Doppelspitze

Baum und Lauer führen als Duo die Berliner Piratenfraktion

Die Berliner Piratenfraktion hat erstmals eine Doppelspitze. Auch ein neuer Parlamentarischer Geschäftsführer wurde gewählt.

Foto: REUTERS

Die Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus haben ein neues Führungsduo: Andreas Baum und Christopher Lauer werden künftig die Fraktion vertreten. Bei der Wahl am Freitag traten interne Unstimmigkeiten zutage. Der Abgeordnete Wolfram Prieß bewarb sich spontan ebenfalls für den Co-Vorsitz, nachdem Fabio Reinhardt überraschend zurückgezogen hatte. "Das sieht wie ein abgekartetes Spiel aus", kritisierte Prieß. "Um die Farce der Wahl abzulindern und eine demokratische Wahl daraus zu machen, bewerbe ich mich."

Der 33 Jahre alte Baum hatte die im Oktober 2011 ins Abgeordnetenhaus eingezogenen Piraten bislang allein geführt. Der Industrieelektroniker erhielt 12 Ja- und eine Nein-Stimme. Baum wird die Fraktion künftig hauptsächlich nach innen führen. "Ich sehe meine Stärke in einer ausgleichenden Moderation", sagte er.

Ihm zur Seite steht künftig Lauer. Der ehemalige Physik- und Technikstudent (28) setzte sich gegen Mitbewerber Prieß (46) durch. Lauer erhielt 10 von 14 gültigen Stimmen, auf Prieß entfielen 6 Stimmen. Doppelnennungen waren möglich. Der eloquente Lauer, der bereits Gast in zahlreichen Talkshows war, wird künftig "die Positionen der Piratenpartei und -fraktion nach außen vertreten in einer hoffentlich halbwegs verständlichen Form", wie er sagte.

Zuvor hatte die Piratenfraktion die neue Doppelspitze in ihre Satzung geschrieben. Der Vorstand besteht nun aus zwei Vorsitzenden und dem Parlamentarischen Geschäftsführer. Die drei Stellvertreter wurden abgeschafft.

Der ebenfalls für den Fraktionsvorsitz gehandelte Fabio Reinhardt zog seine Kandidatur in der Sitzung mit der Bemerkung zurück: "Es gibt andere Kandidaten, denen das wichtiger ist." Das war als Anspielung auf Lauer gemeint, der bereits vor knapp einem Jahr für den Posten kandidiert hatte und dabei Baum unterlag. Prieß bezeichnete das "restliche Kandidatenfeld" nach dem Rückzug Reinhardts als "enttäuschend", da es keine Wahlmöglichkeit mehr gebe.

Mögliche Reibereien in der Fraktion waren zuvor auch schon bei der Wahl zum Parlamentarischen Geschäftsführer sichtbar geworden. Hier zog der Abgeordnete Gerwald Claus-Brunner überraschend seine Kandidatur zurück. "Heiko kann das besser", sagte Claus-Brunner, der als Latzhosenträger mit Palästinensertuch bekanntgeworden ist. Gewählt wurde dann Heiko Herberg. Der 25 Jahre alte Jurastudent erhielt 11 von 14 Stimmen, drei Abgeordnete votierten gegen Herberg.

Er löst Martin Delius ab, der das Amt am Mittwoch aufgegeben hatte. Er soll nach dem Willen der Fraktion den Vorsitz in dem geplanten Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Flughafen-Desasters übernehmen. Delius löst auch Simon Kowalewski im Präsidium des Abgeordnetenhauses ab.

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