Wasserpreise

Berliner Wasserbetriebe machen Millionengewinn

Das Ringen um die Wasserpreise geht weiter. Anteilseigner erhalten Millionen – die Preise für die Kunden sollen aber nicht sinken.

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Die Berliner Wasserbetriebe schütten in diesem Jahr 232 Millionen Euro Gewinn an die drei Anteilseigner aus. Gleichzeitig schließen sie weitere Preissteigerungen noch in diesem Jahr nicht aus. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Jörg Simon auf der Bilanzpressekonferenz der Wasserbetriebe am Dienstag.

Demnach erhalten die beiden privaten Investoren Veolia und RWE in diesem Jahr zusammen 124 Millionen Euro, das Land Berlin als Mehrheitseigentümer 108 Millionen Euro Gewinnabführung.

Derzeit verhandeln die Anteilseigner mit der Preisbildungsbehörde über die Wassertarife für das kommende Jahr. Zunächst war geplant, die Preise um durchschnittlich 2,9 Prozent anzuheben.

Inzwischen sind sowohl das Land Berlin als auch Veolia bereit, auf den Anstieg und den damit verbundenen Gewinnanstieg zu verzichten. RWE hat den Verzicht bislang nicht erklärt. Der Energiekonzern verhandelt seit einem Jahr mit dem Land über den Rückkauf seiner Anteile.

Bereits zwei Mal abgemahnt

Auch in den kommenden Jahren sehen die Wasserbetriebe kaum Spielraum für Preissenkungen. Da der Wasserverbrauch der Berliner seit Jahren zurückgeht, die laufenden Kosten des Unternehmens aber weitgehend gleich bleiben, sieht der Plan der Wasserbetriebe vor, die Preise in den kommenden drei Jahren stabil zu halten.

Damit wendet sich das Unternehmen gegen den Willen des Senates, der sinkende Preise anstrebt und das Bundeskartellamt, das die Berliner Wasserpreise für deutlich zu hoch hält und die Wasserbetriebe bereits zwei Mal abgemahnt hat. Die Wasserbetriebe bestreiten das und bezweifeln, dass das Kartellamt überhaupt zuständig ist.

Sollte das Kartellamt die Senkung des Wasserpreises anordnen, müssten die Wasserbetriebe auf 70 Millionen Euro Einnahmen verzichten. Simon kündigte daher Einsparungen an. Das Unternehmen werde weiter an der Effizienz arbeiten und Personal sozialverträglich abbauen.

Derzeit arbeiten 3800 Mitarbeiter für die Wasserbetriebe. Nach Angaben des Personalvorstandes Norbert Schmidt werden in fünf Jahren aber nur noch 1000 davon jünger als 50 Jahre alt sein. Deswegen seien Neueinstellungen nötig.

Berliner werden sparsamer

Zusätzlich zu den bestehenden Belastungen, sieht sich das Unternehmen mit Rückzahlungsforderungen der privaten Investoren konfrontiert, weil die Preise in den vergangenen Jahren falsch kalkuliert waren. Dabei geht es um mindestens 56 Millionen Euro. Die Rückzahlung des Betrages ist bereits teilweise Bestandteil der aktuellen Preiskalkulation, sagte Simon.

Trotz der bestehenden Schwierigkeiten sehen sich die Wasserbetriebe auf einem guten Weg. „Insgesamt glauben wir, dass das noch ein gutes Ergebnis ist“, sagte Simon zur Bilanz 2011. Belastet worden sei sie durch höhere Kosten für Energie und Personal sowie durch die Sparsamkeit der Berliner.

Das Unternehmen verkaufte nur noch 188,4 Millionen Kubikmeter Wasser, 4,6 Millionen Kubikmeter weniger als im Vorjahr. Der Umsatz der Wasserbetriebe sank im vergangenen Jahr leicht auf 1,19 Milliarden Euro (minus 0,6 Prozent). Das Unternehmen investierte rund 300 Millionen Euro in die Infrastruktur.

Wassertisch-Initiatoren kritisieren Bilanz

Seit der Wiedervereinigung hat sich der Wasserabsatz in Berlin nach Angaben der Wasserbetriebe halbiert, zunächst vor allem, weil Berlin einen Rückgang der Industrieproduktion von 70 Prozent zu verkraften hatte, danach wegen sparsamer Kunden und Wasser sparender Haushaltsgeräte.

Das stellt die Wasserbetriebe vor neue Herausforderungen, da weniger Wasserverbrauch einen steigenden Grundwasserspiegel nach sich zieht. „Wir betreiben drei Brunnen nur um den Grundwasserspiegel zu senken“, sagte Simon.

Die Initiatoren des Berliner Wassertisches kritisierten die vorgelegte Bilanz. „Die Bilanz der Wasserbetriebe bestätigte, dass die Abzocke der Berliner Wasserverbraucher weiter geht“, sagte Sprecher Thomas Rudek.

Auch der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen sieht die Wasserbetriebe auf dem falschen Weg. „Berlins Wasser vergoldet Wasserhähne, leider eben nur nicht die der Verbraucher“, sagte Vorstandssprecherin Maren Kern.