Elektromobilität

Dienstwagen adé – mit dem E-Bike zum Geschäftstermin

Matthias Kolbeck hat das angebotene Firmenauto ausgeschlagen. Stattdessen fährt er ein neues E-Bike – und kommt bei sommerlichen Temperaturen auch im schwarzen Anzug nicht ins Schwitzen.

Foto: Massimo Rodari

Im ersten Moment war sein Chef schon überrascht. Gerade hatte er Matthias Kolbeck befördert. Jetzt saß der neue Leiter der Unternehmenskommunikation bei Veolia Wasser vor ihm und sagte: „Nein, danke.“ Den Dienstwagen, auf den er nun Anspruch gehabt hätte, wollte er nicht. Lieber ein Fahrrad, genauer gesagt ein Elektrofahrrad, ein sogenanntes Pedelec.

Lange musste Kolbecks Chef nicht nachdenken. Seine Rechnung war einfach: Im November 2012 hatte der Gesetzgeber beschlossen, Dienstfahrräder den Firmenwagen steuerlich gleichzustellen – und billiger als ein Mittelklasse-Auto würde ihn das Gefährt allemal kommen. Kolbecks Rechnung war noch einfacher: „Da habe ich mehr von.“

Er war der erste im Unternehmen, der freiwillig auf das vermeintliche Privileg eines Autos auf Firmenkosten verzichtete. Auch deshalb dauerte es einige Monate, bis alle Formalitäten erledigt waren. Im Mai wurde sein Dienstrad schließlich geliefert. Noch heute sagen einige Kollegen: „Bist du blöd? Man kann doch keinen Dienstwagen ausschlagen.“

Dunkler Anzug - kein Schweißtropfen

Matthias Kolbeck lacht. Er hat seine Entscheidung von Anfang an nicht als Verzicht gesehen. „Seit Jahren mache ich die Erfahrung, dass ich privat und dienstlich mit dem Rad besser in der Stadt unterwegs bin“, sagt er. Mit dem E-Bike habe er nur seine Nutzungsmöglichkeiten erweitert. „Außerdem macht es natürlich einen Heidenspaß.“

Die Vorteile gegenüber dem Auto sind für den Kommunikationsprofi schnell aufgezählt: kein Parkplatzstress, kein Stau, keine teuren Reparaturen. Und die Vorzüge gegenüber den Rädern, mit denen er bisher durch Berlin gefahren ist? Einen davon führt er gleich beim Treffen vor: Kolbeck erscheint im dunklen Anzug – ohne einen einzigen Schweißtropfen auf der Stirn, trotz Sonnenschein.

Nur das neonfarbene Klettband am Hosenbein verrät, dass er per Rad unterwegs gewesen ist. „Früher bin ich auch jeden Tag von Pankow zu meinem Arbeitsplatz geradelt, im Sportdress“, sagt er. „Acht Kilometer Vollgas und dann umziehen.“ In Radlerhose oder gar verschwitzt zum dienstlichen Termin vorzufahren, das sei aber selbstredend tabu. „Dafür bin ich dann doch oft in die S-Bahn umgestiegen“, sagt Kolbeck.

Bei Geschäftsterminen den Akku auf volle Leistung stellen

Dank Elektrounterstützung am Tretlager sind diese Zeiten nun vorbei. „Businesskonform“, sagt Kolbeck, sei die neue Fortbewegung auf zwei Rädern. Im Alltag heißt das: Steht ein Anzug-Termin an, wird der Elektromotor auf volle Leistung gestellt. Geht es mit den zwei Kindern im Anhänger am Wochenende ins Umland, wird mehr gestrampelt.

Ein weiterer Vorteil: Selbst für den nach eigenen Angaben „Allwetter- und Ganzjahresradler“ hat sich der Aktionsradius in der Stadt deutlich erhöht. Weitere Strecken, für die er aus Zeitgründen früher oft die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt hat, lassen sich nun problemlos im Sattel bewältigen – auch, weil der Elektromotor hilft, nach Zwischenstopps an Kreuzungen zügig wieder Fahrt aufzunehmen.

Das Auto als Statussymbol hat ausgedient

20 bis 30 Prozent mehr als zuvor, so schätzt Kolbeck, ist er deshalb nun auf dem Rad unterwegs. Die S-Bahn nutzt er kaum noch. Das alte Auto, das er vor ein paar Jahren von seiner Mutter übernommen hat, wird demnächst abgeschafft. Was mit dem E-Bike nicht zu erledigen ist, dafür wird er dann ein Carsharing-Auto nutzen. Auf die Frage, ob das eigene Auto als Statussymbol in Städten wie Berlin schon ausgedient hat, antwortet er mit einem Wort: „Unbedingt.“

Und der überraschte Chef, die skeptischen Kollegen – was sagen die inzwischen? Ersterer überlegt schon, welche Modelle für die Nutzung von E-Bikes sich im Unternehmen noch verwirklichen lassen. Und die vereinzelte Skepsis ist bei den meisten Kollegen und Mitarbeitern längst Neugier und Sympathie gewichen. „Viele“, sagt Kolbeck, „wollen jetzt eine Probefahrt machen.“