Staatsanwalt

Haftstrafe für Messerangriff auf U-Bahnhof beantragt

Während die Verteidigung auf Notwehr plädierte, spricht der Staatsanwalt von Körperverletzung. Deshalb soll ein Berliner ins Gefängnis.

Ein Jahr nach einer Messerattacke auf dem Berliner U-Bahnhof Zoologischer Garten hat die Staatsanwaltschaft dreieinhalb Jahre Haft wegen Körperverletzung beantragt. Der 20 Jahre alte Angeklagte hatte vor Gericht gesagt, er sei von zwei Männern geschlagen worden, habe in Panik und Todesangst zugestochen. Die Verteidigung plädierte am Dienstag vor dem Berliner Landgericht auf Freispruch wegen Notwehr.

Das Opfer (20) lag mit Verletzungen im Brustbereich und einem Lungenflügel eine Woche in der Klinik. Der gelernte Maler und Lackierer sprach ebenfalls von Todesangst. Ein 21 Jahre alte Freund des Mannes wurde am Arm verletzt. Beide fahren bis heute nicht mehr mit der U-Bahn.

Der Angeklagte hat sich entschuldigt

Nach einem Streit und Beleidigungen war es in der Nacht zum 15. Juli 2011 zu Handgreiflichkeiten gekommen. Dann hat der Angeklagte vier Mal zugestochen. Seine Notwehrsituation ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft durch Zeugen widerlegt. Der 20-Jährige habe provoziert. Hinterhältig habe er einen Mann-gegen-Mann-Kampf vorgeschlagen und dann plötzlich das Messer gezogen.

Durch sein Verhalten habe er die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr nachhaltig beeinträchtigt, betonte die Anklägerin. Strafmildernd ist aus Sicht der Staatsanwältin die Reue des 20-Jährigen zu bewerten.

Der Angeklagte hat sich entschuldigt. Ihm tue es leid, dass die beiden anderen Männer so große Schmerzen erleiden mussten. Obwohl der Berliner bis zuletzt bei seiner Notwehrversion blieb, ist er bereit, Schmerzensgeld zu zahlen. Es sei falsch gewesen, überhaupt ein Messer dabei gehabt zu haben, sagte er.

Das Urteil soll am kommenden Donnerstag verkündet werden.

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