Religion

Orthodoxe Juden planen Bildungscampus in Berlin

Ein Jüdischer Campus in Wilmersdorf soll zu einem neuen Zentrum jüdischen Lebens in Berlin werden. Doch der Kauf des Grundstücks ist noch nicht gesichert.

Foto: © nps tchoban voss

Rabbiner Yehuda Teichtal hat eine Vision. Der Direktor des Zentrums Chabad Lubawitsch will einen neuen jüdischen Begegnungs- und Bildungscampus schaffen.

Chabad Lubawitsch ist eine Organisation, die im Rahmen der Jüdischen Gemeinde arbeitet, aber unabhängig ist. Gleich auf dem benachbarten Wilmersdorfer Grundstück an der Münsterschen Straße 6, wo die Vereinigung seit 2007 beheimatet ist, soll der Campus entstehen.

Dort sollen Menschen – unabhängig von ihrem Glauben - gemeinsam lernen und spielen, sich sportlich betätigen und ihre Freizeit kreativ gestalten können. Teichtal stellt sich eine Ort des Feierns, der Begegnung und der Gemeinschaft vor. Nötig ist die Erweiterung auch, weil in der deutschlandweit ersten staatlich genehmigten jüdischen Traditionsschule am Spandauer Damm der Platz nicht mehr ausreicht. „Wir mussten zum ersten Mal rund zehn Kindern im Kindergarten absagen“, sagt Teichtal.

Die Baupläne aus dem Architekturbüro „nps tschoban voss“ sind weit fortgeschritten. Glasierte blaue Terrakottaziegel akzentuieren außen die geschwungenen Formen des Gebäudes. Entstehen sollen dort eine Kita, Grundschule, Gymnasium, Sporthalle, Bibliothek und ein Jugendclub. Rund zehn Millionen Euro werde der Neubau voraussichtlich kosten, berichtet Architekt Frederik S. Scholz aus dem Büro „nps tchoban voss“.

Grundstücksankauf ist noch nicht entschieden

Architekt Sergei Tchoban hatte auch das jetzige Haus an der Münsterschen Straße für die jüdisch-orthodoxe Vereinigung zu einem Bildungs- und Familienzentrum mit Synagoge umgebaut und sogar eine Nachbildung der Jerusalemer Klagemauer mit Originalsteinen aufgebaut. Das neue Gebäude soll durch Spenden finanziert werden. Die Lotto-Stiftung hat 1,5 Millionen Euro zugesagt.

Voraussetzung, das Projekt in dieser Größe umzusetzen, ist der Grundstücksankauf. Und der ist noch nicht entschieden. Teichtal hofft, dass die Deutsche Rentenversicherung Bund, der das Areal an der Brandenburgischen Straße 53 gehört, den Zuschlag nicht zwingend an den Meistbietenden vergibt, sondern auch die Pläne berücksichtigt. Für den Grundstückskauf hat sich Teichtal mit einer Baufirma zusammengeschlossen.

Wie die Rentenversicherung auf Anfrage mitteilte, liegt die Zahl der Interessenten für das Grundstück im unteren zweistelligen Bereich. „Wir sind verpflichtet, das Grundstück unter Berücksichtigung des Wirtschaftlichkeitsgrundsatzes zu veräußern“, teilte Pressereferent Andreas Feuser mit. Die Rentenversicherung rechne mit dem Abschluss des Kaufvertrags noch in diesem Jahr.

Sollte der Grundstücksankauf nicht klappen, gebe es einen Alternativplan mit einer kleineren Version des Campus, sagt der Architekt. Teichtal hofft jedoch, dass die größere Variante in Erfüllung geht.

Chabad Lubawitsch ist eine im 18. Jahrhundert in Russland gegründete Bewegung innerhalb des orthodoxen Judentums, die sich besonders dem Studium der Heiligen Schrift und der Mystik verschrieben hat. Weltweit ist Chabad in rund 70 Ländern vertreten. Der Name „Chabad“ steht für die Anfangsbuchstaben der hebräischen Worte Weisheit, Einsicht und Wissen. „Lubawitsch“ verweist auf den Ursprungsort der Bewegung in Weißrussland.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat derzeit nach eigenen Angaben rund 10.000 Mitglieder. Hinzu kommen in der Hauptstadt nach Medienberichten bis zu 20.000 Menschen jüdischen Glaubens aus Israel, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern.

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