Leerstand

Freie Wohnungen in Berlin werden immer knapper

Der Verband der Wohnungsunternehmen in Berlin schlägt Alarm - der Leerstand in der Stadt hat ein historisches Tief erreicht. In zahlreichen Innenstadtbezirken gibt es fast keine freien Wohnungen.

Foto: JakobHoff / Jakob Hoff

Der Berliner Wohnungsmarkt hat nahezu seine kompletten Reserven eingebüßt. Wie aus dem Leerstandsbericht hervorgeht, den der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Dienstag vorgelegt hat, ist die Zahl der frei verfügbaren Wohnungen bei den 143 Berliner Mitgliedunternehmen des BBU im Jahr 2012 auf 2,3 Prozent gesunken.

In zahlreichen Innenstadtbezirken gibt es Quoten unter 1,5 Prozent Prozent zudem fast gar keine freien Wohnungen mehr. Bislang allerdings gab es in den Randbezirken noch genügend Ausweichquartiere. Doch auch dort gehen die Leerstände inzwischen rapide zurück.

„Der Leerstand bei unseren Mitgliedern in Berlin ist auf den niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren gefallen“, so BBU-Chefin Maren Kern. Mit Riesenschritten bewege sich Berlin nun auf die problematischen Leerstandsquoten zu, mit denen Hamburg (0,9 Prozent) und München (1,6 Prozent) bereits seit längerem zu kämpfen haben.

Hellersdorf überrascht mit Quotenrückgang

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Während sich der Leerstandsabbau in den vergangenen Jahren vor allem auf die bei Neuberlinern stark nachgefragten Innenstadtbereiche konzentrierte, sind die Wohnungsreserven nach Angaben des BBU-Berichts nunmehr nahezu flächendeckend gesunken. In 21 der 23 Berliner Altbezirke wurde 2012 im Vergleich zum Vorjahr Rückgang des Leerstands verzeichnet.

Überraschender Spitzenreiter ist Hellersdorf: Dort hat sich die Quote mit einem Rückgang um 1,8 Prozentpunkte auf 2,2 Prozent nahezu halbiert. Im Zehn-Jahres-Vergleich hat sich die Leerstandsquote Hellersdorf um fast zehn Prozentpunkte verringert.

Während der Leerstand in Randlagen vielfach deutlich sank, stagnierten die Leerstandsquoten in vielen Innenstadtlagen auf niedrigem Niveau. „Ist der Leerstand erst einmal bei weniger als zwei Prozent angekommen, gibt es nicht mehr viel Raum für Bewegung“, so Kern zur Erklärung.

„Fast alle günstigen Wohnungen vermietet“

So sind etwa in Friedrichshain die Leerstände lediglich um 0,6 Prozent gesunken. „Viel mehr ist auch nicht möglich, denn nun stehen nur noch ein Prozent der Wohnungen dort leer“, sagte Kern. Ähnlich sieht es in den Ortsteilen Hohenschönhausen (um 0,3 auf 1,0 Prozent) sowie Charlottenburg und Wilmersdorf (jeweils um 0,1 auf 1,2 Prozent) aus.

Trotz der gestiegenen Wohnungsnachfrage seien die Nettokaltmieten bei den BBU-Mitgliedern im Vorjahr lediglich moderat um 2,4 Prozent erhöht worden. Mit 5,15 Euro pro Monat und Quadratmeter lagen sie im Durchschnitt um 0,12 Euro höher als Ende 2011. Kern: „Es gibt viele günstige Wohnungen in Berlin – sie sind aber fast alle vermietet.“

Angesichts der stark wachsenden Bevölkerung sei der Senat deshalb gefordert, seine angekündigte Wohnungspolitik schnell umzusetzen. „Nur mehr Neubau kann für einen entspannten Berliner Wohnungsmarkt sorgen“, warnte BBU-Vorstand Maren Kern. Bislang habe der Senat die notwendigen Rahmenbedingungen immer noch nicht geschaffen.

Höchster Zuwachs bei Neubauten

Die BBU-Mitgliedsunternehmen haben nach Auskunft Kerns ihre Investitionen 2012 um rund 13 Prozent auf nun über eine Milliarde Euro ausgeweitet. Den höchsten Zuwachs gab es mit gut 30 Prozent im Bereich Neubau – allerdings auch nur auf rund 47 Millionen Euro. Für 2013 sei hier aber eine Verdreifachung der Investitionen auf dann knapp 200 Millionen Euro vorgesehen.

„Nach den bisherigen, noch sehr zurückhaltenden Planungen wollen unsere Mitgliedsunternehmen bis 2020 mehr als 10.000 Mietwohnungen neu errichten. Mit besseren Neubaurahmenbedingungen könnten sie aber wohl doppelt so viel bauen“, betonte Kern.

Die BBU-Unternehmen, zu denen auch die sechs kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Berlins gehören, bewirtschaften in Berlin rund 655.000 Wohnungen und damit rund 40 Prozent des gesamten Berliner Mietwohnungsbestandes. 1,4 Millionen Berliner wohnen in den BBU-Wohnungen.