Konkurs

Grundstücke am Checkpoint Charlie werden versteigert

Im Mai kommen zwei Grundstücke an dem historischen Ort in Berlin-Mitte zwangsweise unter den Hammer. Der Eigentümer ist offenbar insolvent.

Zwei Filetgrundstücke am Checkpoint Charlie in Berlin-Mitte werden zwangsversteigert. Der irische Investor, dem die beiden Areale an der Friedrichstraße 205 und 47 – direkt am ehemaligen Grenzübergang der Alliierten – gehören, ist offenbar insolvent, berichtet die „BZ“. Die beiden Grundstücke kommen der Zeitung zufolge am 10. Mai 2012 unter den Hammer. Der Verkehrswert beider Gelände wird zusammen mit 14,3 Millionen Euro angegeben. Der Investor hatte geplant, Geschäftshäuser und ein Mauermuseum an dem historischen Ort zu errichten. Im Zuge der internationalen Finanzkrise war er jedoch in finanzielle Schieflage geraten und hatte sein Vorhaben mehrere Jahre verschoben. Nun folgt offenbar das endgültige Aus.

Die zukünftige Bebauung der beiden zentralen Grundstücke erregt die Öffentlichkeit seit Jahren. Mehrere Investoren hatten ihre Bereitschaft für ein Engagement erklärt, bis heute wurde jedoch keines der geplanten Projekte realisiert. Die Chefin des Museums am Checkpoint Charlie, Alexandra Hildebrandt, hatte zwischenzeitlich Mahnkreuze für die Maueropfer auf den Grundstücken aufgestellt, musste sie aber vor sieben Jahren entfernen, weil der Investor sein Bauvorhaben realisieren wollte. Später wurden die Mauertafeln angebracht, die den Besuchern die Geschichte und den Verlauf der Mauer auf erklärenden Schaubildern darstellen.

Zuletzt gab es wegen der Zwischennutzung mit Wurst- und Souvenirbuden auf dem Grundstück Friedrichstraße 205 Ärger. Kritiker sehen den gerade entstandenen „Freedom Park“ als ungeeignet an, an die Schrecken der Mauer zu erinnern.

Zumal das Geschäft in den vergangenen Tagen nur schleppend in Gang kam. Auch fünf Tage nach Eröffnung des Parks sind nur wenige der aufgestellten Buden tatsächlich besetzt, und das Interesse der Berlinbesucher ist gering. Trotz der Osterferien mit vielen Besuchern am Checkpoint Charlie ist das Provisorium kaum besucht. Zahlreiche Touristen zeigen sich enttäuscht, weil sie die Gestaltung des Platzes als trist und würdelos empfinden. Schon vor der Eröffnung war das Konzept der Anlage vielerorts in die Kritik geraten.

Auf dem anderen zur Versteigerung anstehenden Grundstück bot sich in den vergangenen Tagen ein anderes Bild. Auf dem Gelände hinter den Informationstafeln hat das Forum für Gegenwart und Geschichte ein noch als „Black Box“ bezeichnetes Museum errichtet, das Berlinern und Besuchern die Geschichte des ehemaligen Grenzübergangs nahebringen soll. Das Forum öffnet im Sommer, auf dem Vorplatz finden sich aber schon jetzt täglich zahlreiche Interessierte ein.

Die Berliner Landespolitik tut sich seit Langem schwer, eine geeignete Form für das Gedenken an die Alliierten in der Stadt zu finden. Der Checkpoint Charlie ist, abgesehen vom Mauermuseum, seit Jahren weitgehend eine Brache. Außerdem gibt es das Alliierten Museum in Zehlendorf, das aber abseits der Touristenströme liegt und sich nicht zum Besuchermagnet entwickelt hat. Und in Karlshorst existiert – ebenfalls eher unbeachtet – das Deutsch-Russische Museum, das sich mit der Sowjetunion als vierter alliierter Macht befasst. Ein Gesamtkonzept fehlt bislang.