Verkehrssicherheit

Polizisten auf Elektrorädern sollen Kampfradler in Berlin stoppen

Der Fahrradverkehr in Berlin nimmt ständig zu. Doch immer häufiger kommt es auch zu Konflikten mit Autofahrern und Fußgängern. Jetzt rüstet die Berliner Polizei auf und steigt aufs Elektrorad.

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Die Zahl der Verkehrsunfälle in Berlin ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Gleichzeitig wurden etwas weniger Menschen verletzt. Das geht aus der Unfallstatistik 2012 hervor, die die Polizei am Mittwoch vorstellte. Wegen der vielen Unfälle von Fahrradfahrern überlege man, eine eigene Radstaffel mit Polizisten auf Elektrorädern aufzustellen, kündigte Polizeipräsident Klaus Kandt an. Das werde aber erst für 2014 geplant.

Radler waren an 7342 Unfällen beteiligt. Vor zehn Jahren waren es noch 5900. Die Polizei geht zudem davon aus, dass nur ein Teil der Radunfälle überhaupt statistisch erfasst wird. Die Dunkelziffer liege bei 50 bis 65 Prozent, sagte der Chef der Verkehrsabteilung, Markus van Stegen. Das heißt: In Wirklichkeit gab es doppelt so viele Radunfälle, wie in der Statistik aufgeführt.

Fahrradfahrer und Autofahrer waren bei den erfassten Unfällen etwa je zur Hälfte die Unfallverursacher. Die Radler fuhren gegen die Fahrtrichtung, übersahen Autos oder waren zu schnell unterwegs. Autofahrer hingegen ignorierten oft beim Rechtsabbiegen Radfahrer oder nahmen ihnen an Kreuzungen die Vorfahrt.

Die höhere Zahl der Unfälle liegt auch an der gestiegenen Zahl der Fahrradfahrer. In den vergangenen Jahren fuhren immer mehr Berliner besonders im Sommerhalbjahr Fahrrad. Auf den Radwegen in der Innenstadt wurde es häufig eng. Viele Radfahrer ignorieren zudem rote Ampeln oder fahren nachts ohne Licht. Viele Autofahrer und Fußgänger ärgern sich über die „Kampfradler“. Die Polizei hat aber nicht genug Personal für eine dichtere Überwachung.

Polizeipräsident will Hamburger Modell übernehmen

Kandt sagte, mehr Präsenz und Kontrollen seien sinnvoll. Die Hamburger Polizei habe gute Erfahrungen mit einer Fahrradstaffel gemacht. Dabei sind Polizisten nicht wie bisher in sportlicher Kleidung auf Tourenrädern unterwegs, sondern in klassischer Uniform auf Elektrorädern, sogenannten Pedelecs (pedal electric cycle). Der Fahrer wird hierbei beim Treten von einem Elektromotor unterstützt.

Die Anzahl der Toten im Berliner Straßenverkehr sank deutlich auf 42 (2011: 54), darunter 17 Fußgänger und 15 Radfahrer. Berlin hat damit im Verhältnis zur Bevölkerung die wenigsten Verkehrstoten aller Bundesländer. Die Zahl war aber bereits seit Ende 2012 bekannt.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 130.782 Verkehrsunfälle (+ 0,24 Prozent). 2049 Menschen wurden schwer verletzt, 14.807 leicht. Die Hauptursachen waren Fehler beim Abbiegen, Vorfahrtsmissachtung und zu schnelles Fahren. Risikogruppen im Straßenverkehr sind kleine Kinder und Rentner sowie junge Erwachsene am Steuer. Am häufigsten verletzt wurden Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer.

Die Polizei erfasste etwa eine Million Geschwindigkeitsüberschreitungen. Mehr als 800.000 Bußgelder wurden verhängt. Allein durch die Radarkontrollen im Britzer Tunnel in Neukölln seien 70.000 zu schnelle Autofahrer erwischt worden, so die Polizei. Berlin nahm insgesamt 70 Millionen Euro Bußgeld von Verkehrssündern und Falschparkern ein.