Test

Tabtop oder Laplet?

Microsofts Rechner „Surface“ verbindet Tablet und Laptop.

Kommt die flache, pinkfarbene Tastatur in die Nähe des Bildschirms, beginnt der Display-Hintergrund auch in schwachem Rosa zu leuchten. Ist das Keyboard blau, strahlt die Bedienoberfläche ebenfalls in Blau. Das ist eine ganz nette Spielerei und eines der wenigen veröffentlichten Details zum neuen Tablet „Surface“, das Microsoft diese Woche vorgestellt hat. Die Tastatur ist eigentlich eine Abdeckung des Bildschirms, lässt sich aber aufklappen und zum Tippen verwenden.

Obwohl Microsoft kaum technische Einzelheiten zum Surface veröffentlicht hat, wird deutlich, wie das Unternehmen sein neuestes Produkt gegen das erfolgreiche iPad von Apple positionieren will: Während das iPad eher dazu dient, Medieninhalte zu konsumieren, sollen Surface-Nutzer zusätzlich welche erstellen können. „Das Surface ist ein PC. Das Surface ist ein Tablet. Und das Surface ist etwas ganz Neues“, sagte deshalb auch Microsoft-Chef Steve Ballmer bei der Präsentation ganz selbstbewusst.

Das Surface gibt es in zwei Versionen: ein Modell mit einem schlanken Gehäuse, das nur 14 Gramm schwerer ist als das iPad, und ein mit dem Zusatz Pro versehenes Modell, das 240 Gramm mehr wiegt als der Konkurrent. Gut anfühlen sollen sie sich beide, berichten Mitarbeiter von US-Technik-Blogs, die beide schon in Händen halten durften. Ein Grund für die angenehme Haptik heißt VaporMg. Dieses Verfahren ermöglicht es, Metall zu schmelzen und anschließend auf eine Stärke von lediglich 0,65 Millimeter zusammenzudampfen. Dadurch fühlt sich das Gehäuse nicht nur geschmeidig an und ist kratzfest, es lassen sich zudem viele Bauteile im Rechner unterbringen.

Variable Bedienung

Dazu gehört der Kickstand hinten am Rechner. Ist er ausgeklappt, können sich Nutzer auf dem Tablet bequem Videos ansehen oder es, zusammen mit der Tastatur, wie ein Notebook verwenden. Diese Type Cover genannte Tastatur ist mit drei Millimetern extrem flach und reagiert auch auf leichte Berührungen. Bei Berührung ist ein Klickgeräusch zu hören, damit Nutzer wissen, ob tatsächlich eine Taste gedrückt wurde. Das Surface verfügt auch über ein Touchpad, eine berührungsempfindliche Fläche zum Steuern des Mauszeigers.

Das Pro-Modell lässt sich zudem mit einem Stift bedienen, mit dem Nutzer sehr exakt auf dem Bildschirm zeichnen können. So zumindest war es bei der Präsentation zu sehen. Solch eine Präzision ist möglich, weil zum einen die Auflösung mit 600 dpi hoch ist, zum anderen, weil die Glasschicht lediglich 0,7 Millimeter oberhalb des eigentlichen Displays liegt – ein nur selten erreichter Wert. Der Anwender dürfte also das Gefühl haben, fast direkt auf dem Display zu schreiben. Nähert sich der Stift dem Touchscreen, schaltet sich der Sensor aus, der Fingerberührungen erfasst. Dadurch kann der Anwender seine Hand auf dem Bildschirm ablegen, ohne seine per Stift eingegebenen Zeichen zu verwischen.

Mäßiges Display

Mit 10,6 Zoll ist der Bildschirm beider Surface-Rechner größer als der von Apples iPad oder anderen Konkurrenzmodellen wie Samsungs Galaxy Tab und Motorolas Xoom. Zur Qualität der Darstellung hat Microsoft keine Angaben gemacht, die kleine Surface-Version dürfte in HD-Qualität auflösen, der Pro-Rechner mit Full HD. Damit würden beide deutlich unterhalb des Wertes liegen, den das neue iPad mit seinen 2048 mal 1536 Pixeln zu bieten hat. Die ersten Tester waren zumindest davon beeindruckt, dass sie auch aus spitzen Winkeln noch etwas auf dem Bildschirm erkennen konnten. Außerdem zeigt das Display Bilder im 16:9-Verhältnis, wie es HD-Fernsehen liefert. Das iPad dagegen zeigt das althergebrachte 4:3, viele Android-Tablets das eher ungewöhnliche 16:10.

Ungewisse Rechenkraft

Auf einen großen internen Speicher hat Apple bei den iPads verzichtet, schließlich sollen die Dokumente in der iCloud liegen, und die Anwendungen kommen als schlanke Apps auf die Rechner. Microsoft hat den Surface-Modellen ein wenig mehr Platz spendiert, von 32 bis zu 128 Gigabyte. Und damit mehr, als die meisten Tablets der Konkurrenz aufweisen. Wie schnell die Rechner sein werden, ist unklar. Im Pro-Modell wird ein Ivy-Bridge-Prozessor arbeiten, der das Rechentempo eines herkömmlichen Notebooks erreichen dürfte. Im kleineren Modell kommt wohl ein ARM-Chip zum Einsatz, der um Einiges schwächer ist als Apples A5.

Flexible Datenkommunikation

Wie alle neuen Tablets sind auch die Surface-Modelle WLAN-fähig, dass sie die Funktechnik Bluetooth und LTE beherrschen ist wahrscheinlich. Apple neues iPad unterstützt den schnellen Mobilfunk – wenn auch nicht die in Deutschland verfügbaren Frequenzen. Um Daten auf das iPad zu spielen, müssen sich Nutzer einiges einfallen lassen: Es gibt keine USB-Anschlüsse oder Steckplätze für Speicherkarten. Das Surface hat beides.

Umfangreiche Software

Im kleinen Surface-Modell wird die abgespeckte Windows-Version RT arbeiten. Installiert ist zudem das Software-Paket „Office Home & Student“, mit dem sich Dokumente komfortabel bearbeiten lassen. Der größere Pro-Rechner kommt mit Windows 8, dem künftigen Betriebssystem für Tablets und andere Computer. Im Juli soll es angeblich den Entwicklern zur Verfügung stehen, im August könnte dann das einfachere Surface-Tablet im Handel sein, drei Monate später das Pro-Modell.

Ab Werk sind die Tablets also gut ausgestattet, doch Nutzer von iPads und Android-Tablets haben den Vorteil, dass es massenhaft Apps zum Runterladen gibt. Wie Microsoft kontern will, hat Steve Ballmer nicht gesagt. Entweder hat er noch etwas in der Hinterhand – oder seinen Managern ist noch nichts eingefallen.

Mit dem Bedienungs-Mix aus Touchscreen, Tastatur und elektronischem Stift bietet Surface mehr Variationen als das iPad. Bei Nutzern, die ihren Rechner auch beruflich einsetzen möchten, könnte Microsoft damit punkten. Mit der auf dem Touchscreen simulierten Tastatur des iPads ist das Schreiben langer Texte dagegen mühsam. Allerdings gibt es mittlerweile Dutzende Hersteller, die auf das iPad abgestimmtes Zubehör anbieten, etwa Hüllen, die auf der Tischfläche eine Tastatur bereitstellen. So wird dann auch das iPad durchaus zu einem Notebook zum Arbeiten.

Günstiger Einstiegspreis

Apple siedelt seine Produkte hingegen im höheren Preissegment an, das iPad ist mit 499 Dollar dagegen günstig. Die Pro-Version wird wohl etwa das Doppelte kosten. Sehr viel günstiger dürfen die Rechner aber auch nicht sein, da Microsoft sonst seine Partner vergraulen würde, die Notebooks mit Windows herstellen – auch wenn der Konzern aus Redmond die Rechner nicht selbst produzieren wird, sondern nur seinen Markennamen dafür hergibt. Die Partner haben in der Preisgestaltung gegenüber Microsoft einen großen Nachteil: Sie müssen für Betriebssystem und Office-Programme Lizenzen zahlen, Microsoft selbstverständlich nicht.

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