Boomtown Berlin

Zahl der Berlin-Touristen um elf Prozent gestiegen

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Thomas Fülling

Die Hauptstadt liegt immer noch im Trend. Berlin verzeichnet bei Touristen den größten Zuwachs im Vergleich mit anderen europäischen Städten wie Paris oder London.

Berlin ist im Bereich Tourismus die am stärksten wachsende Stadt in Europa. Zu diesem Ergebnis kommt der Städtetourismusverband European Cities Marketing (ECM) in einer aktuellen Studie.

Zwar liegt Berlin mit rund 25 Millionen Übernachtungen in Hotels und Pensionen und insgesamt elf Millionen Besuchern im Jahr 2012 weiter mit deutlichem Abstand hinter den traditionellen Touristenstädten London und Paris. Doch keine europäische Metropole kann auf so hohe Zuwachsraten verweisen wie die deutsche Hauptstadt.

An das kräftige Plus von 11,4 Prozent gegenüber 2011 kam lediglich Hamburg mit einem Besucherzuwachs von 11,1 Prozent heran. Andere Schwergewichte im Städtetourismus wie Rom oder Barcelona wuchsen hingegen nur einstellig oder mussten wie Madrid oder Palma de Mallorca sogar spürbare Einbußen hinnehmen.

„Das besondere Lebensgefühl der weltoffenen Metropole und Trend-Stadt hat sich international herumgesprochen und löst einen einzigartigen Magnetismus aus“, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismusmarketinggesellschaft Visit Berlin.

Außerdem sei dies ein langfristiger Erfolg: So seien die Übernachtungszahlen in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um 8,8 Prozent gestiegen. Die ECM bezeichnet Berlin deshalb als „Boomtown“ im Städtetourismus.

Eine Trendwende ist bislang nicht in Sicht. Im Gegenteil: Trotz eines langen und kalten Winters sind laut Visit Berlin die Übernachtungszahlen im ersten Quartal dieses Jahres um 16,7 Prozent gegenüber 2012 nochmals kräftig gestiegen. Bei den Ankünften in Berlin, die einen Rückschluss auf die absolute Besucherzahl zulassen, fällt das Plus mit 18,7 Prozent noch deutlicher aus.

Jeder Berlin-Besucher gibt 35,70 Euro pro Tag aus

Die Hauptstadt profitiert wirtschaftlich erheblich von dieser Entwicklung. So gibt jeder Berlin-Besucher pro Tag 35,70 Euro in der Stadt aus. „Berlin freut sich, bei den Menschen aus dem In- und Ausland so beliebt zu sein“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). Neben einem einzigartigen Angebot an Kultur und Geschichte würden die Besucher das vielfältige Hotelangebot, die Gastronomie und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis schätzen. Der Erfolg müsse aber täglich erarbeitet werden. „Deshalb verdienen die vielen Menschen, die an dieser Aufgabe mit großem Engagement arbeiten, unseren Respekt und unsere Anerkennung“, sagte Yzer.

Neben den vielen Sightseeing-Attraktionen, den Museen, Theatern und Klubs sind die günstigen Preise für viele Besucher ein wichtiger Grund, nach Berlin zu kommen. Der ECM-Studie zufolge kostet etwa ein Besuch im Berliner Zoo 13 Euro pro Person, europaweit müssten Gäste für einen Zoo-Besuch durchschnittlich 14,20 Euro ausgeben.

Noch deutlicher fällt nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) der Preisunterschied bei den Übernachtungen aus. Mit einem Durchschnittspreis von 82 Euro pro Nacht liegt Berlin weit hinter Zürich (150 Euro), London (139 Euro) oder Paris (127 Euro). Doch gerade bei kleinen und mittleren Hotels fallen die Gewinnspannen schmal aus. „Die City Tax trifft diese Betriebe besonders stark, weil sie ihre Preise nicht so einfach erhöhen können. Eine ganze Branche ist in Gefahr“, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder. Senatssprecher Richard Meng verteidigte die ab 2014 geplante Übernachtungssteuer: „Sie ist ein kleiner Beitrag der Gäste für die vielen Dinge, die wir ihnen in unserer Stadt bieten.“