Neuer Vorschlag

Berliner ICC soll zur Zentralbibliothek werden

Über die Zukunft des sanierungsbedürftigen Gebäudes wird seit Jahren gestritten. Jetzt gibt es einen neuen Vorschlag aus den Reihen der CDU.

Mit einem Vorschlag, der der klammen Berliner Haushaltskasse Einsparungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro ermöglichen soll, hat sich der Finanzexperte der CDU im Abgeordnetenhaus jetzt aus der Deckung gewagt. Christian Goiny will das Internationale Congress Centrum (ICC) in Charlottenburg zum Standort für die neue Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) umfunktionieren. „Damit hätten wir zwei teure Probleme auf einen Schlag gelöst“, wirbt der Politiker für seine Idee.

Goiny ist überzeugt, dass der von ihm entwickelte Kompromissvorschlag überhaupt erst die Chance bietet, beide Bauvorhaben in absehbarer Zeit zu realisieren. Denn sowohl ICC-Sanierung als auch ZLB-Neubau sind zwar im Koalitionsvertrag der rot-schwarzen Landesregierung verabredet, in der Investitionsplanung des Senats jedoch bislang nicht abgesichert. Die neue Zentral- und Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld soll demnach nach ersten Schätzungen rund 270 Millionen Euro kosten. Die aktuellste Prognose für die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) am Messedamm geht von mindestens 300 Millionen Euro aus.

„Weil aber kein Geld da ist, drohen beide Projekte auf die lange Bank geschoben zu werden“, sagt Goiny. Rechtzeitig vor den im Herbst anstehenden Investitionsplanungen wolle er deshalb anregen, „ernsthaft und seriös zu prüfen“, ob nicht eine Kombination beider Bauvorhaben die Lösung sein kann. „Wenn wir auf den Neubau der Bibliothek in Tempelhof verzichten, können die 270 Millionen Euro in das ICC fließen“, rechnet Goiny vor. Bislang stehen im Haushalt für die ICC-Sanierung jedoch lediglich 182 Millionen Euro bereit, obwohl jüngste Gutachten von 300 bis 330 Millionen Euro ausgehen. Nach den Planungen des Senats sollen die Bauarbeiten am futuristischen „Raumschiff“ aus den 70er-Jahren 2014 beginnen. Dafür soll das Gebäude am Messedamm zeitweise geschlossen werden.

Reichlich Platz für Bücher

„Da die Messegesellschaft aber ohnehin schon signalisiert hat, das Haus sei auch nach der Sanierung für sie nicht wirtschaftlich zu betreiben, ist die Suche nach einer neuen Nutzungsart ohnehin sinnvoll“, findet Goiny. Die Messe Berlin hat sich bereits Alternativpläne überlegt. So sprach sich Geschäftsführer Raimund Hosch wiederholt für den Bau einer Mehrzweckhalle aus, die nach seinen Angaben rund 45 Millionen Euro kosten würde. Das ICC wäre damit jedoch überflüssig und könnte abgerissen werden. „Ganz abgesehen von der Städtebaulichen Bedeutung des ICCs wäre das die schlechteste Lösung“, so der CDU-Finanzexperte. Dadurch würden Berlin Abrisskosten in Höhe von 150 bis 180 Millionen Euro entstehen, „die keinen Mehrwert schaffen“. Viel besser sei es dagegen, das Haus für die dringend benötigte ZLB umzufunktionieren.

Das 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe Gebäude zählt mit seinen 80 Sälen mit einer Größe von 20 bis 5000 Plätzen zu den größten Kongresszentren der Welt. „Der große Saal 1 könnte als Lesesaal dienen, im Keller gibt es reichlich Platz für die Bücher und in den vielen anderen Räumen könnte die Bibliothek Seminarveranstaltungen, Büros und ähnliches unterbringen“, so Goiny.

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