Prozess in Berlin

17-Jährigen aus Wut ins S-Bahn-Gleisbett gestoßen

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Foto: ullstein - Raupach

Ein Zeitsoldat hat einen 17-Jährigen am S-Bahnhof Friedrichstraße ins Gleisbett gestoßen - weil er seine Kraft nicht unter Kontrolle hatte.

Der S-Bahn-Schubser hat gestanden: „Ich habe ihn gestoßen. Aber ich hatte nicht die Absicht, ihn zu töten“, sagte der 20-Jährige am Donnerstag vor dem Landgericht Berlin. Der Zeitsoldat ist wegen versuchten Mordes angeklagt. Er soll nach einem Streit im Dezember vergangenen Jahres einen 17 Jahre alten Schüler auf dem S-Bahnhof Friedrichstraße von hinten mit „beiden Händen und mit großer Wucht“ vor eine einfahrende S-Bahn gestoßen haben.

Der Anklage nach konnte der Tod des Jugendlichen nur durch das Eingreifen eines Passanten und das schnelle Reagieren des Zugführers verhindert werden. Nach einer Notbremsung kam die S-Bahn 15 Meter vor dem im Gleisbett liegenden Jugendlichen zum Stehen. Der 17-Jährige kam mit einer Gehirnerschütterung, Platzwunden und Prellungen davon.

Aus Wut weggestoßen

Den einfahrenden Zug hatte der 20-Jährige nach seinen eigenen Angaben weder gehört noch gesehen. Erst „nach dem Schubser“ habe er gesehen, dass eine Bahn kommt. Er sei wütend gewesen, weil er geglaubt habe, dass der 17-Jährige seinen Freund schlagen wollte, sagte der Angeklagte. Der 1,93 Meter große Bundeswehrsoldat fügte hinzu, er habe wieder einmal seine Kraft nicht kontrollieren können.

Der Angeklagte und das spätere Opfer hatten sich am Abend in einer Diskothek kennengelernt. Weil der 17-Jährige einen Freund des Soldaten angeblich angespuckt habe, sei es bereits in einem Imbiss am Bahnhof Zoo zu „gegenseitigen Beleidigungen“ gekommen. Auf dem S-Bahnhof Friedrichstraße trafen sich die Kontrahenten wieder.

Freund wollte Angeklagten von der Tat abhalten

Dem Angeklagten zufolge ging der Streit auf dem Bahnhof weiter, nachdem er den 17-Jährigen auf dessen „respektloses“ Verhalten angesprochen hatte. Schließlich habe das spätere Opfer ihm in den Nacken gespuckt, als er in die Bahn einstieg und sich die Türen schlossen. Daraufhin sei er am nächsten S-Bahnhof ausgestiegen und zurückgefahren. Sein Freund hätte noch versucht, ihn davon abzuhalten, sagte der Angeklagte. Gehandelt habe er aus „einem Impuls heraus“.

In einem Brief hatte sich der 20-Jährige vor dem Prozess bei dem Jugendlichen entschuldigt. Der Prozess wird am 4. Juni fortgesetzt.