Stadtgestaltung

Autoparkplätze sollen zu Fahrradstellplätzen werden

In Friedrichshain-Kreuzberg sollen Autoparkplätze zu Parkplätzen für Fahrräder werden. Anwohner sollen sich beteiligen.

Foto: David Heerde

Kreuzberg ist eine Hochburg für Radfahrer. Gegenüber 2001 hat sich der Radverkehr um mehr als 70 Prozent erhöht, in Mitte sogar um mehr als 80 Prozent. Doch wo stellen die Berliner und Hauptstadtgäste ihr Rad ab, wenn sie arbeiten, shoppen oder ins Café gehen? Meist auf dem Gehweg – zum Ärger der Passanten oder der Café-Gäste, die draußen an einem Tisch sitzen, oder der Mütter, die mit ihrem Kinderwagen nur knapp an den Rädern vorbeikommen.

Deshalb heißt die Strategie in Friedrichshain-Kreuzberg: Immer mehr Autostellplätze am Straßenrand sollen zum Parkplatz für Fahrräder werden. Zwei Prozent im Jahr – das ist die Forderung der Grünen. "Auf einen Autoparkplatz kann man sechs bis acht Fahrradbügel stellen", sagt Paula Riester, Vorsitzende der Grünen-Fraktion in der BVV. Die Fraktion hat jetzt sogar ein Pilotprojekt in der BVV beantragt. Die Radparkplätze sollen künftig auch noch begrünt werden – statt der Abgrenzung mit rot-weißen Warnschildern könnte ein Baum gepflanzt oder ein Blumenbeet angelegt werden. Diese Idee soll in einem Wettbewerb münden. Anwohner und Gewerbetreibende können künftig vorschlagen, wo in ihrer Straße ein Radparkplatz entstehen und wie er begrünt werden könnte.

Designer sollen mitwirken

Zunächst sind jedoch rechtliche und technische Voraussetzungen zu klären, denn die Stellplätze, auf denen vorher Autos parkten, befinden sich auf der Asphaltfahrbahn. "Sie müsste aufgebrochen werden, wenn man etwas pflanzen will", sagt Paula Riester. Ob das möglich ist, das soll jetzt Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) prüfen. Die Entwässerung der Flächen müsse funktionieren, sagt Panhoff. Es sei vorstellbar, Pflanzkübel als Begrenzung der Radstellplätze aufzubauen. "Die rot-weißen Schilder wirken wie ein Gefahrendesign." Der Antrag der Grünen für das Pilotprojekt wird jetzt im Verkehrsausschuss der BVV diskutiert. "Ich bin sicher, dass er angenommen wird", sagt Stadtrat Panhoff. Er möchte, dass Anwohner und Designer in die Diskussion zu den begrünten Stellplätzen einbezogen werden, etwa bei einem Workshop. "Man könnte kleine Modelle entwickeln, wie so ein Stellplatz aussehen soll." Die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg möchten, dass der erste begrünte Radparkplatz spätestens im Frühjahr 2013 eröffnet wird.

In Kreuzberg seien bereits mehrere Autoparkplätze zu Radstellplätzen geworden, sagt Paula Riester, etwa an der Adalbertstraße und an der Eisenbahnstraße. Bedarf gebe es auch im Boxhagener Kiez, an der Simon-Dach-Straße in Friedrichshain und im Wrangelkiez in Kreuzberg. Auf jeden Fall werde es weitere Radstellplätze an der Bergmannstraße geben, sagt Riester. Sie sollen vor allem nahe den Kreuzungen entstehen. "Kinder, die die Straße überqueren, können oft nicht über ein parkendes Auto hinwegsehen", sagt Riester. "aber Fahrräder sind niedriger". Eine Idee, die auch der ADFC Berlin begrüßt, "weil Autos oft Kreuzungen zuparken", sagt Landesgeschäftsführer Philipp Poll. Die Idee, Blumenkübel statt der großen, rot-weißen Warnbaken aufzustellen, "ist zu begrüßen", sagt Poll. Immer mehr Radstellplätze seien in der Stadt entstanden. "Da, wo man einkauft, und da, wo Berufspendler ankommen."

Zum Beispiel am S-Bahnhof Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. 25 Kfz-Stellplätze seien mit Fahrradbügeln versehen worden, sagt Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Weitere Fahrradstellplätze würden am S-Bahnhof geschaffen, außerdem an der Gneiststraße und an der Greifenhagener Straße. Diese Stellplätze zu bepflanzen, hält Kirchner für eine gute Idee. "Die Stadt muss bunter werden", sagt er. Allerdings müssten sich auch Anwohner oder Initiativen finden, die Blumenkübel oder Beete zu pflegen. Dies könne durch einen Kooperationsvertrag geregelt werden, meint Kirchner, so wie an der Oderberger Straße, wo ein Verein eine kleine Grünfläche pflegt.

In Mitte dagegen ist es nicht vorgesehen, Fahrradparkplätze auf der Straße zu schaffen. "Fahrradbügel werden auf dem Gehweg installiert", sagt Stadtentwicklungsstadtrat Carsten Spallek (CDU). "Wir werden die ohnehin schon knappen Autoparkplätze nicht reduzieren, schon gar nicht in den Parkzonen." Es habe Anregungen gegeben, dies in der Spandauer Vorstadt zu tun, "aber auf den Straßen dort ist es dafür zu eng". Geprüft werde jedoch eine Ausnahme an der Thusnelda-Allee in Moabit.

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