Vier-Augen-Gespräch

Stöß und Henkel treffen sich zum Berliner Geheimgipfel

Beinahe ein Staatsgeheimnis: Berlins neuer SPD-Chef Stöß und der CDU-Vorsitzende Henkel sind zu einem ersten Gespräch zusammengetroffen

Es wurde behandelt wie ein Staatsgeheimnis: Abgeschirmt von den Medien haben sich der neue Berliner SPD-Chef Jan Stöß und der CDU-Vorsitzende Frank Henkel am Mittwochnachmittag getroffen. Es war das erste Vier-Augen-Gespräch der beiden Parteivorsitzenden der rot-schwarzen Regierungskoalition.

Henkel, der mit Stöß-Vorgänger Michael Müller vertrauensvoll zusammengearbeitet hatte, wollte den Partei-Linken nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa persönlich kennenlernen. Stöß hatte Müller vor zehn Tagen in einer dramatischen Kampfabstimmung an der Spitze der Berliner SPD abgelöst.

Über die Ergebnisse des gut einstündigen Gesprächs drang von beiden Seiten so gut wie nichts nach außen. Stöß sprach anschließend von einem „freundlichen und konstruktiven Gespräch“. „Es steht fest, dass die Koalition weiter sehr gut zusammenarbeiten wird“, sagte er.

Ein potenzielles Streitthema zwischen den Koalitionsparteien ist die am Dienstag vom Senat beschlossene Teilausschreibung des S-Bahn-Netzes. Stöß und große Teile der SPD wie der SPD-Fraktion sind gegen eine Teilprivatisierung der S-Bahn. Sie möchten wie bisher das Gesamtnetz an einen Betreiber vergeben. Die CDU ist für mehr Wettbewerb durch die Ausschreibung von Teilstrecken. Die Union drückte im Koalitionsvertrag durch, dass dies umgesetzt wird, wenn alle anderen Varianten geprüft wurden und nicht realisierbar sind.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte persönlich Druck gemacht, um den Beschluss zur Ausschreibung des Betriebs der S-Bahn auf dem vielbefahrendsten Drittel ihres Streckennetzes noch vor der Sommerpause zu fällen.