Sternfahrt

Berlins Taxifahrer boykottieren die Flughäfen

Rund 2500 Taxifahrer haben Fahrgäste an den Schönefeld und Tegel stehen lassen und sind zur Kundgebung ans Brandenburger Tor gefahren.

Foto: DAPD

Mit Sternfahrten und Boykottaktionen haben am Montag rund 2500 Berliner Taxifahrer gegen die unterschiedlichen Fahrpreise von und zum neuen Hauptstadtflughafen protestiert. Am Hauptbahnhof und an den Flughäfen Tegel und Schönefeld nahmen sie stundenlang keine Fahrgäste auf.

Mit Sternfahrten quer durch die Stadt zu einer zentralen Kundgebung am Brandenburger Tor legten sie teilweise den Verkehr lahm. Es kam zu langen Staus im Umfeld der Protestrouten. Fluggäste mussten in Tegel und Schönfeld länger auf ein Taxi warten.

Lange Schlangen in Tegel und Schönefeld - Normalbetrieb am Hauptbahnhof

Um 08.30 Uhr begann der Boykott in Tegel und Schönefeld. Es bildeten sich dort lange Schlangen von Fahrwilligen, denn nur wenige Taxis nahmen noch Fahrgäste auf.

In Tegel waren am Morgen besonders Geschäftsreisende von dem Taxistreik überrascht worden. Dutzende Leute warteten auf die wenigen Taxis, die noch verkehrten – vor allem mit Brandenburger Kennzeichen. Das Service-Personal am Flughafen bat Flugreisende auf Busse auszuweichen.

Doch mit Beginn der Taxisternfahrt um 9 Uhr kamen neben Taxis auch die Busse nicht bis Tegel durch, beide nutzen normalerweise die gleiche Spur. Vor dem Flughafen Tegel bildeten sich lange Schlangen bei der Bus-Abfahrt. Und an den Taxiständen wuchsen die Warteschlangen zwischenzeitlich auf insgesamt mehr als 100 Reisende an.

Von 10 Uhr an sollten auch die Taxis am Hauptbahnhof keine Fahrgäste mehr befördern. Doch dort beteiligten sich nur wenige Fahrer an der Aktion. Lange Schlangen am Taxistand blieben zunächst aus. Die Taxiverbände hatten zuvor erwartet, dass sich etwa die Hälfte der 7600 Berliner Taxen an den Aktionen beteiligt.

Taxifahrer fordern einen Fahrpreis für ein und dieselbe Leistung

Nach einem Kompromiss zwischen Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald gilt von Berlin nach Schönefeld der Berliner Tarif, vom Flughafen in die Stadt der teurere des Landkreises. Der Taxi-Protest richtet sich aber auch gegen die Service-Gebühr von 1,50 Euro, die ein Dienstleister den Fahrern in Schönefeld pro Fahrgast abnehmen soll.

„Wir fordern einen Fahrpreis für ein und dieselbe Leistung. Mit rund 12.000 Beschäftigten sind wir ein wichtiger wirtschaftlicher Teil Berlins, dem ist Rechnung zu tragen“, sagte der Vorsitzende des Berliner Taxigewerbes, Uwe Gawehn, bei der Kundgebung am Brandenburger Tor. Seine Branche wehre sich gegen das „Diktat des Flughafens“. Der Vorsitzende des Verbandes Taxi Deutschland, Stephan Berndt, ergänzte: „Wir müssen das Preischaos unseren Kunden im Auto erklären. Das kann nicht sein. Wir sind in der Lage unsere Dienstleistungen selber zu organisieren.“

Senat will mit Brandenburg verhandeln

Der Berliner Senat will unterdessen in weiteren Verhandlungen mit Brandenburg erreichen, dass Taxifahrten vom und zum neuen Flughafen gleich viel kosten. „Wir werden da nicht locker lassen“, sagte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) am Montag in der Industrie- und Handelskammer. „Wir alle auf Berliner Seite wollen mit Brandenburg zu einer Lösung kommen, aber ich kann es nicht erzwingen.“

Richard Leipold, der Vorsitzende der Berliner Taxivereinigung, kritisierte, die Kollegen würden einem Monopolisten ausgeliefert und ihre Fahrgäste auf dem Umweg der Servicepauschale an der Flughafenfinanzierung beteiligt.

Zudem bringe der unterschiedliche Tarif vom und zum Flughafen die Fahrer in Erklärungsnöte, sagte Leipold. „Was kann denn ein Berliner Regierender Bürgermeister gegen die unendliche Macht eines Landrats in Dahme-Spree ausrichten?“ Das sei Gästen aus Rom, Paris und New York nicht zu erklären.

S- und U-Bahnen lahm gelegt

Neben den Taxis blieben auch S- und U-Bahnen stehen. Signalstörungen im Bereich des Bahnhofs Lichtenberg sorgen auf den Linien S5, S7 und S75 für Verspätungen und Ausfälle, wie die S-Bahn Berlin GmbH mitteilte. Außerdem gibt es noch bis zum Dienstagmorgen Bauarbeiten auf dem Südring. Zwischen den Bahnhöfen Schöneberg und Bundesplatz fahren Busse statt Bahnen. Betroffen sind die Linien S41/S42, S45, S46 und S47.

Seit Montagmorgen ist auch die U-Bahnlinie U1 zwischen den Bahnhöfen Möckernbrücke und Wittenbergplatz wegen Bauarbeiten im Bahnhof Gleisdreieck bis zum 8. Juni unterbrochen. Auch hier fahren Busse. Weiterhin fahren Busse nach einem Wassereinbruch in der Leipziger Straße auf der Linie U2 zwischen Potsdamer Platz und Mohrenstraße.