Einstiegsfrage

BVG-Busse sollen sich nur noch bei Bedarf absenken

Die Berliner Verkehrsgesellschaft muss sparen. Deshalb sollen sich Busse nicht mehr automatisch absenken – stattdessen soll dies auf Knopfdruck geschehen. Behindertenverbände sind empört.

Foto: A3464 Rainer Jensen / dpa

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) halten an ihrer Absicht fest, das automatische Absenken – in Fachkreisen als „Kneeling“ bezeichnet – für ihre Linienbusse abzuschaffen.

Spätestens nächstes Jahr sollen sich die Busse an den Haltestellen prinzipiell nur noch auf Anforderung den Fahrgästen entgegenneigen, damit diese bequemer ein- oder aussteigen können. Die hoch verschuldete BVG verspricht sich davon Kosteneinsparungen von rund zwei Millionen Euro im Jahr.

Widerstand gegen diese Pläne gibt es indes von Behinderten- und Fahrgastverbänden. Ihr Vorwurf: Der Fahrgast wird bei Abschaffung des automatischen Kneelings zum Bittsteller degradiert, der dem Gutdünken des Busfahrers ausgesetzt ist. Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Jürgen Schneider, sieht darin gar einen Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention.

BVG hält Kritik von Behindertenverbänden für unberechtigt

BVG-Busdirektor Martin Koller hält diese grundsätzliche Kritik für unberechtigt. „Wir schaffen das Kneeling ja nicht ab. Ein simpler Knopfdruck genügt, und der Bus neigt sich wie gewohnt dem Fahrgast entgegen“, sagte Koller.

Angesichts der wirtschaftlichen Lage der BVG, die ab 2016 zumindest im operativen Geschäft schwarze Zahlen schreiben will, sei die Frage legitim, ob der Neigevorgang an jeder Haltestelle in der Stadt automatisch erfolgen muss. Denn das häufige Absenken sei eine große Belastung für die Fahrer und verursache erhebliche Wartungskosten an den Fahrzeugen.

Pilotversuche bestärken BVG in ihrem Plan

In ihrer Auffassung bestärkt sieht sich die BVG durch zwei Pilotversuche, die seit Juli 2011 mit 152 Eindeckern und seit August 2012 mit weiteren 415 Doppeldecker-Bussen laufen. Bei knapp der Hälfte der BVG-Busflotte erfolgt Kneeling damit bereits aktuell nur dann, wenn der Fahrgast den sogenannten „Bedarfsknopf“ drückt.

Eine dreiwöchige Zählung während der Testläufe hat laut BVG ergeben, dass den Busfahrern nur an 2,84 Prozent aller Haltestellen der Wunsch zum Absenken des Busses signalisiert wurde. Hochgerechnet auf den gesamten Busverkehr bedeutet dies, dass lediglich bei 18.000 von insgesamt 600.000 Haltestellenstopps am Tag ein Kneeling erforderlich ist. Die Rechnung der BVG: Würden sich ihre Busse nur noch dann neigen, wenn es notwendig ist, könnte das Unternehmen mindestens 1,9 Millionen Euro pro Jahr sparen. Um allein 1,17 Millionen Euro würde etwa der Dieselverbrauch sinken, weil die Luftverdichter, mit denen die Neigetechnik betrieben wird, nicht so oft arbeiten müssten.

Am Mittwoch wird sich nun auch der Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses mit dem Streitthema befassen. Linke und Grüne haben Anträge gestellt, das automatische Absenken der Busse unbedingt beizubehalten.