Schwerer Unfall

S-Bahn in Berlin entgleist - mehrere Verletzte

Kurz hinter dem S-Bahnhof Tegel ist ein Zug der Linie 25 in voller Länge aus dem Gleis gesprungen. Die Feuerwehr ist im Großeinsatz.

Eine S-Bahn der Linie 25 ist auf voller Länge entgleist. Mindestens sechs Menschen wurden verletzt, darunter der Zugführer. Die Verletzen kamen mit Prellungen und ähnlichen Verletzungen in umliegende Krankenhäuser, sagte ein Feuerwehrsprecher. Er fügte hinzu, sie hätten alle großes Glück gehabt. Rund 150 Rettungskräfte der Feuerwehr befänden sich am Unfallort, sagte der Sprecher.

Feuerwehr und Bundespolizei sind vielmehr mit einem Großaufgebot im Einsatz. Auch Rettungshubschrauber waren vor Ort. Am Ort herrschte großes Durcheinander. Der Zug der S25 war gegen 11.45 Uhr stadtauswärts in Richtung Schulzendorf unterwegs, als er kurz hinter dem S-Bahnhof Tegel aus den Schienen sprang, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. 49 Passagiere wurden unverletzt in Sicherheit gebracht.

Die Ursache für das Unglück war zunächst noch völlig unklar. „Wir haben noch keine Ahnung, was da passiert ist“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Augenzeugen berichteten von einem Blitzeinschlag an der Bahntrasse am Vorabend. Wohl deshalb habe die Schranke des nahe gelegenen Bahnübergangs nicht mehr richtig funktioniert. Inzwischen wird aber vermutet, dass das Unglück durch eine defekte Weiche ausgelöst worden ist. Die Deutsche Bahn wollte dies entgegen ersten Berichten nicht bestätigen. Die Untersuchungen laufen, sagte ein Sprecher.

Zwei Wagen fast vollständig zur Seite gekippt

In den vergangenen Jahren gab es in der Hauptstadt mehrere schwere Bahnunfälle. Im November 2006 prallte eine S-Bahn im Bahnhof Südkreuz gegen einen Bauzug. 33 Menschen wurden verletzt. Ein besonders folgenschwerer Bahnunfall ereignete sich nach einem Radbruch in Kaulsdorf im Mai 2009. Das Unglück stürzte das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn in eine schwere Krise, weil schwerwiegende technische Probleme zutage kamen.

Feuerwehrsprecher Rolf Erbe zeigte sich erleichtert, dass bei diesem Unfall nichts Schlimmeres passiert sei. Die Einsatzkräfte seien auf noch mehr Verletzte eingestellt gewesen.

Nach Angaben der Bahn waren bei der Weiche nahe dem S-Bahnhof Tegel zwei Wagen des Zuges auf das richtige Gleis geschoben worden, ein Teil landete auf einem Gleis für den Gütertransport, dazwischen hingen zwei weitere Wagen.

Von den sechs Waggons sind zwei Wagen fast vollständig zur Seite gekippt, hieß es. Am Gleisbett nahe der Gorkistraße entstand ein erheblicher Sachschaden. Die Feuerwehr rückte mit schwerem Gerät an. Nach dem Unglück wurde der Strom sofort abgeschaltet. Die Passagiere wurden über die gesperrten Gleise auf den Parkplatz eines nahe gelegenen Supermarktes gebracht. Dort wurden sie von Einsatzkräften betreut.

In den Geschäften in der Umgebung bekamen die Menschen nach ersten Berichten nicht viel von dem Bahnunglück mit. Ein lauter Knall sei nicht zu hören gewesen, sagte Veronika Bruselt vom Gardinengeschäft „Gardinen Tegel“. Sie habe erst durch Kunden von dem Unglück gehört. „Wegen der nicht funktionierenden Schranke dachten wir, eine Person sei über die Gleise gegangen und verunglückt.“ Erst später hätten Kunden ihr erzählt, dass die S-Bahn rund 30 Meter hinter dem Bahnübergang entgleist sei

Der Zugverkehr auf der Linie S25 ist unterbrochen. Wie die S-Bahn auf ihrer Internetseite mitteilte, fahren ersatzweise Busse zwischen Tegel und Hennigsdorf in Brandenburg. Demnach fährt die S25 nur zwischen Teltow Stadt und Gesundbrunnen. Ab Gesundbrunnen sollen Fahrgäste die S1 bis Wittenau und ab dort den Bus 124 nach Tegel nutzen. Alternativ kann auch die U-Bahn, Linie 6, ab S+U Wedding genutzt werden.

Die Berliner S-Bahn kämpft seit Jahren mit massiven technischen Problemen ihrer Flotte. Seit Mai 2009 erfolgt der Betrieb nur eingeschränkt. Seither ist die Krise des zur Deutschen Bahn gehörenden Unternehmens ein Dauerthema in Berlin. Dennoch sind die rot-gelben Züge der S-Bahn ein wichtiges Verkehrsmittel in der Hauptstadt. Befördert werden nach Unternehmensangaben an Werktagen bis zu 1,3 Millionen Fahrgäste.