Bahnverkehr

Empfangsgebäude für Bahnhof Gesundbrunnen verzögert sich

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Thomas Fülling

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Die Arbeiten am Empfangsgebäude für den Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen wurden kurz nach Beginn gestoppt. Nun wurde bekannt, dass die Betonplatte über den Gleisen nicht stabil genug für einen Aufbau ist.

Auf dem Hanne-Sobek-Platz vor dem Bahnhof Gesundbrunnen im Berliner Bezirk Mitte knattern die Presslufthämmer. Es sind Vorarbeiten für den Bau des dort bereits seit Jahren geplanten Bahnhofsgebäudes.

Eigentlich wollten die Bauarbeiter längst viel weiter sein. Bereits im Januar hatten sie fast den gesamten Platz zwischen den Bahnhofstreppen und der Badstraße mit Bauzäunen abgesperrt. Doch dann stockten plötzlich die Arbeiten. Sehr zum Ärger vieler Anwohner und Fahrgäste, die beispielsweise seit Monaten die Aufzüge zu den unter dem Platz liegenden Bahnsteigen nicht mehr nutzen können, weil die Zugänge zu ihnen hinter den Absperrungen liegen. Es sei zu „Verzögerungen im Bauablauf“ gekommen, hieß es damals vonseiten der Bahn. Die Ursachen dafür blieben zunächst unklar.

Platte muss aufgemeißelt werden

Nun stellte sich heraus: Die Arbeiten kommen nicht voran, weil die riesige Betonplatte über den Gleisen, die etwas euphorisch den Namen des einstigen Hertha-Stars Hanne Sobek trägt, für größere Aufbauten nicht stabil genug ist. „Die statischen Voraussetzungen reichen nicht aus“, bestätigte am Montag ein Bahnsprecher. Nun wird mit großem Aufwand erst einmal der gesamte Platz aufgemeißelt, um Estrich und Untergrundbeton zu entfernen. Etwa drei Wochen werden diese Arbeiten voraussichtlich noch dauern. Danach soll die Platte so wieder aufgebaut werden, dass sie die geplante 6000 Quadratmeter große Empfangshalle aus Stahl und Glas später auch tragen kann.

Die unzureichende Tragfähigkeit der Gründungsplatte aus Beton überrascht. Denn ursprünglich war für den Anfang des neuen Jahrtausends neu gebauten und 2006 eröffneten Fern- und S-Bahnhof Gesundbrunnen sogar ein viel größeres Empfangsgebäude geplant. Ganz der heutigen Vermarktungsstrategie der Deutschen Bahn entsprechend, sollte dort eine Art Einkaufscenter mit Gleisanschluss entstehen wie bei vielen anderen Bahnhofsneubauten. Doch in Gesundbrunnen war der Shoppingcenter-Gigant ECE schneller, die Hamburger Firma errichtete unmittelbar neben dem Bahnhof das Gesundbrunnen Center.

Die Bahn-Manager fanden hingegen keinen privaten Investor für ihr Gebäude, das Projekt wurde gestoppt. Der Bahnhof Gesundbrunnen erlangte daraufhin traurige Berühmtheit als deutschlandweit einziger ICE-Halt, der kein eigenes Empfangsgebäude hat. Erst nach erheblichem politischem Druck entschied sich die Bahn-Tochter DB Station & Service doch noch, ein Zugangsgebäude für den Bahnhof Gesundbrunnen zu bauen – allerdings in deutlich abgespeckter Form. Doch erst nachdem die Pläne für das sieben Millionen Euro teure Gebäude fertig waren, stellte sich offenbar heraus, dass die Bahnhofsplatte für die dafür nötigen Fundamente – wie es heißt – „nicht geeignet“ ist.

Fristen für Regress abgelaufen

Ob Planungsfehler oder möglicherweise Baumängel die Ursache dafür sind, bleibt unklar. „Die Schuldfrage ist Gegenstand von Untersuchungen“, sagte der Bahnsprecher lediglich. Allerdings seien die Fristen für Regressforderungen abgelaufen. Unklar bleibt auch, welche Mehrkosten durch die zusätzlichen Arbeiten und die Bauverzögerungen entstehen. Die Bahn bezifferte die Kosten für das geplante Empfangsgebäude mit mehr als sieben Millionen Euro.

Für Anwohner und Reisende bedeutet dies, vorerst weiter teils erhebliche Behinderungen im Bahnhofsumfeld in Kauf nehmen zu müssen. Zumindest der Zugverkehr soll durch die Arbeiten nicht behindert werden, verspricht die Bahn. Über den weiteren Terminplan für den Bau des Bahnhofsgebäudes will das Unternehmen später informieren. Die Arbeiten dafür sollen aber „so schnell wie möglich beginnen“, sagte der Bahnsprecher. An eine Eröffnung Anfang 2014 glaubt indes kaum jemand mehr.