Berlin-Westend

Spurensuche nach Mord an Steuerberater geht weiter

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Kriminaltechniker waren noch einmal in Berlin-Westend auf Spurensuche. Dort war der 49-jährige Ingo W. am Montag von sechs Schüssen getroffen und tödlich verletzt worden.

Nach dem Tötungsverbrechen an dem Steuerberater Ingo W. im Charlottenburg-Wilmersdorfer Ortsteil Westend laufen die Ermittlungen des Landeskriminalamtes weiter auf Hochtouren.

Am Mittwochmorgen waren erneut Kriminaltechniker im zweiten Obergeschoss des gediegenen Altbaugebäudes auf Spurensuche, wo der 49-Jährige am Montagnachmittag von sechs Schüssen getroffen und tödlich verletzt wurde. Die dort gelegene, gemeinsam vom Ehepaar W. betriebene Anwalts- und Steuerberatungskanzlei war nach dem blutigen Anschlag versiegelt worden.

Sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft halten sich mit Angaben zum Stand der Ermittlungen bedeckt. So gibt die Staatsanwaltschaft keine Auskunft darüber, ob das Opfer selbst im Besitz einer oder mehrerer Schusswaffen war oder eine entsprechende Erlaubnis dafür besaß. Die Tatwaffe ist weiterhin nicht aufgefunden worden, hieß es am Mittwoch.

Gleichzeitig haben Medienvertreter in Erfahrung gebracht, dass Ingo W. als Jäger durchaus über Waffen verfügt haben dürfte. Offenbar wollen die Ermittlungsbehörden unbedingt vermeiden, dass die Preisgabe von Täterwissen die Ermittlungen gefährdet.

Gegen die beiden 18 und 16 Jahre alten Söhne des Opfers werde weiter ermittelt, so die Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Die bisherigen Erkenntnisse der 5. Mordkommission nach deren Vernehmung waren nicht ausreichend gewesen, um einen Haftbefehl zu erlassen. Nach Morgenpost-Informationen war die Untersuchung auf Schmauchspuren an Körper und Kleidung der Söhne negativ ausgefallen.

Tim und Manuel L. (Namen geändert) waren am Dienstag – einen Tag nach ihrer Festnahme – ohne Auflagen entlassen worden. Allerdings gebe es auch Mittel und Wege, eine Schusswaffe zu benutzen, ohne dass anschließend solche Spuren nachweisbar sind. Etwa durch das Tragen von Handschuhen, die rechtzeitig entsorgt werden oder aber wenn durch eine Plastiktüte geschossen wird.

Familiendrama vermutet

Wer könnte ein Motiv für eine derart brutale Tat gehabt haben? Weder wurde etwas geraubt, noch scheint eine Erpressung als Hintergrund wahrscheinlich. Derzeit scheint sich in den Konflikten innerhalb der wohlhabenden Familie ein Anhaltspunkt dafür zu ergeben, dass es sich bei dem Mord tatsächlich um ein Familiendrama handeln könnte. Die Eltern der in Verdacht geratenen Söhne hatten sich offenbar auseinandergelebt. An einem Rückzugsort, einer Gartenlaube nördlich des Spandauer Damms, wurde das Ehepaar seit längerer Zeit auch nicht mehr gesehen, berichten Nachbarn.

Wegen massiver Eheprobleme soll Ingo W. zuletzt nicht mehr bei Frau und Kindern gelebt und eine Scheidung angestrebt haben. Auch der Wunsch des Abiturienten Tim L. (Name geändert)., statt in Berlin lieber in Frankreich leben und studieren zu wollen – was beim Vater auf strikte Ablehnung gestoßen sein soll – spricht für die großen Konflikte innerhalb der Familie.

( pol/plet )