Umweltbundesamt

Vorstellung von Lärmgutachten abgesagt

Das Umweltbundesamt hat eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz zu den Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen überraschend abgesagt. Ein Sprecher gab an, dass zunächst noch Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium geführt werden müssten.

Foto: dpa / dpa/DPA

Das Bundesumweltamt hat die Vorstellung des mit Spannung erwarteten Gutachtens zur Lärmbelästigung durch die Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen überraschend abgesagt. Ein Sprecher sagte am Montagabend, Gespräche mit den verantwortlichen Ressorts der Bundesregierung, insbesondere mit dem Verkehrsressort, seien noch nicht zu Ende. Einen neuen Termin für die öffentliche Vorstellung des Gutachtens, die für Dienstagvormittag geplant war, gebe es noch nicht. Dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sei das Gutachten fristgerecht übergeben worden.

Zu dem Gutachten hieß es am Wochenende in Medienberichten unter anderem, dass sich und Einschränkungen beim Wannsee fordere. Außerdem soll die Forderung nach einem Nachtflugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr wiederholt werden. Eine offizielle Stellungnahme dafür gab es nicht. Mit der kurzfristigen Absage der Pressekonferenz bekommt die Debatte um die Flugrouten wieder neue Nahrung.

Das Gutachten kann die endgültige Flugrouten-Entscheidung beeinflussen, die das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung am 26. Januar präsentieren will. Unterdessen wiesen die Betreiber einen Bericht über große Probleme bei der Entwässerung des Flughafens zurück.

Die Deutsche Flugsicherung hatte im vergangenen Juli ihren Flugroutenvorschlag gemacht. Das Bundesaufsichtsamt legt die Routen auf dieser Grundlage und „im Benehmen“ mit dem Umweltbundesamt fest - es muss die Einwände des Umweltamtes nicht berücksichtigen. Der Flughafen öffnet am 3. Juni.

Die jüngsten Pläne zu den Flugrouten sehen vor, Berlins Südosten und Südwesten zu überqueren und Potsdam zu umfliegen. Über den Wannsee führt bei Westwind die Route für täglich 48 Flüge in 2400 Metern, über den Müggelsee und Müggelheim sind es bei Ostwind 120 Maschinen, die nur halb so hoch fliegen.

Knapp am Montagabend erneut gegen die geplante Flugroute über den Müggelsee protestiert. Nach dem durchgesickerten Gutachten des Bundesumweltamtes schöpfen die Menschen rund um den Müggelsee wieder Hoffnung. „Wir haben immer Hoffnung, das sich die Vernunft durchsetzt“, sagte Manfred Kurz, Mitglied im Sprecherrat der Bürgerinitiative, der dpa.

Der größte Teil der Maschinen soll nach Vorschlag der Flugsicherung von der Nordbahn südlich an Potsdam vorbei nach Westen fliegen – die Route führt zwischen Michendorf und Beelitz hindurch. Von der Südbahn führen die Routen in einem Korridor zwischen Ludwigsfelde und Luckenwalde in Richtung Südwesten. Bei Starts in Richtung Osten lautet der Vorschlag: Die Maschinen starten von der Nordbahn geradeaus über Berlins Südosten hinweg in Richtung Erkner oder über den Müggelsee nach Nordosten. Von der Südbahn soll Zeuthen umflogen werden.

Aufgrund von Sicherheitsbestimmungen dürfen im parallelen Betrieb die Maschinen nicht von beiden Start- und Landebahnen geradeaus fliegen, sondern müssen abdrehen. Jahrelang waren die Menschen in der Region aber von Geradeausstarts ausgegangen.