Nach Verhaftung

Berliner Notar bestreitet Schrottimmobilien-Vorwürfe

Foto: Steffen Pletl

Schrottimmobilien treiben die Käufer nicht selten in den Ruin. Ein jetzt verhafteter Berliner Notar will davon nichts wissen.

Nach der Verhaftung eines Berliner Notars wegen mutmaßlichen bandenmäßigen Betrugs beim Vertrieb von Schrottimmobilien bestreitet der Verdächtige alle Vorwürfe. Das sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Der Sprecher ergänzte: „Die Beweissituation sieht anders aus.“ Dem 51-Jährigen wird vorgeworfen, am Vertrieb von überteuerten und zum Teil minderwertigen Immobilien beteiligt gewesen zu sein. Es traf meist unerfahrene Käufer.

Zudem habe der Notar und Rechtsanwalt einen Haftprüfungsantrag gestellt. Wann sich ein Richter damit befasst, war noch unklar. Der 51-Jährige sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Am selben Tag waren vier Objekte in Berlin und Falkensee (Havelland) durchsucht worden. Laut Ermittlern wurden schriftliche Beweise sichergestellt, die einen dringenden Tatverdacht untermauerten. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den 51-Jährigen Haftbefehl wegen möglicher Fluchtgefahr beantragt.

Staatsanwaltschaft und Polizei zufolge werden dem Notar 17 vollendete Fälle sowie ein versuchter Fall mit einer Schadenssumme von etwa einer Million Euro zur Last gelegt. Die Ermittler schließen nicht aus, dass weitere Fälle ans Licht kommen. Sie kündigten an, auch andere Notare sowie Banken und Bauträger zu durchleuchten. Ob bereits weitere Verdächtige in den Blick genommen wurden, blieb am Donnerstag offen.

Aus Ermittlerkreisen hieß es, dass der Notar im Fall einer Verurteilung mit einer nicht unerheblichen Freiheitsstrafe rechnen müsse. Es könnten auch Schadenersatzforderungen von Geschädigten auf ihn zukommen. Nicht ausgeschlossen ist, dass der Notar auch seine Berufszulassung verliert, wenn sich der Verdacht bestätigt. Eine Stellungnahme der Notarkammer zum konkreten Fall lag trotz wiederholter Nachfrage bisher nicht vor.

( dpa/tj )