescheitert, dass kein Geld da sei.

Um dieser Argumentation etwas entgegenzusetzen, hat Fabian Schroedter Fotos gemacht. Die zeigt er nun auf seinem Handy. Darauf trägt er die Brandschutzhose eines „Bekannten“. „Die Hose gehört jemandem, der etwa 1,95 Meter groß ist. Und man sieht ja, dass die Hose passt“, sagt Fabian Schroedter. Dann folgen Bilder im Löschfahrzeug. Denn auch da sei seine Sicherheit nicht gewährleistet, hieß es bei der Feuerwehr – abgesehen davon, dass er nicht aufrecht würde sitzen können. Auf den Fotos kann er das aber.

Fabian Schroedter will keinen großen Streit vom Zaun brechen, klagen wird er nicht. „Das halte ich für ein schlechtes Vorzeichen, wenn ich mich da einklagen würde“, sagt der junge Mann, seit zwei Jahren Vater des kleinen Finn. Auch seinetwegen wollte er den Beruf wechseln. Vom Berufssportler mit Abschluss als Sportfachwirt wollte er zum Feuerwehrmann werden. „Seit ein paar Jahren spukt das schon in meinem Kopf herum: Ruhe einkehren lassen, etwas Bodenständiges tun“, sagt Schroedter.

Ein echter Teamspieler

Bis Mitte 30 sei so eine Spitzensportlerkarriere, wie er sie führe, gut denkbar. „Es hätte alles so gut gepasst: Im Oktober hätte ich aus dem aktiven Dienst bei der Bundeswehr austreten können, das wäre für den Ausbildungsstart perfekt gewesen“, sagt Fabian Schroedter. „Ich will einfach den Absprung nicht verpassen oder mich so verletzen, dass ich dann keine Alternativen mehr habe.“ Schroedter macht sich Gedanken, ist besonnen, hat eine ruhige, angenehme Art. Die Feuerwehr und er – das hätte perfekt gepasst.

Das sieht er auch so: „Mein Sport und der Beruf gleichen sich: Jetzt könnte ich ja auch kein Spiel gewinnen, wenn ich nicht im Team arbeiten würde.“ Jemanden wie ihn könnte eigentlich jeder gut gebrauchen – die Berliner Feuerwehr ohnehin: Wo doch ständig beklagt wird, dass angesichts einer viel zu dünnen Personaldecke eine unzulässige Zahl von Überstunden geleistet werden müsse. Der Vertrag mit der Bundeswehr läuft bei Fabian Schroedter noch bis Ende 2014, seinen Vertrag bei „Spandau 04“ hat er nun gerade noch verlängern können.

Was er jetzt machen soll, weiß der Wasserballer noch nicht. „Vielleicht bewerbe ich mich bei der Polizei, mal sehen.“ Fabian Schroedter hat übrigens auch der Senatsverwaltung für Inneres und Sport geschrieben, hätte auch von dort gern noch einmal gehört, warum für ihn kein Platz ist bei der Berliner Feuerwehr. Leider hat er keine Antwort bekommen. Das Schreiben werde gerade geprüft, heißt es bei der Verwaltung. Er habe keinen Ärger machen wollen mit dem Brief, sagt Schroedter. „Ich finde nur, dass jeder das gleiche Recht haben sollte, diese Ausbildung anzufangen.“