Fremdenfeindlicher Übergriff

Gewaltopfer erhebt schwere Vorwürfe gegen S-Bahn-Mitarbeiter

Im S-Bahnhof Waidmannslust sollen zwei junge Männer auf einen 55-Jährigen eingeschlagen haben. Nach Opfer-Angaben sollen zwei S-Bahn-Mitarbeiter tatenlos zugesehen und jede Hilfe verweigert haben.

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Ein 55 Jahre alter Mann hat schwere Vorwürfe gegen zwei S-Bahn-Mitarbeiter erhoben. Die beiden sollen tatenlos zugesehen haben, wie er von zwei jungen Männern am S-Bahnhof Waidmannslust in Berlin-Reinickendorf verprügelt und rassistisch beleidigt wurde. Sie sollen auch keine Anstalten gemacht haben, die Angreifer festzuhalten und der Polizei zu übergeben.

Das mutmaßliche Opfer, ein Mitglied der türkischen Vätergruppe des Vereins Aufbruch Neukölln, will nun Strafanzeige gegen die beiden S-Bahn-Mitarbeiter stellen. "Ihr Verhalten ist für mich genauso verwerflich wie das der Angreifer", sagte Alisan Genc der Berliner Morgenpost.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum vergangenen Sonnabend am S-Bahnhof Waidmannslust und ist bei der Polizei bereits bekannt. Gegen die beiden mutmaßlichen 19 und 25 Jahre alten, alkoholisierten Angreifer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Wegen ihrer angeblich fremdenfeindlichen Motivation hat der Staatsschutz den Fall an sich gezogen.

"Wir werden gar nichts tun"

Nach Angaben von Alisan Genc beobachteten er und seine 50 Jahre alte Ehefrau gegen 1.25 Uhr, wie zwei junge Männer einen dritten zusammenschlugen, der sich nicht wehrte. Genc habe die beiden Männer aufgefordert, vom Opfer abzulassen. Daraufhin sollen sie ihn bepöbelt und mit Faustschlägen traktiert haben. Er habe sich ebenfalls mit Schlägen zur Wehr gesetzt.

Nach einigen Minuten seien dann die beiden S-Bahn-Mitarbeiter aufgetaucht. Statt dazwischenzugehen, sollen sie die Angreifer aufgefordert haben abzuhauen und zu Genc gesagt haben, er solle aufhören zu schreien. Genc habe die Mitarbeiter daraufhin gebeten, die Angreifer aufzuhalten und die Polizei zu holen. "Wir werden gar nichts tun", soll einer der Mitarbeiter entgegnet haben. Als Genc nach dem Namen der Angestellten fragte, sollen sie entgegnet haben, sie seien namenlos.

Kurz darauf sollen die zwischenzeitlich geflüchteten Angreifer auf den Bahnhof zurückgekehrt sein und ihn erneut geschlagen haben. Dabei sollen sie gesagt haben: "Wir müssen unser Vaterland gegen Ausländer und Juden verteidigen." Die S-Bahn-Mitarbeiter sollen weiter tatenlos zugesehen haben. Als Genc eine Bierflasche ergriff, um sich zur Wehr zu setzen, sollen sie ihn aufgefordert haben, die Flasche abzustellen. Als er dies tat, seien die Angreifer erneut auf ihn losgegangen. Nach einer Weile seien Bundespolizisten aufgetaucht und hätten die Schlägerei beendet.

Genc trug Schürfwunden davon und klagte über Kopfschmerzen. Seine Frau erlitt einen Schock. Beide wurden im Krankenhaus behandelt. Die beiden mutmaßlichen Angreifer erlitten Schürf- und Bisswunden, lehnten ärztliche Hilfe jedoch ab. Die S-Bahn wollte sich mit Verweis auf die polizeilichen Ermittlungen nicht äußern. Aufzeichnungen einer Überwachungskamera gibt es nicht.

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