E-Mobilität

Die Elektroauto-Offensive startet in Berlin

Der Berliner Senat beschwört die Chancen neuer Elektro-Technologien für die Stadt, die BVG setzt Elektrobusse ein. Doch die Automobilindustrie bleibt skeptisch.

Foto: Laurin Schmid / dpa

Der Rahmen war feierlich, der Ort prestigeträchtig – dennoch verlief der Auftakt zur 1. Berliner Konferenz zum Schaufenster der Elektromobilität nicht reibungslos. Wenn die Bundesregierung ein wenig mehr aufs Tempo gedrückt hätte, kritisierte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), dann hätte Berlin nicht einige Testprojekte verschieben müssen. Die Antwort kam prompt. Wenn Berlin aufs Tempo drücke, dann würde das Schaufenster auch glänzen, konterte Ministerialdirektor Werner Ressing, aus dem Bundeswirtschaftsministerium. „Denn nichts ist langweiliger als ein leeres Schaufenster.“

Das kleine Wortgefecht stand zum Beginn der Hauptstadtkonferenz zum Thema Elektromobilität, die den Auftakt für die Elektromobilitätsoffensive der Bundesregierung bildete. In vier Regionen werden in den kommenden drei Jahren modellhafte Nutzungen von Elektrofahrzeugen getestet. Berlin soll das „Schaufenster“ dieses Programms werden. 100 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Die Stadt setzte sich gegen 23 Bewerber durch. Neben Berlin kamen die traditionellen Autobauerregionen zum Zug: Bayern/Sachsen, Stuttgart/Karlsruhe und Niedersachsen.

BVG setzt E-Busse ein

Das erste sichtbare Zeichen dafür wird die Buslinie 147 zwischen Haupt- und Ostbahnhof darstellen. Sie wird künftig ausschließlich mit Elektrobussen befahren. Dazu schafft die BVG weitere vier E-Busse an, einer fährt bereits auf der Linie. „Sobald die Finanzierung genehmigt ist, geht es los“, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak am Montag. Jeweils an den beiden Endhaltestellen befindet sich eine Ladestation, an denen die Busse aufgeladen werden.

In den kommenden Jahren sollen zudem 700 Ladestationen zu den bereits bestehenden 100 dazu kommen. Schon jetzt verfügt Berlin über die höchste Dichte an Stromtankstellen in einem Ballungsgebiet in Deutschland. Das Fraunhofer Institut für Konstruktionstechnik entwickelt ein elektrisches Verteilsystem für den Lieferverkehr in der Innenstadt und am Berliner Standort der Elektromobilität, dem Euref-Gelände in Schöneberg, wird über die Kompatibilität der verschiedenen Car-Sharing-Angebote und Bezahlsysteme in der Stadt nachgedacht.

Insgesamt 25 Projekte sollen in den kommenden drei Jahren mit den 100 Millionen Euro Fördergeld finanziert werden, 250 Unternehmen sind ander Umsetzung beteiligt. Berlin eigene sich besonders zur Erprobung innovativer Mobilitätskonzepte, sagte der Chef der Berliner E-Mobilitätsagentur, Gernot Lobenberg. „Berlin ist eine wachsende Stadt, 41 Prozent der Berliner besitzen kein eigene Auto.“

Hemmschuh Batterietechnik

Einzig Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, goss am Montag im Roten Rathaus ein wenig Wasser in den Wein. „Ob das Elektroauto im Massenmarkt siegt, hängt von den Fortschritten ab“, sagte Wissmann. Größter Hemmschuh dabei sei die Batterietechnik. Sie sei der größte Kostenfaktor und die Leistung noch nicht stark genug, um für Privatkunden attraktiv zu sein. Derzeit kosten E-Wagen nach Angaben Wissmanns noch 7000 bis 12.000 Euro mehr, als Autos mit dem herkömmlichen Verbrennungsmotor. Um nennenswerte Reichweiten zu erreichen, sollte die Speicherfähigkeit der Batterien um das Dreifache steigen.

Die Automobilindustrie setze daher auf Zeit. „Elektromobilität ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Die deutschen Autobauer wollten nicht das erste, sondern das beste E-Auto auf den Markt bringen. „Wir erwarten mittelfristig keine Erträge aus der Elektromobilität, wir brauchen den langen Atem.“

Trotz der Skepsis in der Industrie will Berlin die Fördermillionen nutzen, um die Elektromobilität in der Stadt sichtbar zu verankern. Die Stadt soll europaweit Leitmetropole für die neue Technologie werden. Schon jetzt arbeiten 450 Unternehmen für die Branche, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), 400 Elektroautos fahren auf den Straßen. „Berlin ist das größte Labor für Elektromobilität, wir wollen es zu einem gläsernen Labor machen“, kündigte Wowereit als ambitioniertes Ziel an.

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