Pankower Tor

Aus Ruinen entsteht ein neues Stadtquartier

Unternehmer Kurt Krieger verfolgt seine Großprojekte weiter. In Zehlendorf lehnen die Politiker seine Möbelhaus-Pläne ab, am Rangierbahnhof in Pankow nehmen seine Ideen hingegen langsam Gestalt an.

Foto: Brigitte Schmiemann

Die Chancen für Kurt Kriegers Großprojekt auf dem alten Pankower Güterbahnhof steigen. In den kommenden Wochen werden sich Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, des Bezirksamts und der Unternehmer zusammensetzen und das 350 Millionen Euro teure Vorhaben diskutieren. "Wir wollen gemeinsam ein lebendiges Stadtquartier entwickeln", sagte der Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), Morgenpost Online.

Dabei werde besprochen, wie das Gelände künftig genutzt werden soll und wie die große Fläche aufgeteilt werden könnte. "Es wird nicht nur Shopping, sondern auch Wohnen, Bildung, Dienstleistungen und Freizeitangebote auf dem Grundstück geben", sagte Kirchner. Der Flächennutzungsplan müsse geändert werden. Die Voraussetzungen für das Baurecht seien zu schaffen. Anfang Januar hatte es ein erstes Gespräch von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) mit Kurt Krieger, Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) und Stadtrat Kirchner gegeben.

"Pankower Tor" nennt Kurt Krieger das Vorhaben auf dem alten Rangierbahnhof. Das Gelände ist etwa 40 Hektar groß. Krieger möchte ein Möbelhaus und einen Möbeldiscounter bauen, außerdem ein großes Einkaufszentrum. Auch sollen ein Stadtplatz, ein Park, eine Schule, Sportflächen und Wohnungen entstehen. Die Bezirksverordneten begrüßen das Projekt. Doch es gibt Vorbehalte der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Sie fürchtet, dass das geplante 30.000 Quadratmeter große Shopping-Center auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände Kundenströme von den Einkaufszentren im Umfeld abziehen wird und diese Zentren dadurch gefährden könnte.

Im Grunewald noch in den Anfängen

Während sich in Pankow jetzt Vertreter der Ämter und der Investor an einen Tisch setzen wollen, sind Kurt Kriegers Pläne für den ehemaligen Güterbahnhof Grunewald noch ganz am Anfang. Als Ersatz für das Höffner-Haus an der Pankstraße möchte der Berliner Unternehmer auf der Bahnbrache ein Möbelhaus mit Parkhaus und eine Golfanlage bauen.

Das fast 15 Hektar große Areal ist schwer zu finden. Schon der Eingang zum ehemaligen Güter- und Rangierbahnhof ist unscheinbar. Der Zugang über die mit Kopfsteinen gepflasterte kleine Cordesstraße führt unweit des S-Bahnhofs Messe-Süd in einem Tunnel unter der Avus hindurch aufs Gelände. Es ist von Gleisen umzingelt und liegt wie verwunschen da: Dunkelrote Backsteinhäuser, die Fenster mit Brettern winterfest gemacht, alte, heruntergekommene Industriebauten säumen den Weg. Für Kurt Krieger ist die Brache eine "Riesen-Ansammlung von Ruinen", aus der er etwas Neues schaffen möchte.

Die Baugenehmigung für ein neues Möbelhaus mit Parkhaus ist jedoch noch in weiter Ferne. Nicht nur die Bürgerinitiative "Zwischen den Gleisen", auch die Bezirkspolitiker lehnen die aktuellen Pläne ab. Laut Baustadtrat Schulte kann sich der Bezirk auf der Brache sehr gut Wohnungen vorstellen: "Die Fläche bietet viel Potenzial. Wir müssen jetzt mit dem Senat schauen, ob es wirklich ein Möbelhaus sein muss." Ginge es nach der Bürgerinitiative, sollte auf dem Gelände eine Mischung aus kleinteiligem Wohnen und Gewerbe entwickelt werden. Umweltverträglich. Darin sollten auch die alten Häuser integriert werden.

Ein großes Möbelhaus wird von der Bürgerinitiative schon wegen des Verkehrsaufkommens abgelehnt. Mit Interesse verfolgten Mitglieder der Bürgerinitiative die Ergebnisse des Umweltgutachtens, die die von Krieger beauftragten Experten im Umweltausschuss des Bezirks vorstellten. "Es gibt kein wirkliches Planungshindernis", fasste Diplom-Ingenieur Sebastian Boegner die Ergebnisse zusammen. Neben etlichen anderen Pflanzen und Tieren wurden auch 52 Bienen- und Wespenarten nachgewiesen, 65 Laufkäferarten, 20 Heuschrecken- und Grillenarten, auch sämtliche Brut- und Gastvogelarten wurden gezählt, 212 geschützte Bäume erfasst. Fledermäuse wurden jagend und balzend beobachtet, Sommer- oder Winterquartiere haben die Gutachter jedoch nicht entdeckt. Wenn gebaut wird, würden viele Arten vernichtet. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen könnten aber dafür sorgen, dass sich der Schaden in Grenzen hält.

Bürgerinitiative sorgt sich um Natur

Die umfangreiche Bestandsaufnahme nannte der Leiter des Umweltamtes, Wilhelm-Friedrich Graf zu Lynar, "sorgfältig", soweit er das beurteilen könne. Die Bürgerinitiative "Zwischen den Gleisen" traut dem Frieden jedoch nicht. Kurt Krieger will sich in Kürze mit der Bürgerinitiative treffen, um sie über seine nächsten Pläne zu informieren. "Und danach wollen wir eigentlich mit den Abbrucharbeiten loslegen", kündigte Michael Kollmann, Expansionsleiter der Unternehmensgruppe Höffner–Krieger, an. Eine Abbruchgenehmigung hatte das Eisenbahnbundesamt 2005 erteilt. Vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten sollen durch Bauzäune gesichert werden.

Die Bürger aus der nahen Eichkampsiedlung und der Heerstraße sehen die Abbruchpläne kritisch: "Es wird sicherlich mit schwerem Gerät gearbeitet, da wird einiges in der Natur kaputtgehen", fürchtet Cornelia Biermann-Gräbner. Argwöhnisch habe die Initiative gemacht, dass Krieger die denkmalgeschützten Wohnhäuser nach und nach entmietet habe, indem er die Bewohner großzügig abgefunden haben soll. Nun stünden sie leer, seien der Witterung ausgesetzt und würden hoffentlich nicht abgerissen.

Die Bürgerinitiative schätzt das Areal vor der Haustür, auch wenn die laute Avus dazwischen liegt. "Es handelt sich um eine Stadtbrache, eine wichtige, naturnahe Ressource, mit der sensibel umgegangen werden muss", fordert Biermann-Gräbner. Obwohl der Grunewald nah sei, habe die Siedlung Eichkamp wegen des nahen Verkehrsknotenpunktes rund um den Funkturm eine schlechte Luftqualität.

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