Luxushotel

Türken finanzieren Übernahme des Grand Hotel Heiligendamm

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Norbert Schwaldt

Foto: Getty Images / Getty Images/F1online RM

Zwei Berliner Immobilienfirmen übernehmen die Luxusherberge an der Ostsee. Obwohl ohne Branchenerfahrung wollen sie das Grand Hotel als 5-Sterne-Haus weiterführen. Das Geld dafür soll aus Istanbul kommen.

Die nähere Zukunft des „Grand Hotel Heiligendamm“ an der Ostseeküste ist gesichert. Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum hat die Nobelherberge an zwei Berliner Immobilien- und Finanzunternehmen verkauft. Das Geld kommt von Anlegern aus der Türkei. Zuletzt waren dem Vernehmen nach noch mehrere Interessenten darunter angeblich auch der frühere Mehrheitsaktionär der Halloren AG, Paul Morzynski im Rennen. Als Kaufpreis für das seit dem G8-Gipfel im Jahr 2007 weltbekannte Hotel sollen dem Vernehmen nach 30 Millionen Euro vereinbart worden sei. Dies dürfte auch dem seit Jahren aufgehäuften Schuldenberg entsprechen.

Die Käufer, die Berliner Firmen Palladio AG und die De & De Holding GmbH wollen das Haus als Fünf-Sterne-Hotel zunächst eigenständig betreiben. Beide Beteiligungs-Firmen haben allerdings bislang keine Erfahrungen im Hotelsektor. Ein neues Konzept für Heiligendamm muss noch erarbeitet werden. Der Zuschlag dürfte für beide Firmen eher überraschend gekommen sein.

Die seit zehn Jahren aktive Palladio hat bisher keine Erfahrung mit Großprojekten und realisiert in Berlin gegenwärtig drei Neubauvorhaben. So werden Wohnungen im Projekt „Dahlem Paradise“, im Fischerhüttenweg und in Marienfelde errichtet. Zum Umfeld der Palladio gehört auch der Unternehmer Ernst Bär, der im Bieterrennen um die landeseigene Berliner Immobilienholding (BIH), heute Berlinovo, erfolglos geblieben war.

Abgeschottetes Hotelgelände soll öffentlich zugänglich werden

Die De & De Holding, bei der Immobilienmanager Marcel Seide das Sagen hat, gibt es erst seit Ende vergangenen Jahres. Sie ist eine Investmentgesellschaft, die mit fremden Geldern Immobilienvorhaben anschiebt.

Nach Worten von Palladio-Vorstand Michael Stehr, der bis 2007 Generalbevollmächtigter des Bankhauses Lampe war, halten an der extra dafür gegründeten Firma Resort Heiligendamm GmbH & Co KG die De & De Holding GmbH 90 Prozent und die Palladio AG zehn Prozent. Über Details zum Verkauf wurde Stillschweigen bewahrt. Die Gelder kämen zum großen Teil von Privatinvestoren aus Istanbul, sagte Stehr der Berliner Morgenpost.

Die Übergabe ist für den 1. Juli vorgesehen. Die derzeit 240 Mitarbeiter sollen gehalten werden. Was das Hotel bislang weitgehende von der Öffentlichkeit abgeschottet, soll sich dies nun ändern. „Wir werden das Gelände auch der breiten Bevölkerung zugänglich machen“, versicherte Stehr im Gespräch mit der Morgenpost. Darüber habe er schon mit der Gemeinde verhandelt.

Grand Hotel hat zu wenige zahlungskräftige Kunden

Während der Suche nach einem Investor hatte es immer neue Gerüchte zur Zukunft des Nobelhotels an der Ostsee gegeben, darunter ein stückweiser Verkauf, den Kritiker als „Zerstörungsplan“ bezeichneten. So war im Gespräch, dass die Orangerie an den Berliner Rehakliniken-Betreiber Median, der vor Ort eine Klinik betreibt, verkauft würde.

Es war ein langer Kampf, den der Investor Anno August Jagdfeld um Heiligendamm geführt hatte. Zuletzt hatte er verzweifelt versucht, das Ruder noch einmal herumzureißen, indem er das Hotel selbst führte und sogar noch private Mittel zuschoss. Doch der Hotelkomplex war nicht zu halten. Das idyllisch gelegene klassizistische Ensemble an der mecklenburgischen Ostseeküste hatte chronisch leere Kassen. Es kamen zu wenig zahlungskräftige Gäste in den abgelegenen Badeort zwischen Warnemünde und Kühlungsborn.

Seit dem 1. Mai 2012 stand die Nobelherberge unter der Verwaltung Zumbaums, nachdem die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet hatte. Die etwa 1900 Fondsanleger mussten zuvor einen Kapitalschnitt von 90 Prozent hinnehmen und werden aus der Insolvenzmasse wohl kaum etwas von ihrem eingezahlten Geld wiedersehen. Sie waren zum großen Teil auch nicht bereit, frisches Kapital nachzuschießen. Ausschüttungen hatte sie ohnehin nicht gesehen.

Fondsanleger investierten 130 Millionen Euro in das Grand Hotel

Heiligendamm gilt als das älteste deutsche Seebad. Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin ließ 1796 bei Bad Doberan an der Ostsee ein Badehaus errichten. Ringsum entstand die klassizistische „Weiße Stadt am Meer“. In der DDR wurde sie zum „Sanatorium für Werktätige“, nach der Wende verfielen die Häuser. 1996 hatte die Fundus-Gruppe die Immobilien für 15 Millionen Euro erworben und mehr als 220 Millionen Euro in die Sanierung der maroden Gebäude investiert. 130 Millionen Euro kamen von Fondsanlegern.

Das Grand Hotel, das Kurhaus und einige Villen wurden seit 2003 von der Kempinski-Gruppe vermarktet, die sich aber nach Querelen mit Jagdfeld im Streit zurückzog. Das Luxus-Hotel, zudem auch das Kurhaus und ein weitläufiges Gelände an der Ostsee-Küste gehören, verfügt über 222 Zimmer, davon sind 78 Suiten.

Jagdfeld, der mit einer Fondsgesellschaft auch das Berliner Nobel-Hotel „Adlon“ wieder aufbaute, hat sich zu Jahresbeginn aus dem aktiven Geschäft der Fundus-Gruppe zurückgezogen und die Führung an seinen Sohn Benedikt übergeben, die übrigen Aktivitäten der Ostsee aber weiter begleiten.