Plagiatsverdacht

Berliner CDU stellt sich hinter ihren Fraktionschef Graf

Fehler bei seiner Dissertation hat Florian Graf bereits eingeräumt. Parteikollegen stärken ihm trotz der Vorwürfe den Rücken.

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Die Debatte um die Rückgabe des Doktortitels von Berlins CDU-Fraktionschef Florian Graf hatte noch nicht einmal richtig begonnen, da erklärte sie CDU-Landeschef Frank Henkel auch schon für beendet. Graf genieße seine volle Unterstützung, sagte Henkel. Am Donnerstag, 3. Mai, will die CDU-Fraktion auf einer Sondersitzung die Vertrauensfrage stellen. Bereits im Voraus bekommt der 38-Jährige viele Sympathiebekundungen.

„Ich zolle Florian Graf hohen Respekt dafür, dass er so schnell und konsequent gehandelt hat“, sagt CDU-Generalsekretär Kai Wegner. Er kenne ihn als einen ruhigen, analytischen und exzellenten Politiker und gehe davon aus, dass Graf am Donnerstag eine breite Unterstützung bekomme und im Amt bleibe. Daraufhin angesprochen, dass der Fraktionschef erst reagiert habe, nachdem die Uni Potsdam eine Prüfung wegen des Plagiatsverdachts veranlasste, sagte Wegner: „Florian Graf hat einen Fehler gemacht.“ Als das Thema hochgekommen sei, habe er sofort die Vorwürfe überprüft und den Schnitt gemacht. „Ich kenne wenig Leute, die so integer sind und soviel Anstand haben wie Florian Graf“, so Wegner.

Florian Grafs Geradlinigkeit unterstrich auch Frank Steffel. Er sei überrascht gewesen und könne es sich nicht erklären, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Generell sollte sich die CDU aber mit Rücktritten zurückhalten.

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe hatten sich beide Stellvertreter hinter Graf gestellt. Sowohl Cornelia Seibeld als auch Stefan Evers ließen keinen Zweifel daran, dass Florian Graf das Vertrauen ausgesprochen werde.

Auch der Koalitionspartner SPD zeigte sich solidarisch. Fraktionschef Raed Saleh erklärte: „Ich habe Respekt vor diesem ausreichenden Schritt des Fraktionsvorsitzenden Florian Graf, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite.“ Ähnlich äußert sich der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Benedikt Lux. Auch er zollte Florian Graf am Sonnabend „Respekt, dass er von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen ist“. Allerdings müsse er den Widerspruch zwischen seiner Darstellung und der Darstellung der Universität Potsdam auflösen und sich klar zu den Plagiatsvorwürfen äußern, sagte Lux.

Florian Graf hatte am Freitag die Universität Potsdam um Aberkennung des Doktortitels ersucht. Die Hochschule hatte ihn vorab um Stellungnahme zu einem Plagiatsverdacht gebeten.

Berlins CDU kann sich keinen weiteren Skandal mehr leisten. Nach dem Rücktritt von Justizsenator Michael Braun musste der Pankower Kreischef Dirk Stettner im Januar einräumen, dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen Betrugs, Insolvenzverschleppung und Vorenthaltung von Sozialleistungen beim Amtsgericht Tiergarten eröffnet wurde.