Tegel und Schönefeld

Nun drohen auch an Berlins Flughäfen Streiks

In Frankfurt setzen die rund 200 Vorfeldmitarbeiter ihren Streik fort. Hunderte Flüge fallen wieder aus. Auch in Berlin droht das Bodenpersonal: Arbeitsniederlegungen in Tegel und Schönefeld sind schon ab Ende der Woche möglich.

Foto: Getty Images / Getty Images/Getty

Nach den Arbeitsniederlegungen am Airport Frankfurt drohen nun auch Warnstreiks an den Berliner Flughäfen – Reisende müssen sich dort ab dem Wochenende auf Flugausfälle einstellen. „Wir erwarten, dass uns die Arbeitgeberseite bis Freitag dieser Woche ein Angebot vorlegt. Sollte das nicht der Fall sein, werden wir den Druck auf GlobeGround erhöhen. Dann sind Warnstreiks möglich“, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Jens Gröger Morgenpost Online.

Bernhard Alvensleben, Geschäftsführer der GlobeGround Berlin (GGB) wies die Forderungen von Ver.di zurück. „Wir können nicht nur über das Entgelt sprechen. Wir müssen die Strukturen grundsätzlich anpassen und das Tarifmodell überarbeiten“, sagte er der Zeitung. „Ein Angebot, das nur ein Lohnplus beinhaltet, wird es von uns ziemlich sicher nicht geben.“ Bevor man entscheide, wie die Antwort ausfalle, müsse man allerdings den genauen Inhalt der Forderungen der Arbeitnehmervertreter kennen.

Ausstand ohne lange Ankündigung

Gröger kündigte an, dass die Arbeitskampfleitungen in Tegel und Schönefeld kurzfristig Ausstände organisieren könnten – und das auch würden. „Wir werden etwaige Arbeitsniederlegungen nicht lange vorher ankündigen“, sagte der Ver.di-Funktionär. In der Vergangenheit hätten die Arbeitgeber längere Vorlaufzeiten genutzt, um Mitarbeiter in Hotels in Reserve zu halten. „Am Ende wurden wir mit den Kosten dafür konfrontiert“, begründete Gröger die Taktik. GlobeGround ist mit rund 1500 Beschäftigten der deutlich größere der zwei Flughafendienstleister an den Berliner Airports. Das Unternehmen ist im Auftrag der Fluggesellschaften für die Abfertigung der Passagiere und die Gepäckverladung zuständig.

Ver.di hatte den Entgelttarifvertrag mit dem Unternehmen zum Ende vergangenen Jahres gekündigt. Seither wird über einen neuen Vertrag verhandelt, wobei Ver.di 4,0 Prozent mehr Lohn fordert. Im Gegenzug hatten die Arbeitnehmervertreter angeboten, die Arbeitszeiten zu verlängern. Sollte es ein Lohnplus geben, wäre Ver.di bereit, eine Wochenarbeitszeit von 37,5 statt bisher 36 Stunden zu akzeptieren. „Wir hatten bislang fünf Verhandlungsrunden, und noch immer liegt uns kein Angebot vor“, sagte Gröger. „Wir denken, es ist Zeit, unsere Forderungen zu untermauern.“

Verglichen mit den Forderungen der IG Metall sind die von Ver.di in dieser Tarifrunde bescheiden. Man fordere „null bis vier Prozent, aber es kann nicht sein, dass wir ein Ergebnis aushandeln, das unter dem Inflationsausgleich liegt“, hieß es seitens Ver.di. Bei GlobeGround sieht man nach eigenen Angaben selbst „Anpassungsbedarf bei den Gehältern, vor allem was die unteren Lohngruppen angeht“. Doch die Arbeitgeberseite will eine Paketlösung, also die Löhne neu verhandeln und gleichzeitig den auslaufenden Manteltarifvertrag, der die grundsätzlichen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten regelt. Ver.di hatte den Vergütungstarifvertrag zum 31. Dezember 2011 gekündigt, GlobeGround im Gegenzug den Manteltarifvertrag zum 30. April dieses Jahres. „Das Angebot, mehr arbeiten zu wollen, bringt uns wirtschaftlich nichts. Was wir brauchen, ist mehr Flexibilität beim Einsatz des Personals“, sagte GGB-Chef Alvensleben.

GlobeGround bereitet sich nun auf Arbeitsniederlegungen vor. „Die Belastungen durch den Probebetrieb für den neuen Hauptstadtflughafen und den kommenden Umzug sind zwar schon jetzt sehr groß. Aber wir werden alles tun, um die Auswirkungen möglicher Warnstreiks auf die Fluggäste so gering wie möglich zu halten“, kündigte Alvensleben an. „Verzögerungen für Reisende können wir jedoch nicht ausschließen.“

Streik in Frankfurt fortgesetzt

Derweil setzen die rund 200 Vorfeldmitarbeiter am Frankfurter Flughafen an diesem Montag ihren Streik fort. Beginn ist um fünf Uhr morgens. Diesmal wollen sie 24 Stunden lang ihre Arbeit niederlegen. Vor allem Inlandsflüge, aber auch Flüge auf Mittelstrecken innerhalb Europas könnten ausfallen. Allein die Lufthansa streicht rund 200 Starts und Landungen. Langstreckenflüge sollen einem Sprecher zufolge aber nicht betroffen sein. Der Flughafen-Betreiber Fraport geht davon aus, dass bis zu 70 Prozent aller rund 1250 geplanten Flugbewegungen stattfinden.

Die Gewerkschaft will mit dem 24-Stunden-Ausstand in der Tarifauseinandersetzung mit Fraport den Druck erhöhen. Sie kritisierte, dass der Betreiber sich nicht bewege. Fraport fordert dagegen eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Bereits am vergangenen Donnerstag und Freitag hatten die rund 200 Vorfeldmitarbeiter gestreikt. Allein am Freitag waren 301 Flüge ausgefallen. mit dpa