Sanierung

Sterne-Stopp am "Boulevard der Stars" in Mitte

Einst gefeiert, dann häufig wegen Schmuddeligkeit geschmäht: Auf dem „Boulevard der Stars“ wird an die Großen der Filmbranche erinnert. Jetzt soll es aber erst mal keine weiteren Sterne geben.

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Auf dem "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz werden vorerst keine weiteren Filmkünstler mit neuen Sternen geehrt. Die geplante Verlegung neuer Plaketten verschieben die Initiatoren auf 2014. Das gab die Geschäftsführerin der Boulevard der Stars (BdS) gGmbH, Georgia Tornow, gemeinsam mit Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) und der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher (SPD) am Donnerstag bekannt.

"In der Tat haben wir ein Problem, das auch mich als Baustadtrat auf den Plan ruft", sagte Spallek. Denn dem Roten Teppich fehle die Strahlkraft, die den derzeit mit Sternplaketten verewigten 81 Stars angemessen wäre. "Der rote Belag verblasst. Und die Reinigungsfähigkeit stellt uns vor enorme Probleme." Zudem, klagte der Stadtrat aus Mitte, verblasse das satte Rot durch die Sonne, das Material löse sich und bröckele unter den Schritten der Besucher und Passanten. Da ein solches unglamouröses Bild nicht den Vorstellungen von einem "Boulevard der Stars" in Berlins Mitte entspricht, testen die Verantwortlichen nun auf öffentlich nicht zugänglichen Musterflächen Farben und Materialien, die weniger sensibel auf Witterung und Mensch reagieren.

Ungeklärt bleibt vorerst, wer die geplante Neugestaltung bezahlt. "Wir befinden uns derzeit in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit der Firma, die die aktuelle Farbe aufgebracht hat", sagte Spallek. Mittes Baustadtrat befürchtet, dass die "Ausführung der Arbeiten nicht angemessen gewesen ist und dadurch die Mängel entstanden sind". In die Debatte um den Rechtsstreit schaltete sich auch Senatsbaudirektorin Lüscher ein. Sie nahm die verantwortlichen Architekten vom Büro Graft in Schutz, das den Berliner "Walk of Fame" vor drei Jahren geplant hatte. "Es kann durchaus sein, dass alles richtig ausgeschrieben wurde, die zuständige Firma dann aber nicht fachgerecht arbeitete", sagte Lüscher. Bei der Auseinandersetzung geht es um einen Streitwert in sechsstelliger Höhe.

Geplant sind zehn neue Sterne

"Ich persönlich war sehr zerknirscht und fertig, als ich von der Verschiebung gehört habe", sagte Georgia Tornow, Geschäftsführende Gesellschafterin der BdS. Planmäßig sollten am 9. September zehn neue Sterne feierlich in den roten Boden eingelassen werden – unter anderem für Regisseur Tom Tykwer ("Das Parfüm") und die Schauspieler Hannelore Elsner und Christoph Waltz. Traditionell verlegt die Gesellschaft seit der Eröffnung des Boulevards der Stars im Jahr 2010 immer Anfang September neue Sterne, welche die Leistung bekannter Filmakteure würdigen sollen. Kurz darauf feiert die nationale Branche auf der Medianight ihre Stars und sich selbst.

"Erst die Ankündigung und jetzt die Rolle rückwärts", sagt Georgia Tornow, dass sei ihr natürlich schwer gefallen. Die Schauspieler habe sie schnellstmöglich per Post und telefonisch informiert. Vielen sei die Verschiebung auf das kommende Jahr aber gar nicht ungelegen gewesen. "Sie sagten: Dann machen wir es eben nächstes Jahr". Details über die genauen Kosten konnte keiner der Verantwortlichen nennen. Rund 230.000 Euro habe die letzte große Erneuerung gekostet, sagte Tornow. Das Geld kam von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Damit finanzierten die Initiatoren jedoch auch Kameras, Beleuchtung, Infotafeln – und eine aufwendige Reinigung, die allein etwa 30.000 Euro kostete.

Zum Zeitplan sagte Spallek, dass die neue Farbe frühestens Ende August auf dem Boulevard getestet werde. Langfristig ist die Zukunft des Boulevards, der insgesamt mehr als 1,8 Millionen Euro kostete, ungewiss. Auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße soll nach Plänen der Senatsverwaltung einmal die Straßenbahn fahren. "Der Bau wird aber nicht vor 2020 beginnen", sagte Lüscher.

Neue Sterne auf dem „Boulevard der Stars”
Video: BMO
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