Trotz Verrat

Großrazzia gegen Berliner Hells Angels dauert an

Ein Großeinsatz gegen die Berliner Rocker ist verraten worden. Am Mittwochmorgen durchsuchten dennoch 550 Polizisten Räume der Hells Angels.

Etwa 550 Polizisten aus Berlin und Spezialeinsatzkommandos aus anderen Bundesländern durchsuchen seit Mittwochmorgen etwa 30 Wohnungen von Rockern sowie Vereinslokale des Milieus in Berlin durchsucht. Vorangegangen war ein Verbot der Hells Angels-Untergruppe Berlin City durch die Senatsinnenverwaltung.

Zunächst war nach Angaben der Polizei ein Vereinslokal in der Residenzstraße in Reinickendorf durchsucht worden. Den dort anwesenden Vereinsmitgliedern war die Verbotsverfügung ausgehändigt worden.

Bis zum Vormittag seien Mobiliar, zahlreiche Messer und acht Motorräder beschlagnahmt worden, sagte ein Polizeisprecher. Sämtliche Motorräder, die auf dem Gelände standen, seien als Vereinsvermögen gewertet und deshalb mitgenommen worden.

Die Aktion verlaufe ohne Störungen und dauere weiter an, so der Sprecher. Die Bundespolizei soll sich indes um die Gegner der Hells Angels kümmern: Nach Informationen von Morgenpost Online sind 100 dänische Bandidos auf dem Weg nach Berlin. Sie kommen entweder mit der Fähre in Rostock an oder über Schleswig-Holstein. Die Bundespolizei ist alarmiert und soll diese abfangen.

Einsatz verraten

Der ursprünglich für Mittwochmorgen geplante Großeinsatz war vorgezogen worden, nachdem möglicherweise aus Polizeikreisen Informationen darüber durchgesickert waren. Rund 50 Polizeibeamte hatten bereits am späten Dienstagabend damit begonnen, Beweise und Vermögensgegenstände sicherzustellen. Den im Vereinshaus anwesenden Mitgliedern der Rockergruppe wurde mitgeteilt, dass das "Charter" Berlin City, die Unterabteilung der Hells Angels, nun verboten ist.

Weil allerdings der Einsatz an die Rocker verraten worden war, hatten sich die "Hells Angels Berlin City" bereits am Dienstagnachmittag aufgelöst, um letzten Endes einem Verbot zu entgehen. Die Schilder mit Schriftzügen und Vereinslogo wurden abmontiert, die Mitglieder der Rockergruppe tragen nun nicht mehr die Tracht der Hells Angels, Lederweste mit Aufnähern ("Kutte"), sondern weiße T-Shirts.

Dazu haben sich weitere Anhängergruppen der Hells Angels aufgelöst, namentlich die Brigade 81 East District und die Brigade 81 Köpenick, Berlin City MC 81 und Berlin City Crew 81 wie die Hells Angels via Internet mitteilten. Aufgelöst haben sich auch mehrere Untergruppen des mit den Hells Angels verfeindeten Rockerclubs Bandidos - die Mitglieder liefen zu den Hells Angels über. Zuletzt hatten sich beide Clubs in der Hauptstadt immer wieder teils heftige Auseinandersetzungen geliefert.

„Wir müssen leider davon ausgehen, dass Personen aus den eigenen Reihen gegen Geld Informationen an diese Verbrecher weitergegeben haben. Das ist nicht nur gefährlich für die Ermittlungen, sondern vor allem für die Beamten, die bei Einsätzen ihr Leben riskieren“, sagte ein Polizeiführer - das sei "eine Schande" für die Berliner Polizei.

Ob tatsächlich und auf welche Weise Informationen über geplante Razzien und Verbote von der Polizei nach außen gedrungen sein könnten, wird nun geprüft. Sollten sich entsprechende Hinweise verdichten, wird polizeiintern wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen und der Strafvereitelung im Amt ermittelt werden

Verbotsverfügung vergangene Woche unterzeichnet

Ein Verbotsverfahren gegen die Hells Angels war in Berlin bereits seit längerer Zeit geprüft worden. Nachdem ein Gericht das Verbot bestätigt hatte, unterzeichnete Innensenator Frank Henkel (CDU) vergangene Woche die Verbotsverfügung und veranlasste den Polizeieinsatz.

Zuletzt gab es auch in Norddeutschland großangelegte Aktionen gegen die Rocker. Rund 1200 Beamte durchsuchten in Kiel, Hannover und Hamburg Bordelle, Kneipen und Wohnungen. In der Nähe von Bottrop in Nordrhein-Westfalen war am Dienstag ein Mitglied der mit den Hells Angels konkurrierenden Bandidos erschossen worden.

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