Potsdamer Platz

Es stinkt - Luxushotel muss Zwangspause einlegen

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Isabell Jürgens

Foto: Christian Gahl

Weil es in den Zimmern und Suiten des „The Mandala“ stinkt, werden alle Rohre erneuert. Zehn Wochen müssen das Premium-Haus und das dazugehörige Restaurant am Potsdamer Platz deshalb schließen.

Für einen Hotelier der Premium-Klasse mit höchst anspruchsvoller Kundschaft hätte es eigentlich nicht schlimmer kommen können: Weil sämtliche Rohrleitungen in dem knapp 15 Jahre alten Gebäude ausgetauscht werden müssen, wird das 5 Sterne plus Hotel „The Mandala“ am Potsdamer Platz für zehn Wochen schließen müssen. Betroffen von der Baumaßnahme sind auch das Gourmetrestaurant Facil im 5. sowie die Wellnessoase Ono-Spa im 11. Stockwerk des Hochhauses.

„Wir haben gerade unsere gesamte Ausstattung bis zum letzten Salzstreuer inventarisiert, denn alles muss ausgeräumt und eingelagert werden“, beschreibt Lutz Hesse, der das Design-Hotel zusammen mit seinem Geschäftspartner Christian Andresen seit 1999 managt, die gewaltige Aufgabe, die vor ihm liegt. Am Montag in einer Woche muss der letzte Gast das Hotel verlassen haben, eröffnet werden soll dann erst wieder am 1. September 2013.

Ruchbar geworden ist das Problem bereits im vergangenen Jahr: „Obwohl die Zimmer tipptopp hergerichtet und ordentlich gelüftet wurden, müffelte es“, sagt Lutz Hesse. Über 157 geschmackvoll und puristisch eingerichtete Studios und Suiten verfügt das Haus, das bis Ende 2005 noch unter dem Namen „Madison“ firmierte. „Es war ein Schock, als wir erfuhren, dass sich die Geruchsbelästigung nur durch den Austausch aller Rohre beheben lässt“, sagt Hesse.

Speziell für komfortable Langzeitaufenthalte konzipiert

Die Jobs der 140 Angestellten seien durch die erzwungene Schließzeit nicht gefährdet. Eine Sanierung während des laufenden Betriebs wäre jedoch nicht möglich gewesen: „Bauarbeiter, die Rohre durchs Haus schleppen, Baulärm und Baustaub – das wäre ruinös“, so Hesse weiter. Wir müssen alles unternehmen, damit unser gutes Renommee nicht leidet“, so der Manager.

Das Hotel, zu dessen Stammgästen etwa Dominic Raacke, Berliner „Tatort“-Kommissar, und Barbara Rudnik gehören, ist ein Suiten-Hotel, das speziell für komfortable Langzeitaufenthalte konzipiert wurde. Jeder fünfte Gast wohnt nach Angaben Hesses mindestens vier Wochen am Stück im Hotel.

Betroffen ist auch das Facil, in dem Küchenchef Michael Kempf seit rund zehn Jahren für die Gäste kocht. Auf seiner Internetseite verabschiedet sich das Restaurant ab dem 21. Juni „in die zehnwöchige Sommerpause“, wie dort zu lesen ist. Kempfs Küche ist bekannt für seine Verwendung von überraschenden Gewürzmischungen, von Wildkräutern und längst vergessenen Gemüsearten.

Sterne-Restaurant Facil blieb von Gerüchen verschont

Mit seinem eigenen Stil erkocht der 36-Jährige sich regelmäßig einen Michelin-Stern. Doch der sei durch die Schließung auch künftig nicht in Gefahr, sagt Kempf: „Ich habe das Michelin-Team frühzeitig informiert, die haben uns für dieses Jahr bereits getestet. “ Zum Glück sei das Restaurant von üblen Gerüchen verschont geblieben. „Es macht jedoch keinen Sinn, den Betrieb auf einer Baustelle aufrecht zu erhalten“, so Kempf. Am 2. September werde man mit dem gleichen Personal wieder eröffnen.

Eine unangenehme Überraschung dürften die Rohrprobleme auch für die Eigentümerin des Hauses, die SEB-Bank, sein. Deren Immobilienfonds hatte 2008 den damals noch als Daimler-City bekannten Komplex aus 19 Gebäuden für 1,4 Milliarden Euro gekauft. Als während der Finanzkrise Anleger massenhaft Kapital abzogen, wurde der Fonds 2010 geschlossen und die Auflösung des Fonds vereinbart. Bis 2017 müssen alle Immobilien veräußert werden. Das Rohr-Debakel kommt da sehr ungelegen.

Bio-Schwefelgase zersetzen Rohre

Gemanagt wird der riesige Komplex durch die von der SEB beauftragte PPMG Potsdamer Platz Management GmbH (PPMG), eine Tochtergesellschaft der ECE. Nach Angaben von Sprecherin Sarah Dederichs wurden die üblen Gerüche jedoch nicht durch einen Konstruktions- oder Materialfehler, sondern „durch den zurückgehenden Wasserverbrauch“ ausgelöst. Dadurch seien die Rohre zu wenig durchspült worden, es hätten sich Bio-Schwefelgase gebildet, die zur Korrosion der Rohre führen.

Die Frage, ob weitere Gebäude im Quartier betroffen seinen, beantwortet sie indes ausweichend. „Routinemäßige Instandhaltungsmaßnahmen finden im Quartier laufend statt“, so die Sprecherin. Die Bauqualität am Potsdamer Platz sei überdurchschnittlich gut. Im Übrigen habe nicht nur der Potsdamer Platz dieses Problem: „Wir gehen davon aus, dass Gebäude mit ähnlichen Baujahren vergleichbare Instandhaltungsarbeiten vornehmen“. SEB und das Mandala hätten eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden, versichert Dederichs.