Untersuchung

Berliner Spielplätze werden immer gefährlicher für Kinder

Pilzbefall und morsches Holz: Der Zustand von Berliner Spielplätzen wird laut der Prüfgesellschaft Dekra für Kinder immer gefährlicher.

Foto: DAPD

Der Zustand von Berliner Spielplätzen wird nach einer Untersuchung der Prüfgesellschaft Dekra für Kinder immer gefährlicher. Eine neue Stichprobenuntersuchung in diesem Jahr ergab ein noch schlechteres Ergebnis als 2011. „Die Mängelquote im Vergleich zum Vorjahr ist dramatisch angestiegen“, berichtete der Sicherheitsexperte Frank Hoffmann von Dekra Industrial. Zur aktuellen Problemliste zählen gesplittertes Holz, hervorstehende Metallstäbe, Pilzbefall, defekte Seile, lockere Bodenhalterungen und morsche Holzbalken. „Schlecht gewartete Spielplatzgeräte stellen eine ernsthafte Gefahr für die Kinder dar“, sagte der Experte.

Waren im Vorjahr wenigstens noch zwei der zehn überprüften Spielplätze ohne Mängel, blieb bei der aktuellen sicherheitstechnischen Beurteilung kein einziger Kinderspielplatz ohne Beanstandung. Insgesamt wurden bei der Überprüfung auf den zehn Spielplätzen 62 Geräte, darunter 13 Kombigeräte, überprüft. Dabei wurden 73 Mängel festgestellt, 68 schwere und fünf geringe.

Im Vorjahr waren bei 49 überprüften Geräten 19 Mängel, davon zehn schwere und neun geringfügige, festgestellt worden. Damit ist die letztjährige Mängelquote von „nur“ 38,8 Prozent rein rechnerisch sprunghaft auf 117,7 Prozent angestiegen. Entsprechend dramatisch liest sich auch die aktuelle Mängelliste: Gesplittertes Holz, hervorstehende Metallstäbe, Pilzbefall, defekte Seile, lockere Bodenhalterungen, morsche Holzbalken, verschlissene Sitze, fehlende Absturzsicherungen, Zaunschäden, verunreinigte Randbereiche, zu große Fallhöhen und gefährliche Fingerfangstellen. Dekra-Sicherheitsexperte Frank Hoffmann wies im Zusammenhang mit den neuen Zahlen auf die Verkehrssicherungspflicht (§ 823 BGB) der Spielplatzbetreiber hin, die für den betriebssicheren Zustand zu sorgen hätten. Dies betreffe die regelmäßige Wartung, Inspektion und Beseitigung von Mängeln.

Für öffentliche Kinderspielplätze gelten nach den Angaben Hoffmanns noch strengere Maßstäbe. Die Ende 2008 erschienene europaweit geltende Norm „Spielplatzgeräte und Spielplatzböden“ (DIN EN 1176) verlange drei Arten von Inspektionen. Neben einer wöchentlichen Sichtkontrolle zum Erkennen offensichtlicher Gefahren müsse alle ein bis drei Monate eine Funktionskontrolle zur Überprüfung des Betriebs und der Stabilität durchgeführt werden. Ferner sei eine jährliche Hauptinspektion vorgeschrieben, die zur Beurteilung des allgemeinen betriebssicheren Zustands der Geräte diene.

Dekra hat die Untersuchungen der zufällig ausgewählten Spielplätze in unterschiedlichen Bezirken anonymisiert aus Marktforschungsgründen durchgeführt und wird die Ergebnisse nicht detailliert veröffentlichen. Bei akuten Gefährdungen informiert Dekra die zuständigen Betreiber. Dekra ist nach eigenen Angaben in mehr als 50 Ländern aktiv. Etwa 28.000 Mitarbeiter sorgen für Sicherheit, Qualität und Umweltschutz.

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