Rainer Schwarz

Mehdorn fordert Entmachtung des Berliner Flughafen-Chefs

Vor der Aufsichtsratssitzung der Berliner Flughafengesellschaft fordert der Air-Berlin-Chef die Erweiterung des Vorstands.

Foto: DAPD

Kurz vor der Sitzung des Aufsichtsrats der Betreibergesellschaft FBB für den Hauptstadtflughafen werden wieder Rufe nach personellen Konsequenzen laut. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn fordert von den FBB-Anteilseignern, durch eine Erweiterung des Vorstands für eine professionell aufgestellte Führungsmannschaft zu sorgen. Zugleich gibt es Medienberichten zufolge Streit zwischen den Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und Bund über die Aufteilung der Mehrkosten für das Projekt.

In einem Brief vom 22. August an den Aufsichtsratsvorsitzenden und Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) spricht sich Mehdorn laut „Bild“-Zeitung für eine „klassische Organisationsstruktur“ aus. „Ich halte es für erforderlich, neben dem Vorstandsvorsitzenden, neben dem bereits ernannten Technik- und Bauvorstand einen Vorstand für Operation und Vertrieb, einen Vorstandsbereich Finanzen sowie einen Vorstand für Personal und Verwaltung mit klarer Geschäftsverteilung einzusetzen“, heißt es in dem Schreiben weiter, das der Nachrichtenagentur dapd vorliegt.

Derzeit besteht der Vorstand aus dem Chef Rainer Schwarz und Technikvorstand Horst Amann. Einen Finanzvorstand gibt es nicht. Mit einer „breiten und klassischen Vorstandsorganisation“ würden Doppelfunktionen vermieden, betonte Mehdorn. Die operationelle Inbetriebnahme werde nach den derzeitigen Turbulenzen ein „zweiter wichtiger Fokus und Prüfstein für die Flughafengesellschaft werden“.

Keine Entmachtung von Schwarz

Mit dem Schreiben sei keine Entmachtung von Schwarz beabsichtigt, der allerdings unter scharfer Kritik wegen der anhaltenden Unsicherheit über den Eröffnungstermin steht, hieß es in mit dem Thema vertrauten Kreisen. Vielmehr müssten die Anteilseigner mit einer Professionalisierung der Führungsspitze der Betreibergesellschaft rein unternehmerische Entscheidungen erleichtern. Schwarz selbst habe eine Kopie des Schreibens erhalten.

Unterdessen halten sich hartnäckig Gerüchte über eine Ablösung des Flughafenchefs. Linke und Grüne in Brandenburg legten ihm in den vergangenen Tagen den Rücktritt nahe. Die Grünen im Bund verlangten dagegen erneut, dass Wowereit seinen Posten als Aufsichtsratschef räumt.

Das Kontrollgremium will bei der um eine Woche vorgezogenen Sitzung am Freitag einen neuen Eröffnungstermin nennen, der voraussichtlich im Herbst 2013 liegen wird. Außerdem soll ein Finanzierungskonzept vorgelegt werden, um die Mehrkosten von mindestens rund 1,2 Milliarden Euro zu stemmen.

Bundes-FDP knüpft Finanzzusagen an Bedingungen

Über welchen Weg die zusätzlichen Mittel aufgebracht werden sollen, ist offenbar umstritten. Während die Länder laut „Berliner Morgenpost“ eine Kapitalerhöhung der Flughafengesellschaft favorisieren, wolle der Bund neue Darlehen aufnehmen. Doch dies beurteilten die Länder skeptisch, weil dadurch jahrelange Verpflichtungen entstünden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise.

Die Bundes-FDP knüpft finanzielle Hilfen des Bundes an Bedingungen. „Es kann nicht sein, dass der Bund immer mit großen Beträgen zur Verfügung stehen muss, ohne dass es eine Gegenleistung beispielsweise im Bundesrat gibt“, sagte Haushaltsexperte Jürgen Koppelin dem „Tagesspiegel“. Konkreter wollte er nicht werden. Aber aus Kreisen der Fraktionsführung würden Steuersenkungen und das Steuerabkommen mit der Schweiz genannt, die von SPD-Seite im Bundesrat blockiert würden.

Gleichzeitig warnte die FDP die Union erneut vor Alleingängen. Aus der Fraktionsspitze der Liberalen hieß es laut Zeitung, dass weder das Bundesverkehrsministerium noch das Bundesfinanzministerium das Gespräch mit den Regierungsfraktionen gesucht hätten, um die Beteiligung des Bundes an den Mehrkosten für den neuen Flughafen in Schönefeld zu klären. Dies sei aber vereinbart worden.