Schule

Berlin muss mehr Klassen für Kinder von Asylbewerbern öffnen

Zu wenig Personal, zu wenige Klassen: Die Schulpflicht für die in Berlin lebenden Kinder von Asylbewerbern lässt sich nicht mehr umsetzen.

Foto: Marion Hunger

Der Zustrom von Flüchtlingen bringt die Schulen in vielen Bezirken an den Rand ihrer Kapazitäten. Angesichts der wachsenden Zahl von Asylbewerbern und von Zuzügen aus Rumänien und Bulgarien müssen immer mehr Kleinklassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse eröffnet werden. Im September gab es laut Bildungsverwaltung 136 solcher Klassen für 1700 Kinder – und monatlich kommen neue hinzu.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es nur 60 Kleinklassen für Kinder, die noch kein Deutsch sprachen. Die Schüler sollen hier Grundkenntnisse der deutschen Sprache lernen, um nach spätestens einem Jahr in eine Regelklasse integriert zu werden.

In Neukölln wurden Ende Oktober vier neue solcher Lerngruppen eingerichtet. „Wir mussten schon auf Förderschulen ausweichen, weil an den Grundschulen kein Platz mehr ist“, sagte Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD). Damit gibt es in dem Bezirk 26 Kleinklassen. Eine weitere ist an der Walter-Gropius-Sekundarschule geplant. „Dann sind wir absolut am Ende.“

Schulpflicht gefährdet

Die Schulen seien übervoll, das sei ein riesiges Problem. Zuzügler müsste auf eine Warteliste, wenn sie eine Schule besuchen wollen. Die Schulpflicht sofort umzusetzen, sei gar nicht mehr möglich. Giffey fordert einen überbezirklichen Plan zur gerechteren Verteilung dieser Schüler. Zwar werde derzeit ein Aktionsplan Roma und Sinti im Senat erarbeitet, der soll aber erst ab 2014 gelten. „Bis dahin hat die Realität längst den Plan überholt.“

Ähnlich dramatisch ist die Situation in Mitte, wo es 24 Lerngruppen gibt. Auch andere Bezirke mit weniger Flüchtlingen sind überfordert. In Pankow werden jetzt drei sogenannte Willkommensklassen an drei Grundschulen eröffnet. Derzeit werden in Pankow 200 Asylbewerber untergebracht, darunter sind 60 Kinder. „Das ist im Vergleich zu anderen Bezirken wenig“, sagt Schulstadträtin Lioba Zürn-Kaztantowicz (SPD). Doch die Schulen im Bezirk würden ohnehin schon aus allen Nähten platzen aufgrund des Baubooms in Pankow und auch in Prenzlauer Berg.

Personal fehlt

In Reinickendorf wurde gerade eine neue Klasse für zugezogene Kinder aus dem Ausland an einer Sekundarschule eingerichtet. Insgesamt gibt es im Bezirk damit jetzt zehn Kleingruppen. „Schwierig ist es nicht nur, die Räume zu finden, sondern auch das Personal“, sagt Kathrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin von Reinickendorf. Die Senatsverwaltung bezahle zwar die nötige Stelle, aber der Lehrermarkt ist mitten im Schuljahr so gut wie leer. Auch die CDU-Stadträtin fordert eine landesweite Lenkungsgruppe. „Wir müssen vorher wissen, mit wie vielen Kindern wir rechnen müssen, um rechtzeitig reagieren zu können.“

Und ein weiteres Problem drängt: Die meisten Kinder der Flüchtlinge haben keinen Impfschutz und könnten deshalb zum Gesundheitsrisiko für die übrigen Schüler werden, berichten die Bezirksstadträte. Die Amtsärzte in den Bezirken müssten daher die Kinder möglichst schnell impfen. Eine Grundimmunisierung kostet 500 Euro. Auch dafür fordern die Bezirke mehr Unterstützung vom Senat.