Berlin-Mitte

Polizist erschießt nackten Mann im Neptunbrunnen

Am Neptunbrunnen in Berlin-Mitte ist am Freitagmorgen ein Mann ums Leben gekommen. Der 35-Jährige hatte sich mit einem Messer selbst verletzt und offenbar einen Polizisten bedroht.

Vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte ist am Freitagmorgen ein Mann erschossen worden. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, hatte er zuvor gegen 9 Uhr im Neptunbrunnen nackt mit einem Messer hantiert und sich dabei auch selbst verletzt.

Eine Passantin, die den Mann beobachtet hatte, verständigte daraufhin den Wachschutz im Roten Rathaus, der wiederum die Polizei rief. Sie rückte nach eigenen Angaben mit zwei Einsatzwagen und zwei Rettungsfahrzeugen an.

Zunächst sei der Neptunbrunnen von den Beamten umstellt worden, dann stieg ein Polizist zu dem Mann ins Wasser, um mit ihm zu reden und ihn zu beruhigen. Doch dieser habe sich nach Polizeiangaben das Sägemesser an den Hals gelegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Mann bereits eine Bauchverletzung. Auf die Frage, ob der Mann einen geistig verwirrten Eindruck gemacht habe, hieß es: „Es war kein übliches Verhalten.“

Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, habe der Beamte versucht, dem Mann das Messer abzunehmen. Daraufhin habe dieser jedoch den Polizisten mit dem Messer bedroht und Stichbewegungen in seine Richtung gemacht. Der Bedrohte sei ausgewichen, dabei aber rücklings an die Begrenzungsmauer des Brunnens gestoßen, womit ihm ein weiterer Rückzug plötzlich unmöglich gewesen sei. Er und sein Kollege hätten nun den Angreifer, der weiter auf den Beamten zuging, mehrfach aufgefordert, das Messer fallen zu lassen.

Dieser habe jedoch nicht reagiert. Als er unmittelbar vor dem Beamten gestanden habe - es soll sich um rund 1,5 Meter gehandelt haben, habe der angegriffene Beamte geschossen und den Mann in den Oberkörper getroffen. Der Verletzte brach zusammen und wurde von den Polizisten aus dem Wasser gezogen.

Der Mann redete laut Zeugen „wirres Zeug“

Der Unbekannte erlitt so schwere Verletzungen, dass er trotz der Rettungsversuche eines Notarztes starb. Die Hintergründe seines Verhaltens blieben zunächst unklar. Nach Angaben von Zeugen habe der Mann „wirres Zeug“ geredet, sagte ein Polizeisprecher.

Michele R. (30) aus Prenzlauer Berg war Augenzeuge des Geschehens. Er sagte der Berliner Morgenpost, der glatzköpfige Mann habe sich vor dem Schuss mit einem etwa 20 Zentimeter langen Messer an den Armen und am Hals selbst verletzt. Er habe geblutet.

Polizisten zogen den Mann aus dem Wasser

Zunächst war unklar, ob der Mann an seinen Messerverletzungen oder an der Schusswunde starb. Eine Obduktion ergab jedoch am Nachmittag, dass der Mann einen Lungendurchschuss erlitt und daran starb, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Es spreche einiges für Notwehr des Beamten. Die genauen Umstände würden jetzt geprüft. Der Tote soll nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ein 31 Jahre alter Berliner sein.

Der Bereich um den Neptunbrunnen wurde für die Ermittlungen abgesperrt.

Einen Zusammenhang des Geschehens mit dem Berliner Rathaus, dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), schloss der Polizeisprecher aus. Der Mann habe auch keinerlei politische Forderungen geäußert. Das Rote Rathaus im Bezirk Mitte ist der Wowereits Regierungssitz.