Durch Rußfilter

Berlins Fahrgastschiffe sollen sauberer werden

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Jens Anker

Foto: Amin Akhtar

Der Senat will den Einbau von Dieselrußfiltern fördern. Diese reduzieren den Feinstaub um bis zu 90 Prozent. Reedereien sind zurückhaltend.

Die Berliner Fahrgastschiffe sollen sauberer werden. Das sieht der Entwurf des Luftreinhalteplans des Senates vor. Obwohl sich die meisten der rund 100 Schiffe auf Berlins Gewässern innerhalb der Umweltzone bewegen, gelten die Schadstoffvorgaben für sie bislang nicht. Das soll sich nach dem Willen des Senates nun ändern. Nach dem erfolgreichen Modellversuch zur Reduzierung des Dieselrußes der Schiffe, sollen in den kommenden zwei Jahren 30 Schiffe einen entsprechenden Dieselrußfilter erhalten und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen.

„Ein Spaziergang an Spree und Havel wäre noch erholsamer, wenn man nicht regelmäßig durch die Dieselrußschwaden der Passagierschiffe laufen müsste“, sagt der umweltpolitische Sprecher der SPD, Daniel Buchholz. „Das verschlägt einem fast den Atem und ist erwiesenermaßen ungesund.“ Nachdem mit der Einführung der Umweltzone die Schadstoffe der Autos erfolgreich reduziert worden seien, müsse das gleiche nun bei den Schiffen gelingen, fordert der Umwelt-Experte. „Leider können wir aber für die Berliner Wasserstraßen keine vergleichbaren Regelungen treffen, da entsprechende Vorgaben nicht auf der Landesebene möglich sind“, sagt Buchholz. Denn die Schiffe fahren auf Bundeswasserstraßen, die sogar unter EU-Recht fallen. Eine entsprechende rechtliche Vorschrift müsste daher aus Brüssel kommen.

Berlin setzt auf Freiwilligkeit

Stattdessen setzt die Landespolitik auf Freiwilligkeit. In den vergangenen drei Jahren rüstete das Land zusammen mit der Stern und Kreisschifffahrt und der Reederei Riedel drei Schiffe mit Dieselrußfiltern aus. Der Versuch verlief erfolgreich. Die Testschiffe stießen 90 Prozent weniger Rußpartikel aus als vorher. Nach den Senatsplänen könnten so zwei Tonnen Dieselrußpartikel pro Jahr weniger in die Luft gelangen, wenn ein Drittel der Fahrgastschiffe mit entsprechenden Filtern ausgerüstet würde. „Fahrgastschiffe sollten endlich mit Dieselrußfiltern nachgerüstet werden“, fordert Buchholz daher. „Die Filter funktionieren dauerhaft bei allen Drehzahlen und Lastwechseln.“

Fragezeichen stehen allerdings hinter der Finanzierbarkeit der Senatspläne. Die Ausrüstung eines Dieselmotors mit einem Filter kostet 25.000 bis 30.000 Euro, die meisten Schiffe verfügen über zwei oder mehr Motoren, so dass 50.000 bis 60.000 Euro Investitionskosten pro Schiff auf die Inhaber zukommen. Der Senat will davon die Hälfte als Förderung übernehmen. Die Reedereien sind dennoch zurückhaltend. „Das ist realistisch nicht umsetzbar“, sagt der Geschäftsführer der Stern und Kreisschifffahrt, Jürgen Loch. „Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil wir in zwei Jahren das Finanzvolumen nicht stemmen können.“ Stern und Kreis verfügt über 40 Schiffe mit 88 Motoren. Für das Ziel, 30 Prozent der Schiffe auszurüsten, wären Investitionen in Höhe von 750.000 Euro nötig. „Aber auch diese Zahl ist unrealistisch“, sagt Jürgen Loch. Denn in vielen, vor allem älteren Schiffen, seien weitere Umbauten nötig, um die Filter überhaupt einbauen zu können. „Natürlich werden wir sofort loslegen, aber die Ziele des Senates sind nicht zu erreichen“, sagt Loch.

Reedereien skeptisch, aber nicht kategorisch ablehnend

Ähnlich sieht es die Reederei Riedel. „Das ist finanziell nicht auf einen Schlag zu machen“, sagt der Geschäftsführer, Lutz Freise. Die Reederei hat unabhängig vom Modellversuch des Senates ein Schiff – die „Spree Diamant“ – mit einem Dieselrußfilter ausgerüstet. Demnächst soll die „Kreuzberg“ folgen. Riedel rechnet für die 14 Schiffe, die die Reederei betreibt, mit einem Investitionsvolumen in Höhe von einer Million Euro. „Wenn der Senat sich in erheblichem Umfang daran beteiligen will, gern“, sagt der Geschäftsführer der Reederei, Lutz Freise. „Das würde unsere Aktivitäten beschleunigen.“

Riedel hat beide Dieselmotoren der Spree Diamant mit einem Filter ausgestattet. Die ehemalige Umweltsenatorin Katrin Lompscher hat der Reederei deshalb für das Schiff symbolisch eine grüne Umweltplakette ausgehändigt.

Beide Reedereien wollen sich trotz der Skepsis über die vom Senat geplanten Umweltziele dem Thema Nachhaltigkeit nicht verschließen. „Der Senat ist vorgeprescht und wir auch“, sagt Jürgen Loch. Bislang gebe es in keiner Stadt oder einem anderen Land ähnliche Überlegungen. „Es ist gesellschaftlicher Wille, die Umweltbelastung zu verringern und von der nachhaltigen Rendite haben am Ende alle etwas“, sagt der Geschäftsführer der Stern- und Kreisschifffahrt. Riedel ist bereits einen Schritt weiter. Das Unternehmen legt regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte vor, in denen die Umweltziele des Unternehmens formuliert sind. „Wir können zwar durch unsere Arbeit allein die Welt nicht verändern, aber in unserem Einflussgebiet einen Beitrag dazu leisten und damit haben wir begonnen“, sagt Freise.

14 Tonnen Diesel-Partikel

Die rund 100 Fahrgastschiffe auf den Berliner Gewässern tragen erheblich zu der Luftverschmutzung in der Innenstadt bei, weil die Abgasgrenzwerte für Schiffe wesentlich weniger anspruchsvoll sind als für Autos und Lastwagen. Zudem haben die Motoren eine wesentlich längere Laufzeit. In einem ersten Schritt wurde die Reduzierung des Partikelausstoßes durch das Verbot von schwefelhaltigem Dieselkraftstoff für die Binnenschifffahrt erreicht. Durch die Rußfilter soll der Ausstoß um weitere 15 Prozent gesenkt werden. Insgesamt stoßen Berlins Fahrgastschiffe rund 14 Tonnen Diesel-Partikel pro Jahr aus.

Die SPD will jetzt nach der Sommerpause einen Antrag für das Parlament vorlegen, indem der Einbau der Dieselfilter samt staatlicher Förderung festgelegt wird. „Damit soll die Luft in der Innenstadt sauberer werden“, sagt Umwelt-Experte Buchholz.