Gedenken in Berlin

Rote Nelken für Luxemburg und Liebknecht

In Berlin-Friedrichsfelde haben am Sonntag tausende Menschen an die vor 93 Jahren ermordeten Sozialisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erinnert. Dieser Marsch war in der DDR Tradition.

Foto: dpa / dpa/DPA

Mit Kränzen und roten Nelken haben tausende Menschen auf der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erinnert. Die Gründer der KPD waren im Januar 1919 von reaktionären Soldaten ermordet worden. Bis Sonntagmittag kamen etwa 9000 Menschen, darunter 4500 Teilnehmer eines Demonstrationszuges, zu dem stillen Gedenken.

Am Morgen legten die Vorsitzenden der Linkspartei, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi sowie der Linke-Fraktionschef im Saarland, Oskar Lafontaine, begleitet von etwa 300 Mitstreitern Blumen nieder. Auch der ehemalige DDR-Ministerpräsident Hans Modrow kam zu dem Gedenken.

Linke Gruppen waren am Vormittag am Frankfurter Tor in Friedrichshain zu einem Demonstrationszug nach Friedrichsfelde aufgebrochen. Auf Transparenten und Plakaten protestierten sie gegen den Kapitalismus, die Macht der Banken und die Bundesregierung. Der Aufzug verlief nach Angaben eines Polizeisprechers friedlich, es habe keine Zwischenfälle gegeben.

Die Gedenkstätte auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde war 1919 von der KPD errichtet worden. 1926 erhielt sie ein von Ludwig Mies van der Rohe entworfenes Revolutionsmonument, das die Nationalsozialisten 1935 schleifen ließen.

1951 wurde die Gedenkstätte in neuer Form errichtet. Dort sind neben Liebknecht und Luxemburg weitere kommunistische Führer wie John Schehr (1934 ermordet) und Ernst Thälmann (1944 ermordet) begraben. Auch die Gräber von Mitgliedern der ehemaligen DDR-Staatsführung sind darin eingebettet, unter anderen des ersten und einzigen ostdeutschen Staatspräsidenten Wilhelm Pieck (1960 gestorben), des ersten DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl (1964 gestorben) und des Staats- und SED-Chefs, Walter Ulbricht (1973 verstorben). In Nachbarschaft der Gedenkstätte erinnert seit wenigen Jahren ein Gedenkstein an die Opfer des Stalinismus.

Zu DDR-Zeiten war die Gedenkveranstaltung für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht Anlass für organisierte Massenaufmärsche, die vor allem der Huldigung von Staats- und Parteiführung dienen sollten. Das Staatsfernsehen übertrug die Defilees stundenlang.

Für Aufsehen sorgte 1988 eine Aktion mehrere Bürgerrechtler. Sie hatten das Luxemburg-Wort von der Freiheit, die immer die Freiheit Andersdenkender ist, auf Transparenten gezeigt. Daraufhin – und bereits vor der Kundgebung – wurden mehrere „Andersdenkende“ wie Vera Wollenberger (heute Lengsfeld) festgenommen.

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