Volksabstimmung

Vattenfall-Chef warnt vor Rückkauf des Berliner Stromnetzes

Vor der Volksabstimmung zum Rückkauf des Stromnetzes geht Energieversorger Vattenfall in die Offensive. Deutschland-Chef Hatakka wirbt mit der Qualität und bezweifelt den Sinn landeseigener Stadtwerke.

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Zehn Wochen vor der Volksabstimmung über die künftige Stromversorgung in Berlin hat der Netzbetreiber Vattenfall Zweifel am Nutzen von Berliner Stadtwerken angemeldet. Der Geschäftsführer des schwedischen Energiekonzerns in Deutschland, Tuomo Hatakka, sagte am Mittwoch, es müsse die Frage gestellt werden, was der Mehrwert landeseigener Stadtwerke wäre.

Es gebe bereits heute rund 300 Stromanbieter auf dem Endkundenmarkt in Berlin. Stadtwerke wären lediglich ein Wettbewerber mehr, stellte der Manager fest.

Zugleich warb Hatakka bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) um Vertrauen für die Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin. Sie habe in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet. Das zeige sich etwa an der geringen Stromausfalldauer, die bei zwölf Minuten pro Kopf und Jahr liege und damit drei Minuten unter dem Bundesdurchschnitt.

Berliner stimmen über Rückkauf ab

Die Berliner können am 3. November in einem Volksentscheid über den Rückkauf des Stromnetzes durch das Land und die Gründung von Stadtwerken abstimmen.

Hatakka wies darauf hin, dass über den Netzbetrieb ab dem Jahr 2015 derzeit in einem Konzessionsvergabeverfahren entschieden werde. Er stellte die Frage, wozu ein Volksentscheid gut sei, der „über das Stromnetz nicht entscheiden kann und über ein Stadtwerk nicht entscheiden muss“.

Unabhängig vom Ausgang der Volksabstimmung sei Vattenfall für Beteiligungsmodelle offen: „Unser Angebot steht. Wir sind weiterhin zu einer Zusammenarbeit mit dem Land Berlin bereit.“

Vorbild könnte die Hansestadt Hamburg sein. Dort gehört das Stromnetz zu 74,9 Prozent Vattenfall und zu 25,1 Prozent dem Land. Am 22. September stimmen aber auch dort die Bürger ab, ob sich Hamburg um den kompletten Rückkauf bemühen soll.