Berliner Forschungszentrum

Atomkraftgegner protestieren gegen Wannsee-Reaktor

Atomkraftgegner haben am Sonnabend in Berlin und Potsdam gegen den Wiederinbetriebnahme des Berliner Forschungsreaktors in Wannsee demonstriert. Sie forderten die Anlage endgültig stillzulegen.

Gegen den Weiterbetrieb des Forschungsreaktors in Berlin-Wannsee haben am Sonnabend Atomkraft-Gegner in Potsdam und in der Hauptstadt demonstriert. Sie forderten, die seit Herbst 2010 abgeschaltete Anlage nicht wieder anzufahren und endgültig stillzulegen. Mit Fahnen, Tonnen und Schildern markierten die Mitglieder eines Anti-Atom-Bündnisses nach eigenen Angaben die Grenzen der Evakuierungssperrzone, die im Falle einer Kernschmelze gelten würde. Von deren Folgen, einer radioaktiven Verstrahlung, wären nach ihrer Einschätzung einige hunderttausend Menschen in ganz Potsdam und im südlichen Berliner Stadtgebiet betroffen.

Nach jüngsten Aussagen der Senatsverwaltung soll der Reaktor des Berliner Helmholtz-Zentrums voraussichtlich noch im März wieder in Betrieb gehen. Laut einem Gutachten von Ende 2011 hat er einen „Stresstest“ bestanden. Die Anlage war 2010 planmäßig abgeschaltet worden. Unter anderem musste ein Strahlrohr ausgetauscht werden, das Neutronen zu Experimentierstationen leitet. Der Mini-Reaktor ist schon von seiner Größe nicht mit einem Atomkraftwerk zu vergleichen. Die Kernspaltung erfolgt hier allein zu Forschungszwecken, nicht zur Energiegewinnung. Vorwürfe wegen angeblicher Mängel haben Betreiber und Berliner Senat in der Vergangenheit immer wieder zurückgewiesen.

Eine Sprecherin des auch von der Linken unterstützten Anti-Atom-Bündnisses in Potsdam nannte den Weiterbetrieb hingegen „unverantwortlich“. Aus Sicht des Bündnisses handelt es sich um die „störanfälligste Atomanlage in Deutschland“. Es gebe einen Riss im Kühlsystem, am heißen Reaktorkern seien ungeeignete Materialien verbaut, es fehle eine Schutzhülle und es bestehe das Risiko eines Flugzeugabsturzes. „Keine andere deutsche Großstadt duldet so etwas auf ihrem Stadtgebiet!“, heißt es in einer Presseerklärung. Die nach Veranstalterangaben jeweils rund 100 Kundgebungsteilnehmer in Potsdam und Berlin skandierten „Abschalten!“; auf Schildern und Fahnen stand zu lesen „Atomhauptstadt Berlin“ oder auch „Atomkraft nein danke“.