Nahverkehr

Deutsche Bahn verkauft S-Bahn nicht an Berlin

Der Bahn-Konzern wird seine Tochter S-Bahn Berlin nicht an das Land Berlin verkaufen. Das Unternehmen hat damit entsprechenden Plänen des Senats eine endgültige Absage erteilt. Auch einen Verkauf von S-Bahnzügen aus dem Pool der DB-Tochter wird es nicht geben.

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Die Deutsche Bahn wird die Konzerntochter S-Bahn Berlin nach Informationen von Morgenpost Online nicht an das Land Berlin verkaufen. Das Unternehmen hat damit entsprechenden Plänen des Senats eine endgültige Absage erteilt. Auch einen Verkauf von S-Bahnzügen aus dem Pool der DB-Tochter wird es nicht geben, wie Morgenpost Online aus Verhandlungskreisen erfuhr.

Der Bahnvorstand hatte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) am Mittwoch darüber informiert, dass das Unternehmen auch in Zukunft den S-Bahn-Verkehr in der Hauptstadt fahren wolle und einen Verkauf der Gesellschaft und von Zügen daher ausschließe. Ein Sprecher der Bahn sagte, man wolle zu den Vorgängen keine Stellung nehmen.

Verkehrssenator Müller hatte vor rund zwei Wochen mit Bahnchef Rüdiger Grube Gespräche über einen möglichen Verkauf der S-Bahn geführt. Dabei war keine Übereinstimmung erreicht worden. Müller hatte anschließend erklärt, die Bahn habe sich nicht dazu geäußert, zu welchen Konditionen sie zu einem Verkauf bereit sei.

Offenbar gebe es im Konzern intern noch Diskussionsbedarf, mutmaßte der SPD-Politiker. Allerdings hat der Senat der Bahn bislang auch noch kein konkretes Übernahmeangebot gemacht. Und auch ein abschließendes Konzept, wie das Land Berlin als Betreiber ein besseres S-Bahnangebot machen will, ist der Senat bislang schuldig geblieben.

Der Verkehrsvertrag Berlins mit der S-Bahn läuft bis 2017. Über die Übernahme der 100-prozentigen Bahntochter S-Bahn Berlin GmbH wird diskutiert, seit vor zweieinhalb Jahren eine Serie von Technikpannen begann, die den S-Bahn-Verkehr immer wieder stark beeinträchtigten.

Das Land Berlin kann den DB-Konzern nicht zum Verkauf der S-Bahn zwingen. Der Senat könnte allerdings den S-Bahn-Verkehr ausschreiben und damit anderen Bahnunternehmen eine Chance geben. Mit einer Teilausschreibung rechnet der Bahnvorstand nach Morgenpost-Informationen inzwischen fest.

Offen ist allerdings, woher ein neuer Betreiber die notwendigen Wagen nimmt: Züge lassen sich selbst im Bahnland Deutschland nicht einfach beschaffen – schon gar nicht für das Netz Berlin, das technisch einmalig ist und daher eine völlige Neuentwicklung von Wagen erfordert.

Doch die Bahn will ihre S-Bahn-Züge nicht verkaufen, wie dem Senat mitgeteilt wurde. Das Unternehmen befürchtet offenbar, dass Konkurrenzunternehmen auch in anderen Teilen Deutschlands Ansprüche auf DB-Züge erheben würden, sollte das Beispiel Berlin Schule machen.

Das Angebot der Bahn, noch während des laufenden Verkehrsvertrages die Konstruktion neuer S-Bahn-Züge zu beginnen, egal wer ab 2017 den Betrieb auf dem Netz organisiert, steht unterdessen nicht mehr. Der Konzern würde damit in Konflikt mit dem Bundeskartellamt geraten. Denn die Wettbewerbshüter könnten der Bahn den Vorwurf machen, sich aufgrund der Beteiligung an der Konstruktion neuer Wagen einen Vorteil gegenüber Konkurrenten verschafft zu haben.

Die Deutsche Bahn sieht die S-Bahn Berlin als eines ihrer Kerngeschäfte an. Zudem wäre es ein deutlicher Dämpfer fürs Image, sollte die S-Bahn der Hauptstadt und der Stadt am Konzernsitz an einen Konkurrenten fallen. Der DB-Konzern nimmt dafür auch in Kauf, bis zum Auslaufen des Verkehrsvertrages 2017 mit der S-Bahn Berlin kein Geld verdient zu haben. Im Gegenteil: Für die Gesamtlaufzeit werden aufgrund der technischen Schwierigkeiten bei den Wagen rote Zahlen erwartet.

Noch vor drei Jahren verfolgte das Unternehmen ehrgeizige Renditeziele mit der S-Bahn Berlin. Sollte Berlin die S-Bahn teilweise ausschreiben, will sich die Bahn auch für jenen Teil des Betriebes bewerben, der im Wettbewerb vergeben werden soll.