Berliner Nahverkehr

Warum die Ticketpreise ständig steigen sollen

Die Fahrpreise für U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn und Bus sollen sich an der Inflation orientieren. Das sieht ein Plan von Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) vor. Die Koppelung schaffe „Planungssicherheit" für die BVG.

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Die Fahrpreise in Berlins öffentlichem Nahverkehr sollen künftig in regelmäßigen Abständen steigen. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) stellte im Gespräch mit Morgenpost Online ein neues System vor, nach dem sich Tarifsteigerungen an den Lebenshaltungskosten orientieren sollen. „Wichtig ist, dass wir rauskommen aus einer Jahr für Jahr geführten, aufgeregten politischen Diskussion“, sagte Müller. „Ein indexorientiertes Preissystem gibt den Verkehrsunternehmen wie der BVG Planungssicherheit.“

Bisher stellt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) für die unter seinem Dach vereinten Verkehrsunternehmen – darunter auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin – einen Antrag auf Tarifanpassungen, den die Landesregierungen beider Länder als Aufsichtsbehörden genehmigen.

Nach knapp drei Jahren ohne Erhöhungen waren die Ticketpreise zuletzt zum 1. Januar 2011 gestiegen. Die Einzelfahrkarte AB kostet seitdem 20 Cent mehr, nämlich 2,30 Euro. Auch für dieses Jahr plant der Verkehrsverbund mit Verweis auf die stark steigenden Energiepreise eine „Tarifmaßnahme“.

Die Fahrentgelte sollen zum 1. August 2012 um durchschnittlich knapp drei Prozent steigen. Unter anderem soll sich der Preis für einen Einzelfahrschein in Berlin dann um zehn Cent auf 2,40 Euro erhöhen. Aber auch andere Fahrausweise sowie Monats- und Jahreskarten sollen dann teurer werden. Der VBB-Aufsichtsrat berät am 15. März über die neuen Tarife.

Nach Müllers Vorschlag würde dieses Prozedere künftig entfallen. Das hätte vor allem den Vorteil, dass die Politik als letzte Instanz bei den Preissteigerungen nicht einem ständigen Druck von Interessengruppen ausgesetzt wäre. Zudem bemühten sich die Parteien in der Vergangenheit immer wieder, die politisch unangenehme Debatte möglichst nicht vor anstehenden Wahlen stattfinden zu lassen.

Müller sprach von einer „Verstetigung der Fahrpreise auf einer neutralen Basis“. In den Preisindex sollen auch die Energiepreise mit einfließen. Zuletzt musste die BVG steigende Kosten für die Beschaffung von Dieselkraftstoff und Strom von über 16 Prozent verkraften.

Um solche Entwicklungen aufzufangen, will Müller einen Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre bei den Lebenshaltungskosten als Grundlage für die Berechnung der automatischen Tarifsteigerungen heranziehen. Im vergangenen Jahr stiegen die Verbraucherpreise um 2,3 Prozent.

„Natürlich muss die BVG auch an Rabattaktionen für Stammkunden denken“, sagte Müller unter Verweis darauf, dass die Erhöhung nicht auf alle Fahrkarten gleichmäßig draufgeschlagen werden soll. Er wolle nun diesen Vorschlag in den Gremien von BVG und VBB diskutieren. Zugleich müsse es ein Vetorecht der Politik geben, zum Beispiel bei dramatischen Ereignissen in der Wirtschaft oder der Lohnentwicklung.

Auch andere Verkehrsunternehmen in Deutschland hätten eine solche Regelung, so Müller. In Berlin würden auch die Wasserbetriebe ähnlich agieren. Nach deutlichen Preissteigerungen und Protesten sind die Wasserpreise in den vergangenen Jahren nur ungefähr in der Höhe der Inflationsrate angehoben worden.

Die landeseigene BVG fuhr im vergangenen Jahr Verluste von rund 74,5 Millionen Euro ein. Insgesamt stiegen die Verbindlichkeiten des Unternehmens damit auf mehr als 750 Millionen Euro. BVG-Vorstandschefin Sigrid Nikutta hat aber bereits angekündigt, dass das Unternehmen ab 2016 keine neuen Schulden mehr machen will.

Um dieses Ziel zu erreichen, will das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Einnahmen jährlich um drei Prozent erhöhen. Wichtigste Geldquelle sind dabei die Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf. Diese können zum einen durch einen Zuwachs an Fahrgästen erhöht werden, aber eben auch durch regelmäßige Preiserhöhungen.