Sommergewitter

Unwetter in Berlin - Die Stadt kämpft gegen die Fluten

| Lesedauer: 5 Minuten
Thomas Fülling

Ein heftiges Unwetter hat Berlin am Dienstagabend einmal mehr unter Wasser gesetzt. In Minuten liefen Straßen und Keller voll. Feuerwehr und Wasserbetriebe sind regelrecht machtlos.

Das Szenario ist stets gleich: Am Tage ist es schwül und drückend heiß, am Abend fängt es an zu blitzen und zu donnern. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit öffnet der Himmel dann seine Schleusen und die Regengüsse brechen über die aufgeheizte Stadt herein.

In Minuten sind Straßen und Plätze überspült, U-Bahnhöfe und Hausflure stehen unter Wasser. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz, allein in der Nacht zu Dienstag musste sie 250 Mal in Berlin ausrücken, um umgestürzte Bäume wegzuräumen oder vollgelaufene Keller auszupumpen.

Doch an einigen Stellen sind die Männer regelrecht machtlos. Unter einigen Brücke und in Straßensenken sammelt sich in kürzester Zeit so viel Wasser, dass keine Feuerwehrpumpe dagegen etwas auszurichten vermag. Dazu zählen etwa die Bahnunterführungen am Prellerweg in Schöneberg (nahe S-Bahnhof Priesterweg), am U-Bahnhof Spichernstraße in Wilmersdorf oder am S-Bahnhof Tempelhof.

Auch unter den Yorckbrücken in Schöneberg (S- und U-Bahnhof Yorckstraße) und auf der Drakestraße nahe den S-Bahnhof Lichterfeld-West steht regelmäßig das Wasser. Geradezu apokalyptisch ist regelmäßig die Lage auf dem Sachsendamm in Schöneberg, wo Feuerwehrleute teilweise bis zu den Hüften im Wasser stehen, um in den unter der Brücke abgestellten Autos nach eingeschlossenen Insassen zu schauen.

Weitere Gewitter drohen

Auch für die Nacht zu Donnerstag haben die Meteorologen wieder teilweise kräftige Gewitter in der Region vorhergesagt. Der Deutsche Wetterdienst in Potsdam rechnet erneut mit schweren Sturmböen und starken Regengüssen, bei denen innerhalb kurzer Zeit 15 Liter Wasser je Quadratmeter fallen.

Naturgemäß sucht sich das Wasser den Weg nach unten, fließt in Sturzbächen – wie zu Wochenbeginn am Walther-Schreiber-Platz – in offene U-Bahn-Eingänge oder sammelt sich eben in den Bahnunterführungen. Das teilweise mehr als 100 Jahre alte Regenwasserkanalsystem der Stadt scheint da oft hoffnungslos überfordert.

Was allerdings nicht allein einen Folge des Bauzustands und des Kanaldurchmessers, sondern auch eine Frage der Technologie ist. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) kümmern sich im Auftrag des Senats um die Regenwasserentsorgung. Sprecherin Astrid Hackenesch-Rump erinnert daran, dass „es gerade in vielen Innenstadtbereichen noch das von James Hobrecht im 19. Jahrhundert angelegte Mischsystem gibt“.

Dabei fließt das Regenwasser über Gullys in die selben Kanäle, über die auch die Abwässer der Haushalte in die Klärwerke abgeleitet werden. Das Problem: Diese Kanäle sind nicht für die Wassermengen dimensioniert, die bei Starkregen in kürzester Zeit anfallen. „Es macht auch kein Sinn, dies baulich groß zu verändern“, sagt die BWB-Sprecherin.

Regenguss stört auch Klärwerk

Denn ein größerer Kanal-Durchmesser würde dazu führen, dass sich an normalen Tagen die Fließgeschwindigkeit der Abwässer spürbar verringert. „Das riecht dann nicht nur unangenehm, die aggressiven Abwässer setzen auch den Leitungen stärker zu. Was uns also bei Starkregen hilft, fällt uns bei normalem Wetter auf die Füße“, beschreibt Hackenesch-Rump das Dilemma der Wasserbetriebe.

Die müssen auch noch ein zweites Problem verkraften. Starke Regengüsse können auch das Gleichgewicht der Mikroorganismen aus dem Lot bringen, die in den Klärwerken die Abwässer reinigen. „Wenn zu viel Wasser auf einmal kommt, arbeiten die nicht mehr so schön“, sagt Hackenesch-Rump.

Deutlich besser werden Unwetter und Starkregen hingegen durch das vor allem in den Außenbezirken Berlins übliche Trennsystem verkraftet. Dabei wird das eigentlich ziemlich saubere Regenwasser über separate Kanäle nicht in die Klärwerke, sondern auf Grünflächen abgeleitet, wo sie in den Boden versickern können.

Die ersten Trennsysteme wurden schon bei der Errichtung der Gartenstadt Frohnau vor gut 100 Jahren angelegt. Inzwischen sind die auch für die Neubauvorhaben in der Stadt Standard. So sind etwa bei Europacity nahe dem Hauptbahnhof auch größere Versickerungsflächen mit eingeplant.

Auch für die Seen unter den Bahnbrücken gibt es eine Lösung. „Es kommt darauf an, viel Wasser schnell abzuleiten“, sagt Hackenesch-Rump. Dies gelinge etwa mit kleinen Hebewerken unterhalb der Gullys, die das Regenwasser in die oft höher gelegenen Leitungen pumpen. Diese Technik wird seit Kurzem in der Schlichtallee in Rummelsburg eingesetzt. In der tiefen Bahnunterführung stand bei Starkregen das Wasser regelmäßig so hoch, dass die wichtige Verbindung für Autos sofort unpassierbar war.

Allerdings: Gerade im Sommer werden die Unwetter oft auch von starken Böen begleitet, die Äste, Gestrüpp und auch Unrat durch die Gegend wirbeln. Die wiederum können in kurzer Zeit die Gullys verstopfen. „Ein Restrisiko bleibt“, so die Sprecherin der Wasserbetriebe.

Mehr Informationen zu Unwetterwarnungen finden Sie >>> HIER <<<