Nahverkehr

Abgebrannter U-Bahnhof Dahlem-Dorf bekommt wieder ein Reet-Dach

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Thomas Fülling

Foto: Marion Hunger

Vor einem Jahr brannte das Reetdach des denkmalgeschützten Bahnhofs ab. Ab Montag wird es neu gedeckt, aber nicht mit Schilfrohr, sondern Kunststoff. Eine Frage von Kosten und Sicherheit, sagt die BVG.

Das Empfangsgebäude des U-Bahnhofs Dahlem-Dorf wird jetzt wieder den gewohnten Wetterschutz bekommen. Von kommenden Montag (15.7.) an lassen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus neu mit Reet eindecken.

Die Nutzer der U-Bahn-Linie 3 (Nollendorfplatz–Krumme Lanke) müssen jedoch wegen der Bauarbeiten in den nächsten zwei Wochen mit Einschränkungen und einer deutlich längerer Fahrzeit rechnen. Jeweils montags bis freitags in der Zeit von 9 bis etwa 13 Uhr fahren die Züge auf der U3 nur zwischen Nollendorfplatz und Breitenbachplatz im gewohnten Fünf-Minuten-Takt. Zwischen Breitenbachplatz und Thielplatz sowie zwischen Thielplatz und Krumme Lanke fahren Pendelzüge, allerdings nur im Abstand von 15 Minuten. Im Bahnhof Thielplatz müssen die Fahrgäste zudem umsteigen. Am Wochenende fahren die Züge allerdings wie gewohnt durch. Die Arbeiten dauern laut BVG voraussichtlich 26. Juli.

Das reetgedeckte Dach des Bahnhofsgebäudes war vor gut einem Jahr bei einem Brand vollständig zerstört worden. Das Feuer war am 28. April 2012 gegen 2 Uhr morgens ausgebrochen. 60 Feuerwehrleute waren im Löscheinsatz. Der Zugverkehr war tagelang unterbrochen. Wegen des Verdachts der Brandstiftung nahm anschließend die Kriminalpolizei Ermittlungen auf.

Zum Neueindecken des Holzdaches des Bahnhofsgebäudes wird nun jedoch kein natürlich gewachsenes Schilfrohr verwandt, sondern Kunststoff. „Das Material ist nicht nur preiswerter zu bekommen, ist hat auch den Vorzug, dass es nicht so schnell entflammbar ist“, begründete BVG-Sprecher Klaus Wazlak die Abweichung von der historischen Gestaltung. Äußerlich soll der Unterschied nicht erkennbar sein, auch die Denkmalschutzbehörde habe dem zugestimmt, so Wazlak. Die Renovierungsarbeiten kosten rund 80.000 Euro. Ursprünglich war die BVG nach dem Brand von Schäden in Höhe einer halben million Euro ausgegangen.

„Schönster U-Bahnhof Europas“

Der Bahnhof Dahlem-Dorf gilt als einer der schönsten im gesamten Berliner U-Bahn-Netz. Der Bahnhof an der Königin-Luise-Straße ging wie die anderen Stationen der Wilmersdorf-Dahlemer-Schnellbahn am 12. Oktober 1913 in Betrieb. Um den Bezug zur gegenüberliegenden Freilandmuseum Domäne Dahlem herzustellen, wurde das Bahnhofsgebäude im Stile eines norddeutschen Gutshauses als reetgedecktes Fachwerkhaus errichtet. Das Hauptgebäude wird von dabei zwei pavillonartigen Nebenflügeln eingefasst. Der Zugang zum Bahnhof erfolgt durch zwei schmiedeeisern beschlagene Holztüren. Das Holzdach wurde mit Schilfrohr (norddeutsch: Reet) eingedeckt. 1987 wurde die so gestaltete Station in Japan sogar zum schönsten U-Bahnhof Europas gewählt. Die Station wird auch von vielen Studenten der Freie Universität genutzt, die in Dahlem ihren Hauptstandort hat

Bereits im Dezember 1980 hatte ein Brand schwere Schäden am Bahnhof Dahlem-Dorf angerichtet. Die Station wurde anschließend nach historischen Plänen wiederaufgebaut.