Berliner Flughäfen

Warnstreiks könnten BER-Zeitplan betreffen

Die Gewerkschaft Ver.di hat "ganz kurzfristig" Warnstreiks für die Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel angekündigt. Ein Arbeitskampf würde auch den bereits laufenden Probebetrieb des Großstadtflughafens BER betreffen.

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Flugpassagiere müssen sich wegen der angekündigten Warnstreiks an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld auf erhebliche Behinderungen einstellen. Die Gewerkschaft Ver.di erklärte am Dienstag, im laufenden Tarifstreit über die Bezahlung der 1500 Beschäftigten des Bodendienstleisters GlobeGround „ganz kurzfristig“ zu Arbeitsniederlegungen aufzurufen. „Die Tarifkommission hat mit überwältigender Mehrheit beschlossen, dass es in naher Zukunft zu Arbeitskampfmaßnahmen kommen wird“, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Jens Gröger. Einen Termin wollte er genauso wenig nennen wie eine Präzisierung des Begriffs „kurzfristig“. GlobeGround erbringt an den beiden Berliner Flughäfen etwa 80 Prozent aller Leistungen zur Abfertigung von Passagieren und Gepäck.

Im schlimmsten Fall könnten die angedrohten Streiks beim Bodenpersonal laut Ver.di sogar Auswirkungen auf den bereits laufenden Probebetrieb des neuen Hauptstadtflughafens BER, bei dem unter anderem die Passagier- und Gepäckabfertigung geübt wird, haben.

Nach sechs Verhandlungsrunden hatte der Flughafendienstleister GlobeGround als Arbeitgeber am Sonnabend nach Angaben der Gewerkschaft ein „komplexes Regelwerk“ übergeben, das den Entwurf eines Manteltarifvertrags, eines Vergütungstarifvertrags und eines Sicherungstarifvertrags enthielt. Die Ver.di-Tarifkommission bezeichnete das Angebot allerdings als unzumutbar und wies es als „nicht verhandelbar“ zurück. Das Angebot beinhalte zwar Einkommensverbesserungen für einige Mitarbeiter, diese seien aber gleichzeitig an eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für alle gekoppelt. Diese sollen unter anderem auf freie Tage als Ausgleich für die regelmäßige Arbeit in den Nächten und an Wochenenden verzichten. Zugleich sollen sie sich bei den Arbeits- und Pausenzeiten flexibler zeigen.

GlobeGround-Geschäftsführer Bernhard Alvensleben sagte dazu: „Wir sind uns bewusst, dass unser Vorschlag in Teilen auch einen Verzicht darstellt. Wir fordern die Tarifkommission auf, gemeinsam mit uns eine zukunftsfähige und nachhaltige Gesamtlösung umzusetzen – dies ist nur auf dem Verhandlungsweg möglich.“

Die Gewerkschaft begründete ihren Entschluss zu kurzfristig anberaumten Warnstreiks damit, den Einsatz von Streikbrechern verhindern zu wollen.

Ver.di fordert vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate und erwartet nun ein verbessertes Angebot des Arbeitgebers. Sollte es dies nicht geben, könne es auch zu längeren Arbeitsniederlegungen kommen. Sollten die Verhandlungen scheitern, will die Gewerkschaft in einer Urabstimmung über einen unbefristeten Ausstand abstimmen lassen.

Die GlobeGround-Geschäftsführung kündigte ihrerseits an, sich mit Personalverstärkungen und Ersatzeinsatzplänen auf mögliche Streiks vorzubereiten, um Störungen für Passagiere und Fluggesellschaften so gering wie möglich zu halten. Eventuelle Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr aufgrund von Warnstreiks könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Am heutigen Mittwoch gehen auch die Tarifverhandlungen für die 12500 Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe weiter. Die Beratungen würden mit „offenem Ausgang“ fortgesetzt, sagte ein Ver.di-Sprecher. Warnstreiks seien weiterhin nicht ausgeschlossen. Die Beschäftigten hatten vor eineinhalb Wochen ganztägig die Arbeit niedergelegt, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Ver.di lehnt die bisherigen offiziellen Angebote der Arbeitgeber als unzureichend ab. Die Gewerkschaft fordert einen „Inflationsausgleich und ein kleines Plus“. Aus Verhandlungskreisen gibt es inzwischen Signale, dass es inzwischen eine Annäherung bei den Positionen gibt.

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