Schlägerei

Neue Gewalttaten in Berliner Bahn und Tram verübt

| Lesedauer: 3 Minuten
Hans H. Nibbrig

Foto: Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Stein

Nach Gewaltattacken in der Berliner U-Bahn und Tram droht einem 20-Jährigen der Verlust eines Beines, ein 50-Jähriger liegt im Krankenhaus. Einige Täter sind noch auf der Flucht.

In einem Berliner U-Bahnhof wird ein junger Mann im Streit gegen einen anfahrenden Zug gestoßen, in der Straßenbahn werden zwei Fahrgäste von betrunkenen Randalierern zusammengeprügelt – gleich zwei Gewaltvorfälle im öffentlichen Nahverkehr innerhalb weniger Stunden beschäftigen derzeit die Berliner Polizei. Eines der Opfer musste notoperiert werden. Von den Tätern fehlt in einem der Fälle trotz sofort angelaufener Fahndung noch jede Spur.

Am frühen Donnerstagmorgen gegen 3.30 Uhr waren ein 20-Jähriger und sein zwei Jahre jüngerer Begleiter in einem Zug der U-Bahnlinie 1 unterwegs, als sie während der Fahrt mit einer Gruppe junger Männer in Streit gerieten. Nachdem alle Beteiligten am Bahnhof Gleisdreieck in Kreuzberg den Zug verlassen hatten, setzte sich der Streit auf dem Bahnsteig fort und mündete schnell in eine Schlägerei. Dabei wurde der 20-Jährige gegen den anfahrenden Zug gestoßen und zwischen Waggon und Bahnsteigkante eingeklemmt. Obwohl Zeugen sofort die Notbremse zogen, erlitt der 20-Jährige schwere Verletzungen an einem Bein.

Alarmierte Rettungskräfte der Feuerwehr übernahmen die Erstversorgung vor Ort, bevor sie ihn in ein Krankenhaus brachten. Dort führten Ärzte sofort eine Notoperation durch. Ob das Bein des Schwerverletzten gerettet werden kann, war am Donnerstag noch unklar. Die Personengruppe, aus der heraus der 20-Jährige stoßen wurde, flüchtete nach der Tat zu Fuß in Richtung Landwehrkanal. Der Zugverkehr der Linie U1 war nach der Tat für etwa eineinhalb Stunden unterbrochen.

Wie ein Polizeisprecher mitteilte, hat die Polizei noch keine Erkenntnisse über die Ursache und den genauen Ablauf der Auseinandersetzung. Auch die Identität des Täters oder der Täter ist noch nicht bekannt. Die Beamten des zuständigen Fachkommissariats der Direktion 5 sind dennoch „vorsichtig optimistisch“, den Fall zügig aufklären und die Täter fassen zu können. Es gibt mehrere Augenzeugen, die das Geschehen beobachtet haben und derzeit befragt werden. Zudem setzen die Beamten auf Bilder einer Überwachungskamera auf dem Bahnsteig, die momentan gesichtet und ausgewertet werden.

Attacke mit Pfefferspray und Bierflasche

Etwa fünf Stunden vor dem folgenschweren Zwischenfall in Kreuzberg wurden in Karlshorst zwei Fahrgäste einer Straßenbahn der Linie M17 verletzt. Der Zug war gerade an der Treskowallee unterwegs, als sich ein 50-Jähriger durch zwei grölende und pöbelnde Männer belästigt fühlte. Als er die beiden 23 und 20 Jahre alten und offenbar betrunkenen Männer darauf ansprach, wurde er mit Pfefferspray attackiert und mit einer Bierflasche niedergeschlagen. Auch ein 35-Jähriger, der dem Opfer zu Hilfe eilte, wurde brutal attackiert. An der nächsten Haltestelle flüchteten die Angreifer, wobei einer von ihnen rechtsradikale Parolen rief. Alarmierte Polizeibeamte konnten die Männer kurz darauf festnehmen. Das 50-jährige Opfer kam in ein Krankenhaus.

Gewaltdelikte im öffentlichen Nahverkehr beschäftigen die Berliner Polizei ebenso wie die Bundespolizei seit Jahren. Im vergangenen Jahr wurden 4459 Körperverletzungen registriert. Hinzu kamen knapp 700 Raubdelikte, 650 Nötigungen und Bedrohungen sowie 95 Sexualdelikte. Ein Drittel der erfassten Taten wurde in U-Bahnen verübt, der Rest verteilte sich auf andere Verkehrsmittel. Aufgrund der anhaltend hohen Zahl an Taten verstärkte die Polizei die Streifen. Außerdem sind seit zwei Jahren vermehrt Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes im Einsatz.

>>>Die aktuelle Polizeimeldungen