Aufarbeitung

Helikopterabsturz wird Thema im Berliner Parlament

Der parlamentarische Innenausschuss wird sich mit dem tödlichen Hubschrauberabsturz am Berliner Olympiastadion befassen. Denn auch für die Politiker sind noch viele Fragen offen.

Die Oppositionsparteien im Berliner Abgeordnetenhaus wollen den tödlichen Hubschrauberabsturz von Donnerstag im Innenausschuss behandeln. Das teilten Sprecher der Grünen und der Linkspartei mit.

Udo Wolf, der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, sieht nach dem tragischen Unglück noch erheblichen Klärungsbedarf. Wie etliche andere Politiker auch kritisierte Wolf, dass die Hubschrauberflüge bei der Großübung der Bundespolizei trotz dichten Schneegestöbers durchgeführt wurden. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, bezeichnete gar das ganze Übungsszenario als unrealistisch.

Er halte es für höchst unwahrscheinlich, dass eine größere Anzahl Fußball-Hooligans bei Eiseskälte und dichtem Schneetreiben aufeinander losgingen, sagte Lux. Für eine normale Auseinandersetzung unter Randalierern, so der Grünen-Politiker, hätte auch „ein Trupp Polizisten im Mannschaftswagen“ gereicht. Ungeachtet dessen hätten die Hubschrauberflüge angesichts des Wetters in jedem Fall abgesagt werden müssen.

Vertreter der Koalitionsparteien SPD und CDU verteidigten hingegen die Übung am Berliner Olympiastadion, bei der ein Einsatz gegen Hooligans simuliert wurde. Innenexperte Robbin Juhnke (CDU) sagte, man wolle keine „Schönwetterpolizei“. Thomas Kleineidam, sein Kollege von der SPD, betonte, die Polizei müsse nun mal auch in Extremsituationen jederzeit einsatzfähig sein und könne bei schlechtem Wetter nicht einfach zu Hause bleiben.

Auch Christopher Lauer, Fraktionschef der Piraten, hielt sich mit Kritik zurück. Bevor man die Vorgänge bewerten könne, müsse zunächst einmal die Stellungnahme der Bundespolizei abgewartet werden, sagte Lauer.

Alle Verletzten weiterhin unter ärztlicher Beobachtung

Unterdessen teilte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonnabend mit, einer der vier bei dem Unglück schwer verletzten Beamten sei inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Drei weitere „mittelschwer“ Verletzte waren bereits kurz nach dem Unglück wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, viele Leichtverletzte ambulant vor Ort behandelt worden.

Alle Verletzten stünden aber weiterhin unter ärztlicher Beobachtung. Darüber hinaus, so der Sprecher weiter, würden alle verletzten Beamten wie auch deren Angehörige psychologisch betreut.

Bei den Bundespolizisten hat das tragische Geschehen vom Donnerstagvormittag einen nachhaltigen Schock hinterlassen. Viele Beamte zeigten sich noch immer fassungslos über den tragischen Tod des Hubschrauberpiloten und die zahlreichen Verletzten. Vor allen Dienstgebäuden der Bundespolizei wehen seit Donnerstag die Fahnen auf Halbmast. Sowohl die Dienstfahrzeuge der Bundesbehörde als auch die der Berliner Polizei fahren derzeit mit Trauerflor.

Während der Übung waren zwei Hubschrauber bei der Landung auf dem Maifeld im dichten Schneegestöber zusammengeprallt. Entsprechend der Übungslage sollten sie etwa drei Dutzend Unterstützungskräfte zum Einsatzort fliegen. Bei der Kollision wurde ein Pilot durch ein in das Cockpit eindringendes Rotorblatt getötet. Der 37-Jährige hinterlässt seine Frau und vier Kinder.

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