Tarifkonflikt in Berlin

Bei der BVG wird am Sonnabend gestreikt

Schlechte Nachrichten für die Fahrgäste von Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen in Berlin: Am Sonnabend legen die Beschäftigten der BVG von Betriebsbeginn bis 19 Uhr die Arbeit nieder. Das teilte die Gewerkschaft Ver.di mit. Die Berliner S-Bahn ist von dem Streik nicht betroffen.

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Im Tarifkonflikt bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) treten die Beschäftigten am Sonnabend in einen Warnstreik. Die Gewerkschaft Ver.di habe dazu aufgerufen, von Betriebsbeginn um etwa 4 Uhr bis 19 Uhr die Arbeit niederzulegen, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Ver.di lehnt das Angebot der Arbeitgeber als unzureichend ab.

Der Sonnabend sei bewusst gewählt worden, um die Auswirkungen für die Fahrgäste in Grenzen zu halten, teilte Ver.di mit. Der nächste Verhandlungstermin ist am kommenden Montag geplant. Ziel sei es nicht, den Verkehr komplett lahmzulegen, hieß es seitens Ver.di. Es gehe aber darum, ein erkennbares Warnsignal an die Arbeitgeber im Vorfeld der vereinbarten weiteren Gesprächstermine zu setzen.

Die Ver.di-Tarifkommission hatte in ihrer Sitzung am Mittwoch das vorliegende Angebot der Arbeitgeberseite einstimmig als unzureichend abgelehnt. "Daher werden die Beschäftigten deutlich machen, dass ihre Geduld erschöpft ist", hieß in einer Presseerklärung seitens Ver.di. Die Kommission habe daraufhin ebenfalls einstimmig beschlossen, die BVG-Mitarbeiter zu einem Warnstreik aufzurufen.

Das Angebot der Arbeitgeber beinhalte über die geplante Laufzeit von drei Jahren Steigerungen von insgesamt 4,9 Prozent, teilte die Gewerkschaft mit. Für einen neubeschäftigten Busfahrer bedeute das eine monatliche Steigerung seines Gehalts bis zum Ende der Laufzeit um 94,69 Euro brutto. Ver.di lehnt dieses Angebot als zu niedrig ab, da es nicht die Inflationsverluste - etwa 2,3 Prozent - ausgleiche.

Gemäß dem neuen Angebot der KAV könnten in diesem Jahr die Löhne und Gehälter der BVG-Mitarbeiter demnach um gut zwei Prozent, in den Folgejahren dafür in geringerem Maße steigen. „Auf beiden Seiten sind die Spielräume eng gesteckt“, sagte KAV-Sprecherin Silke Leicht-Gilles.

Zudem will Ver.di eine deutlich kürzere Vertragslaufzeit durchsetzen, um auf Preisanstiege reagieren zu können. Das Angebot des KAV habe die Ver.di-Verhandlungsdelegatio einhellig abgelehnt, sagte Gewerkschaftssprecher Andreas Splanemann. „Das Problem der langen Laufzeit mit geringen Steigerungsraten bleibt“, sagte er.

Nach drei Stunden war am Dienstag die sechste Verhandlungsrunde ergebnislos beendet worden. Über Einzelheiten des Angebots für die etwa 12.500 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochtergesellschaft Berlin Transport (BT) hatten die Verhandlungspartner zuvor Stillschweigen vereinbart.

Nach Informationen von Morgenpost Online soll aber der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV), der die BVG in den Verhandlungen vertritt, beim Volumen der Lohnerhöhungen nachgelegt haben. Die Arbeitgeberseite hatte zuvor einen über drei Jahre laufenden Tarifvertrag mit schrittweisen Einkommenssteigerungen von insgesamt 4,2 Prozent und zwei Einmalzahlungen von zusammen 500 Euro angeboten.

S-Bahn nicht betroffen

Die Berliner S-Bahn ist von dem Streik nicht betroffen. Sie gehört der Deutschen Bahn und hat einen eigenen Tarifvertrag. Eine ähnlich rabiate Streiktaktik wie beim letzten großen BVG-Arbeitskampf vor vier Jahren müssen aber auch die Fahrgäste, die auf Busse und Bahnen der landeseigenen BVG angewiesen sind, nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen wohl zunächst nicht befürchten. Damals hatte Ver.di gleich zum Auftakt zu einer 39-stündigen Arbeitsniederlegung in allen Bereichen der BVG aufgerufen. Die Folge war ein tagelanges Verkehrschaos gewesen.

Darauf hofft auch der Berliner Fahrgastverband Igeb. „Die Tarifparteien sollten lieber eine Nacht mehr verhandeln, als es auf einen Streik ankommen zu lassen“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Wieseke forderte die Gewerkschaft auf, nicht sofort das gesamte Bus- und Bahnnetz der BVG lahmzulegen. Auch mit einem Streik in Werkstätten oder der Verwaltung könne Ver.di Entschlossenheit zeigen, ohne den Konflikt auf dem Rücken der Fahrgäste auszutragen, so Wieseke.