Verkehr

Wie Berlin die Schnellbusse der BVG ausbremst

Eigentlich soll der öffentliche Nahverkehr gefördert werden. Doch die Busse der BVG sind in Berlin immer langsamer unterwegs. Das hat der BUND festgestellt. Ein Problem sind zugeparkte Busspuren.

Foto: Massimo Rodari

Für die gut 17 Kilometer lange Strecke von der Busseallee in Zehlendorf zum Alexanderplatz in Mitte hat der M48 eine Stunde Zeit. Oft aber benötigen die BVG-Busse auf der wichtigen Innenstadt-Linie etliche Minute mehr. Staus, Baustellen und zugeparkte Busspuren sorgen dafür, dass die Fahrer den Plan selten einhalten können. Auch die Fahrgäste leiden: Erst kommt 20 Minuten überhaupt kein Bus, dann gleich zwei oder drei hintereinander. Der erste ist dann überfüllt, die folgenden fahren vor allem Berliner Luft durch die Gegend.

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist dieses Phänomen auch das Ergebnis einer verfehlten Verkehrspolitik des Senats. Denn trotz teurer Beschleunigungsprogramme würden Busse und Bahnen nicht schneller und zuverlässiger, sondern immer langsamer. Besonders im Negativtrend liegen laut BUND die Metrobusse, die eigentlich besonders schnell unterwegs sein sollen.

Nach einer aktuelle Studie des BUND-Landesverbandes erreichen die Busse auf acht untersuchten Metrobus-Linien innerhalb des S-Bahnrings eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,6 Stundenkilometern. Ein historischer Tiefstand, beklagte Verkehrsingenieur Simon Heller, der die BUND-Studie leitete. Laut Heller sind die Metrobusse aktuell um zwei Kilometer pro Stunde (km/h) oder umgerechnet um zwölf Prozent langsamer als ihre betagten Vorgänger.

Auf den vergleichbaren Strecken seien die BVG-Busse 1960 noch mit 16,6 km/h unterwegs gewesen. Das 1999 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestartete Bus-Beschleunigungsprogramm hat an diesem Trend wenig geändert. Trotz Millioneninvestitionen etwa in den Ausbau von Busspuren oder die Modernisierung von Lichtsignalanlagen hat sich das Durchschnittstempo der Metrobusse gerade einmal um 0,25 Stundenkilometern erhöht. Fazit des BUND: Der Senat hat bei der ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Busbeschleunigung komplett versagt.

Busspuren sind oft zugeparkt

Für den Negativtrend hat der BUND eine ganze Reihe von Ursache ausgemacht: So sind die Busspuren, die der Senat auf mehr als 101 Kilometern Länge in der Stadt anlegen ließ, auf den Straßen oft kaum noch erkennbar und zudem häufig zugeparkt. „Andere Großstädte wie Boston oder London machen das besser“, sagt Heller. In London etwa werden die Busspuren videoüberwacht, Verstöße gegen das Parkverbot mit 100 Pfund (umgerechnet 117 Euro) bestraft. Der Alltag in Berlin sieht anders aus: Busspuren sind selbst im Berufsverkehr häufig zugestellt. „In Berlin müsse der BVG-Fahrer bei einer zugeparkten Busspur anhalten und warten, bis die Polizei kommt – das macht natürlich keiner“, sagte BUND-Verkehrsreferent Martin Schlegel. Aus seiner Sicht gibt es insbesondere bei der Polizei klare Kontrolldefizite.

Was den Bus M48 auf seiner Strecke aufhält

Andere Großstädte in Deutschland würden es besser machen. So verweisen die BUND-Vertreter auf München, wo die Metrobusse im Ergebnis eines 2003 aufgelegten Beschleunigungsprogramms inzwischen sechs bis 22 Minuten pro Linie schneller unterwegs sind. Ganz anders dagegen die Werte für Berlin: Dort hat sich Fahrzeit bei sechs von acht ausgewerteten Metro-Buslinie gerade einmal zwischen einer (M27, M29 und M48) und bestenfalls vier Minuten (M29) verkürzt. Dagegen seien die Busse der Linien M45 und M46 seit 2000 laut Fahrplan um sechs Minuten langsamer geworden.

Verlängerung der Busspuren gefordert

BUND und Fahrgastverband Igeb schlagen ein Bündel an Maßnahmen vor, damit Berlins Linienbusse spürbar schneller werden. Gefordert wird etwa ein konsequentes Freihalten der Busspuren und deren sinnvolle Verlängerung. „Busspuren fehlen oft da, wo sie am wichtigsten wären, zum Beispiel unmittelbar vor Kreuzungen“, sagt Heller. Die gesonderten Fahrstreifen sollten zudem statt drei bis zu 4,75 Meter breit sein, damit Fahrradfahrer die BVG-Busse nicht behindern. Ein Punkt, der auch bei der BVG Unterstützung findet.

Auf Ablehnung stößt bei den Verkehrsbetrieben die BUND-Forderung, zur Verkürzung der Stoppzeiten an Haltestellen Fahrgäste durch alle Türen einsteigen zu lassen. Derzeit dürfen Bus-Nutzer nur durch die erste Tür einsteigen, damit der Fahrer das Ticket kontrollieren kann. „Der Wegfall des Vorne-Einstiegs würde uns 4,5 Millionen Euro kosten“, so BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Für den BUND könnte eine wirksames ÖPNV-Beschleunigungsprogramm für Berlin auch wirtschaftlich ein Gewinn sein. Sind die Busse schneller unterwegs, würden zum Beispiel weniger Fahrzeuge pro Linie benötigt. Nach BUND-Berechnungen könnten Berlin allein durch schnellere und pünktliche Metrobusse fast drei Millionen Euro im Jahr sparen. 1,5 Millionen Euro, weil für weniger Bus-Einsatzstunden weniger Bestellerentgelt bezahlt werden müsste. Weitere 1,4 Millionen Euro könnten durch Neukunden eingespart werden, die ihrerseits zusätzlich Fahrgeld in die BVG-Kasse bringen.