Herta Heuwer

Currywurst - Google ehrt Berliner Erfinderin zum 100.

Die Currywurst ist eine Berlinerin. Herta Heuwer hat die grundsolide Köstlichkeit 1959 beim Deutschen Patentamt angemeldet. So könnte das Originalrezept ausgesehen haben.

Foto: Adam Berry / Getty Images

Herzlichen Glückwunsch, Herta Heuwer!, kann man an diesem Sonntag ruhig mal sagen. Das findet auch Google. Die Suchmaschine widmet ihr an diesem Sonntag ihr „Doodle“. Das Google-Logo erscheint als eine Schale mit Currywurst und Pommes. Herta Heuwer hat die Currywurst erfunden, natürlich in Berlin, wo sie seither einen sagenhaften Aufstieg hingelegt hat: Die Currywurst ist das Berliner Gericht schlechthin.

Mit Erfindungen ist es ja so eine Sache, häufig tüfteln an unterschiedlichen Orten verschiedene Menschen an einer ganz ähnlichen Idee. Das war bei Glühbirne, Telefon und Atombombe nicht anders. Aber sicher ist, dass Herta Heuwer ihre spezielle Soßenrezeptur mit einem Vermerk vom 15. Januar 1959 zum 21. Januar 1959 unter der Bezeichnung „Chillup“ beim Deutschen Patentamt unter der Nummer 721319 registrieren ließ. Darauf bezieht sich Google und erinnert anlässlich des 100. Geburtstages von Herta Heuwer gern daran.

„Chillup“, das klingt modern und nach Start-up. Man kann sagen, der Name griff dem Erfolg der Currywurst in Berlin weit voraus, sie wurde schnell zum Klassiker. Bereits am 4. September 1949 will Herta Heuwer an ihrem Imbiss-Stand an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße in Charlottenburg gebratene Brühwurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver, Worcestershiresauce und weiteren Zutaten angeboten haben.

Das klingt hier noch etwas kompliziert. Beim Namen Currywurst hingegen hat jeder sofort den Geschmack auf der Zunge. So wurde sie zu einer kulinarischen Institution Berlins, zu einem identitätsstiftenden Beitrag zur deutschen Küche. Dass das Gericht gerade zu Berlin so gut passt, mag mit seiner Natur zusammenhängen: Die Currywurst ist - ganz wie Berlin - eine verdammt ehrliche Haut. Und das unabhängig davon, ob man sie „mit“ oder „ohne“ (Darm) bestellt. Sie hält, was sie verspricht, am Imbiss, in der Kantine, im Hotel Adlon. Eine Currywurst schmeckt verlässlich gut.

Gern genommen übrigens mit ihrem kongenialen Partner „Pommes Schranke“, also Pommes Rot-Weiß, siehe Google-Doodle.

Das Rezept sollte Heuwer 1999 mit ins Grab nehmen. „Ich habe das Patent – und damit basta. Wer etwas anderes behauptet, der hat einen Stich“, sagte sie zeitlebens. Auch in Hamburg will man die Currywurst nämlich erfunden haben. Wer aber den Namen der Hansestadt hört, der denkt dabei doch eher an Fischbrötchen. Die Currywurst ist eine Berlinerin.

„Originalrezepte“ kursieren viele

Natürlich kursieren zahlreiche angebliche Originalrezepte, die von Herta Heuwer stammen sollen. Folgendes vom Onlineportal Chefkoch.de klingt zumindest plausibel:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 daumengroßes Stück Sellerie
1 Tasse kochendes Wasser
200 gr. Tomatenmark
150 gr. Tomatenketchup
1 EL Senf
220 gr. flüssiger Honig
1/2 TL Chilipulver
1/2 TL Cumin
1/2 TL Korianderpulver
1/2 TL gemahlene Senfkörner
1/2 TL Fenchel gemahlen
1 EL Kurkuma
1 TL Salz
1 EL Essig
125 ml Olivenöl


Zwiebeln und Knoblauch sehr fein hacken, Sellerie fein raspeln, alles in eine Schüssel
geben und mit kochendem Wasser übergießen, abkühlen lassen.
Tomatenmark, Ketchup, Senf und Honig unterrühren, anschließend die Gewürze und
den Essig dazugeben. Mit dem Mixer alles gut verrühren und nach und nach das Olivenöl dazugeben. die Soße unbedingt 2 - 3 Tage im Kühlschrank ziehen lassen.


Die fertige Currywurst mit Madras-Curry bestreuen.

Heuwer beschäftigte zeitweise 19 Verkäuferinnen an ihrem Berliner Imbiss

Heuwer brachte ihre Idee großen Erfolg. Ihr Imbiss zog später in ein Ladenlokal mit Garküche in der Kaiser-Friedrich-Straße 59 in Charlottenburg und beschäftigte zu besten Zeiten 19 Verkäuferinnen. Das ließ Lebensmittelgigant Kraft aufmerken. Der Konzern wollte Heuwer Rezept und Markenrecht abkaufen, aber die hielt an ihrem Berliner Lebenswerk eisern fest. Die Currywurst bleibt selbst in Zeiten amerikanischer Burger und Döner Kebap eine Konstante am Berliner Imbiss. Wer Currywurst isst, der schmeckt Berlin. Dank Herta Heuwer.

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